Neuer oberster Gewerkschafter: Pierre-Yves Maillard  wird SGB-Präsident

Die Delegierten der Gewerkschaften haben am Samstag in Bern ihren neuen Präsidenten gewählt. Auf den St.Galler Ständerat Paul Rechsteiner folgt Pierre-Yves Maillard. Er hat sich gegen die St.Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi durchgesetzt. 

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Pierre-Yves Maillard ist neuer SGB-Präsident. (Bild: Keystone)

Pierre-Yves Maillard ist neuer SGB-Präsident. (Bild: Keystone)

(sda) Der Waadtländer SP-Staatsrat Pierre-Yves Maillard ist zum neuen Präsidenten des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (SGB) gewählt worden. Maillard setzte sich bei der Wahl vom Samstag in Bern gegen die St. Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi durch.

Maillard erhielt 115 der 212 eingegangenen Stimmen, Gysi deren 82, wie SGB-Vizepräsident Giorgio Tuti an einem Kongress in Bern bekanntgab. 15 Wahlzettel wurden leer eingelegt. Mit 115 Stimmen übertraf Maillard das für eine Wahl im ersten Wahlgang nötige absolute Mehr um acht Stimmen. Weitere Kandidaturen gab es nicht.

Der aktuelle Gesundheits- und Fürsorgedirektor des Kantons Waadt übernimmt das Amt von Paul Rechsteiner, der im März seine Demission bekanntgegeben hatte. Rechsteiner war fast zwanzig Jahre lang SGB-Präsident.

Der fünfzigjährige Maillard wird nach eigenen Angaben das SGB-Präsidium zwischen Mai und Juni des kommenden Jahres antreten.

Dreiphasiges Wahlprozedere

Die beiden Kandidierenden hatten in einer ersten Phase des Wahlprozederes sieben Minuten, um sich vor den Delegierten zu präsentieren. Danach gab es in einer zweiten Phase eine Fragerunde. Maillard hob mehrfach soziale Errungenschaften in der Waadt hervor. Was in der Waadt möglich sei, könne man auch anderswo erreichen.

Er sagte auch, als SGB-Präsident werde er nicht der starke Mann, «ein Bulldozer». Vielmehr komme die Stärke des SGB von unten, von der Basis.

Gysi sagte, ihr seien drei Themen besonders wichtig: Umverteilung, die Sicherheit sozialer Netze und gute Rahmenbedingungen für Frauen. Umverteilung müsse es nicht nur von oben nach unten geben, sondern auch von Hochlohnbranchen wie Versicherungen und Banken zu Tieflohnbranchen, etwa der Pflege.

In einer dritten Phase des Wahlverfahrens äusserten sich Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für oder gegen die Kandidierenden. Im Allgemeinen hiess es, beide Kandidaturen seien gut. Es gab Frauen, die sich für Maillard aussprachen und Romands, die für Gysi warben, aber auch einen Ostschweizer, der sich für Maillard einsetzte.

Stärkstes SGB-Mitglied hinter Maillard

Für Gysi hatten sich vor der Wahl der Personalverband des Bundes (PVB), die Gewerkschaften VPOD und Garanto sowie die SGB-Frauenkommission ausgesprochen. Eine Wahlempfehlung für Maillard hatte die grösste SGB-Mitgliedorganisation, die Unia, abgegeben. Dazu kamen Syndicom und die Gewerkschaft des Verkehrspersonals (SEV).

14 Verbände gehören dem SGB an, zwei weitere sind assoziierte Mitglieder. Der SGB ist gemäss eigenen Angaben mit 360'000 Mitgliedern grösster Gewerkschaftsdachverband der Schweiz.