Hepatitis: Neuer Test für Blutspender

Ab nächstem Monat kommt ein Test zum Einsatz, der nicht nur die Typen A, B und C erfasst. Auch Hepatitis E wird künftig getestet. Das schliesst einige Spender aus und hat einen kleinen Kostenschub zur Folge.

Balz Bruder
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Eine Blutspende-Fachfrau entnimmt Blutproben eines Spenders im Blutspendemobil des Blutspendedienstes des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK auf dem Muensterplatz in Bern, am Dienstag, 24. Juli 2018. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Eine Blutspende-Fachfrau entnimmt Blutproben eines Spenders im Blutspendemobil des Blutspendedienstes des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK auf dem Muensterplatz in Bern, am Dienstag, 24. Juli 2018. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Neue und höhere Anforderungen an die Blutspenden in der Schweiz: Ab Oktober kommt ein Test zum Einsatz, der nicht nur Hepatitis A, B und C, sondern auch Hepatitis E einbezieht. Jene infektiöse Leberkrankheit also, die zu Gelbsucht führen kann.

Zwar läuft eine akute HEV-Infektion in aller Regel ohne Behandlung ab und beschränkt sich – vor allem bei gesunden Menschen – auf Fieber, Gelenk- und Bauchschmerzen. Anders sieht es bei Risikopatienten aus – insbesondere bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, vorzugsweise bei Transplantationsempfängern. Zur Illustration: Das Risiko einer chronischen Erkrankung wird bei diesen Personen auf rund 1 bis 3 Prozent geschätzt. Grund genug für Blutspende Schweiz SRK AG, sämtliche Blutprodukte auf HEV zu testen, wie Direktor Rudolf Schwabe bestätigt.

Zwar ist die Hepatitis-E-Krank­heit in der Schweiz erst seit Anfang Jahr meldepflichtig – aus diesem Grund fehlen fundierte epidemiologische Daten. Im Gegensatz dazu mussten transfusionsbedingte HEV-Erkrankungen schon früher gemeldet werden. Was nichts daran ändert, dass der Krankheit auch in der Ärzteschaft bisher eine eher geringe Beachtung geschenkt worden sei, wie Schwabe sagt, weil sie häufig mild bis symptomlos verlaufe. Blutspende SRK Schweiz geht denn auch von einer möglichen «Unterdiagnostizierung» aus.

Nun schlägt das Pendel in die andere Richtung aus. Eine Arbeitsgruppe, in der Swissmedic ebenso wie Swisstransplant, klinische Ärzte und Blutspende SRK Schweiz vertreten waren, hat Empfehlungen erarbeitet, wie mit dem HEV im Kontext von Blutprodukten umzugehen ist. Die Evidenz von HEV für immunsupprimierte Patienten – also bei solchen, bei denen das eigene Abwehrsystem unterdrückt ist, sei «klar erwiesen und hoch», betont Schwabe.

Blutprodukte-Testung ist «logisch und sinnvoll»

«Die meisten Spitäler der Schweiz haben nun auch eine entsprechende Diät für diese Patienten eingeführt, um den Ansteckungsweg via Nahrungsmittel zu unterbinden», führt er aus. Und betont vor diesem Hintergrund: «Um den Patientenschutz bezüglich HEV zu vervollständigen, ist die Testung der Blutprodukte logisch und sinnvoll.»

Auch wenn die HEV-Testung potenziell eine Einschränkung von Blutspenden und -spendern bedeutet, befürchtet CEO Schwabe «keine relevante Veränderung». Die Hochrechnung gehe «von einigen Dutzend Personen pro Jahr aus», sagt Schwabe.

Zum Vergleich: Insgesamt gibt es in der Schweiz gut 200000 aktive Blut- und über 100000 registrierte Blutstammzellspender. Abgesehen davon sei auch der Kosteneffekt durch die Erweiterung des Tests bescheiden, meint Schwabe. Ein Beutel rote Blutkörperchen kostet heute 212.50 Franken und wird künftig 5.80 Franken teurer sein – also plus 2,7 Prozent.

Es sei der erste Zuschlag seit 13 Jahren, hält Schwabe fest, der sein Amt Mitte September nach fast zwei Jahrzehnten als Leiter der Dachorganisation Blutspende Schweiz an den bisherigen Spitalverbands-Direktor, Bernhard Wegmüller, übergeben wird.