Neuer Test: Valora lässt ETH-Studenten kassenlos und 24 Stunden lang einkaufen

Der Kioskkonzern Valora eifert erneut Amazon nach. In Zürich sollen Studierende schon bald Tag und Nacht shoppen können. Doch es gibt offene Fragen.

Benjamin Weinmann
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Im April testete Valora einen ersten kassenlosen Shop im Zürcher HB. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Im April testete Valora einen ersten kassenlosen Shop im Zürcher HB. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Der Kiosk-Konzern Valora macht weiter vorwärts mit seinen kassenlosen Plänen. Bereits im Frühling hatte Valora im Zürcher Hauptbahnhof eine "Avec Box" aufgestellt. Wer über die nötige App auf seinem Handy hatte, erhielt damit Zutritt in den Shop, um Sandwiches, Energydrinks oder Butter einzukaufen. Die Produkte werden mit dem Handy eingescannt und die Bezahlung geschieht ebenfalls via Smartphone, beziehungsweise der darauf hinterlegten Kreditkarte.

Nun lanciert Valora einen zweiten Versuch: Vom 17. September bis zum 10. November 2019 findet eine Testphase der "Avec Box" statt, und zwar auf dem Campus Hönggerberg der ETH Zürich mit seinen 900 Campus-Bewohnern und den rund 12'000 Studierenden, Dozierenden und weiteren Mitarbeitenden. Von Montag bis Sonntag können sie Tag und Nacht durchgehend im neuen Shop einkaufen.

Erster fixer Standort geplant

Weiterhin testet Valora zudem den "Avec X"-Shop, der nach wie vor im Untergeschoss des Zürcher Hauptbahnhofs steht. Er ist quasi das Innovations-Labor von Valora und funktioniert ebenfalls via Handy-App. Dort ist zu Testzwecken tagsüber und am Abend seit Kurzem auch das Bezahlen über Self-Checkout-Kassen möglich. Zudem kündigte Valora-Chef Michael Mueller im April an, dereinst zu Testzwecken auch die Gesichter der Kunden scannen zu wollen, um ihnen personalisierte Produktangebote zu machen.

Auf dem Hönggerberg sollen gemäss Pressemitteilung nun zusätzliche wichtige Rückmeldungen gesammelt werden, um später weitere Shops zu eröffnen. Ein erster "Avec Box"-Standort ist am Bahnhof Wetzikon für den Spätherbst 2019 geplant. Über die bisherigen Erkenntnisse, wie gross die Akzeptanz und die Kundenfrequenzen zum Beispiel sind, gibt sich Valora allerdings sehr bedeckt. Auch ist unklar, wie viele Standorte langfristig geplant sind. Kommt hinzu, dass die Gewerkschaften durch die kassenlosen Shops einen Stellenabbau befürchten.

Laut Communiqué arbeitete Valora bereits 2016 mit der ETH Zürich zusammen, um neue Einkaufstechnologien zu testen. Gemeinsam mit dem akademischen Forschungsnetzwerk «Auto-ID Labs» entwickelte Valora die Scan & Go App. Mit dieser testete Valora zwischen 2016 und 2018 an fünf Standorten am Zürcher Hauptbahnhof die Akzeptanz bei ihren Kunden für mobile Self-Checkout-Lösungen als Ergänzung zu herkömmlichen Kassen. Mit der App konnten Produkte selbständig gescannt und mit der hinterlegten Kreditkarte bezahlt werden.