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NO BILLAG: Sportfans bangen um Lauberhornrennen

Erhält die SRG keine Gebühren mehr, verschwinden mehrere traditionelle Schweizer Sportanlässe, warnen die Gegner von «No Billag». Stimmt nicht, sagen die Initianten. Die SRG müsse lediglich ihren Gigantismus aufgeben.
Roger Braun
Beat Feuz bejubelt seinen Sieg in der Lauberhornabfahrt. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Wengen, 13. Januar 2018))

Beat Feuz bejubelt seinen Sieg in der Lauberhornabfahrt. (Bild: Peter Schneider/Keystone (Wengen, 13. Januar 2018))

Roger Braun

Bei den Sportveranstaltungen spielt die Schweiz im Konzert der Grossen mit. Das Abfahrtsrennen am Lauberhorn, das Radrennen Tour de Suisse oder das Eishockeyturnier Spengler-Cup sind globale Sportereignisse. Nur, wie lange noch? Die Organisatoren sind angesichts der No-Billag-Abstimmung in Alarmstimmung. Werden die obligatorischen Empfangsgebühren für TV und Radio abgeschafft, gibt es nicht mehr ­genug Geld für die aufwendigen Produktionen, befürchten die Veranstalter. Und fällt die TV-Übertragung erst mal weg, ziehen sich die Sponsoren zurück – der Anlass ist nicht mehr finanzierbar.

Ganz unbegründet ist diese Befürchtung nicht, denn Sportübertragungen sind alles andere als rentabel. Zwischen 10 und 20 Prozent der Kosten spielt die SRG mit Werbung und Sponsoring im Schnitt aller Sportübertragungen ein. «Kein gewinnorientierter Privatsender wird bereit sein, diese teuren Veranstaltungen in guter Qualität zu produzieren», sagt CVP-Nationalrat Martin Candinas (Graubünden). Für ihn ist klar: Kommt es am 4. März zu einem Ja, werden die Sportfans auf einige liebgewonnene Sportereignisse verzichten müssen.

340 SRG-Leute in Sotschi

No-Billag-Initiant Andreas Kleeb sieht das Sportangebot hingegen nicht gefährdet. «Die hohen Kosten sind darauf zurückzuführen, dass für die SRG immer nur das Beste gut genug ist», sagt er. Er erinnert an die Olympischen Spiele in Sotschi, als 340 SRG-Mitarbeiter ins russische Skigebiet gereist waren. «Das ist reiner Gigantismus und widerspricht einem sorgfältigen Umgang mit den Finanzen», sagt er. Kleeb gibt sich überzeugt, dass private Anbieter in die Lücke springen werden, wenn die SRG wegfällt. Schlechter werden würde die Produktion dadurch nicht, sagt er. «Die Qualität muss nicht leiden, wenn die Mittel effizient eingesetzt werden.»

Candinas verneint ein gewisses Effizienzpotenzial nicht, «doch zu glauben, dass man damit die Kosten um mehr als die Hälfte senken kann, ist völlig absurd», sagt er. Für ihn hat Qualität ihren Preis. Man müsse sich entscheiden: «Wollen wir hochstehende Bilder von der Lauberhornabfahrt oder ein billiges Gebastel? Ich bin klar für Ersteres.»

Neben den Eigenproduktionen zeigt die SRG heute auch viele internationale Sportwettbewerbe, die sie einkauft: etwa die Fussballspiele der Champions League. Schweizer Sportfans sind diesbezüglich in einer privilegierten Lage. In England und Frankreich sind im Free-TV schon länger keine Spiele der Champions League mehr zu sehen. Im Sommer fällt die Königsklasse auch in Deutschland und in Österreich aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Einzig die SRG hat sich gehalten: Bis zur Saison 2021/22 wird jeden Mittwoch ein Spiel der Champions League frei empfangbar sein.

Gut 50 Millionen Franken gibt die SRG jährlich für Sportübertragungsrechte aus. Dies ­ ist relativ wenig, berücksichtigt man, dass My Sports für die Übertragungsrechte der Schweizer Eishockeyliga 35 Millionen pro Saison aufwirft und Teleclub für die heimische Fussballliga ebenfalls rund 35 Millionen Franken bezahlt. Für Candinas zeigt dies, dass mehrere Anbieter in der Schweiz preistreibend wirken. «Mit ‹No Billag› würden die Preise für die Champions League oder die Fussball-WM in die Höhe schnellen», sagt er. Damit würde im Free-TV bald kein internationaler Spitzensport mehr zu sehen sein.

Kleeb rechnet ebenfalls mit steigenden Preisen für Sportübertragungen. Doch dies habe nichts mit der No-Billag-Initiative zu tun, sondern mit der Digitalisierung. «Das Internet hat die weltweiten Übertragungen verbilligt, deshalb drängen die internationalen Sportsender wie Sky oder Dazn in neue Märkte», sagt er. Er rechnet damit, dass ein Grossteil des populären Spitzensports mittelfristig sowieso bezahlpflichtig wird – SRG hin oder her.

Bild: Grafik: LZ

Bild: Grafik: LZ

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