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NO BILLAG: TV-Stars verrennen sich auf Facebook

Es geht um die Löhne, eine «funktionierende Demokratie» oder «Unabhängigkeit»: Reihenweise mischen bekannte TV-Gesichter im No-Billag-Abstimmungskampf mit. Das könne kontraproduktiv sein, sagt ein Kommunikationsexperte.
Kari Kälin
Blick in die Regie während der Aufzeichnung der Sendung «Arena» zum Thema «No Billag – Ja oder Nein?» des Schweizer Fernsehens. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 3. November 2017))

Blick in die Regie während der Aufzeichnung der Sendung «Arena» zum Thema «No Billag – Ja oder Nein?» des Schweizer Fernsehens. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Zürich, 3. November 2017))

Kari Kälin

Aus, Amen, Schluss: Die SRG-Führungsriege betont bei jeder Gelegenheit, dass ein Ja zur NoBillag-Initiative Lichterlöschen für ihre Radio- und Fernsehstationen in allen Landesteilen bedeutet. Die Abstimmung findet zwar erst am 4. März statt, doch schon jetzt kämpfen auffällig viele bekannte SRG-Aushängeschilder gegen das Sendeschluss­szenario, vorab via soziale Medien wie Facebook oder Twitter. Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) brauche es für eine funktionieren Demokratie, gab «10vor10»-Moderatorin Susanne Wille zu bedenken, während sich Sandro Brotz («Rundschau») um die Unabhängigkeit des Journalismus sorgt.

Am letzten Dienstag war die Reihe an der langjährigen «Schweiz aktuell»-Moderatorin Sabine Dahinden. In einem Video auf dem Weg zu den Fernsehstudios in Zürich, zu sehen auf Facebook, richtete sie einen Appell ans Publikum. Es gebe Leute, die sagten, da werde nicht hart gearbeitet, die verdienten viel zu viel Geld, erklärt Dahinden. Ihre Kolleginnen und Kollegen hätten es aber «streng», würden jeden Tag viel Herzblut geben. Auch sie habe in diesem Haus sehr viel Tränen, Schweiss und Herzblut vergossen. «An anderen Orten», fuhr die Urnerin fort, «würden wir vermutlich einiges mehr verdienen.» Da liegt Dahinden sicher nicht falsch. Doch opfern sich SRG-Mitarbeitende zu Gunsten des Zwangsgebühren zahlenden Publikums für eine brotlose Tätigkeit auf?

Bessergestellt als die meisten Gebührenzahler

Ein Blick auf die Löhne legt das Gegenteil nahe. Der Durchschnittslohn aller 6000 SRG-Mitarbeitenden, vom Logistiker über den Kameramann zum Redaktor bis hin zum Generaldirektor, beträgt rund 107 500 Franken (siehe auch Kasten). Die SRG-Angestellten können zwar nicht mit der Banken- und Versicherungsbranche (129 900 Franken) oder der Bundesverwaltung (121 100) Franken mithalten, sind aber bessergestellt als die meisten Gebührenzahler. Rund drei Viertel aller Erwerbstätigen verdienten gemäss Zahlen des Bundesamtes für Statistik weniger als ein durchschnittlicher SRG-Mitarbeitender. Zur Frage, ob ihr Film von diesem Hintergrund nicht eher Wasser auf die Mühlen der No-Billag-Befürworter leite, wollte sich Dahinden nicht äussern. Auf ihrer Facebook-Seite bedankte sie sich für das Lob und die Kritik, die nicht spärlich ausfiel.

Am ärgsten verrannt hat sich Stefan Hofmänner. Der SRF-Sportredaktor empörte sich am Donnerstag über eine Frau, die auf Facebook geschrieben hatte, sie habe während ihrer Zeit bei SRF viel verdient und wenig gearbeitet. Hofmänner bezichtigte sie der Lüge, warf ihr vor, gar nie bei SRF gearbeitet zu haben. Dann stellte sich heraus, dass die selbst ernannte Faulenzerin tatsächlich bei SRF war. Hofmänner entschuldigte sich für den Fauxpax, der bei der SRF-Führungsriege schlecht ankam.

Unsicherheit und Angst greifen um sich

Der ungestüme Social-Media-Aktivismus mag Ausdruck der Unsicherheit sein, welche die SRG-Mitarbeitenden erfasst hat. Viele halten, so berichten Insider, ein Ja zu No Billag für möglich. Ein Personal-Experte mutmasste im «Blick», 80 Prozent der SRF-Mitarbeiter seien, zumindest passiv, bereits auf Stellensuche und beobachteten die Job-Anzeigen intensiv. «Die Emotionen bei den Direktbetroffenen gehen hoch, sie empfinden die Initiative als direkten Angriff auf ihre Arbeit», sagt Roland Binz, Geschäftsführer einer Firma für Kommunikationsberatung. Der ehemalige SBB-Sprecher glaubt aber, dass die Wortmeldungen wie jene von Hofmänner und Dahinden eher kontraproduktiv wirken und das Ja-Lager stärken. «Es scheint mir nicht besonders geschickt, zu sehr aus einer inneren Betroffenheit zu argumentieren.» Das Publikum interessiere sich nicht für die Befindlichkeit von TV-Moderatoren. Vielmehr müsse die Bevölkerung den Sinn der Radio- und TV-Gebühren für sich selber und die Demokratie erkennen. «Das können die SRG-Mitarbeitenden nur erreichen, wenn sie mehr Demut und Professionalität zeigen als bisher», so Binz.

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