1:12-Initiative

Noch eine Studie: Auswirkungen der 1:12-Initiative nicht bezifferbar

Sollte die 1:12-Initiative angenommen werden, wären 1200 Unternehmen betroffen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF). Es ist bereits die dritte Studie zu diesem Thema.

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Unklare Auswirkungen der 1:12-Initiative

Unklare Auswirkungen der 1:12-Initiative

Keystone

Sollte die 1:12-Initiative angenommen werden, wären 1200 Unternehmen betroffen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF). Wie sich der Wegfall der Lohnsumme von 1,5 Milliarden Franken auf die öffentlichen Finanzen auswirkt, lässt sich aus Sicht der KOF nicht beantworten.

Damit wird erstmals eine unabhängige Studie präsentiert, die nicht von Gegnern oder Befürwortern der 1:12-Initiative in Auftrag gegeben wurde. Im Gegensatz zu anderen Studien hat die KOF nicht mögliche Szenarien berechnet, sondern untersucht, wer konkret von der Initiative betroffen wäre.

Auf der Grundlage von Lohndaten aus dem Jahr 2010 kommt die KOF in ihrer am Freitag präsentierten Studie zum Schluss, dass in rund 1200 Unternehmen der Chef über 12 Mal mehr verdient als der schlechtest bezahlte Mitarbeiter. Allerdings arbeite jeder siebte Beschäftigte in einer Firma, die von der Initiative betroffen wäre.

Lohnspanne durchschnittlich im Verhältnis 1:2

Gemäss der Berechnung liegt die Lohnobergrenze nach der Annahme der Initiative bei 664'000 Franken. Lohnabstriche machen müssten demnach 4400 Spitzenverdiener, schreibt die KOF. Wendet man diese Obergrenze auf ihre Gehälter an, würden 1,5 Milliarden Franken an Löhnen freiwerden - was 0,5 Prozent der gesamten Lohnsumme in der Schweiz entspricht.

Höchst ungleich verteilte Löhne seien indes eine Ausnahmeerscheinung, bilanziert die KOF. Durchschnittlich betrage die Lohnspanne in Schweizer Unternehmen 1:2,2. Höher Spannen hätten vor allem Firmen in der Finanz- und Versicherungsbranche, in Grosshandel, Unternehmensberatung und Gesundheitswesen.

Aussagen über Wirkung spekulativ

Vorsichtig äussert sich die KOF-Studie zu den möglichen Auswirkungen auf die Sozialwerke. Vorausgesetzt, dass die freiwerdende Lohnsumme in keiner Form der AHV zugute käme, schätzt die KOF die Einbussen bei der 1. Säule auf 125 Millionen Franken.

Unmöglich zu quantifizieren ist laut der Studie, wie die Unternehmen nach einem Ja zur 1:12-Initiative reagieren. Es gebe schlicht keine Vergleichsfälle. Allgemeine Aussagen über die Wirkung der Initiative wären deshalb spekulativ, schreibt die KOF.

Die Studie kommt nur einen Tag nach der Präsentation einer Studie des Think Tanks "Denknetz". Diese gelangt zum Schluss, dass sich bei einer Annahme der 1:12-Initiative die positiven und negativen Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen fast die Waage halten. Dagegen kam eine Studie der Hochschule St. Gallen (HSG) zum Ergebnis, dass der Bund bei einem Ja auf bis zu vier Milliarden Franken verzichten müssten.