Zwei Luzerner wollen Amherd beerben

Weil Viola Amherd in den Bundesrat gewählt wurde, sucht ihre Partei einen neuen Fraktionsvize. Mit Leo Müller und Andrea Gmür-Schönenberger kommen beide Interessenten aus Luzern.

Henry Habegger
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CVP-Nationalrat Leo Müller. (Bild: KEY)

CVP-Nationalrat Leo Müller. (Bild: KEY)

Man könnte den Job als Sprungbrett verstehen. Die letzte Amtsinhaberin, Viola Amherd, wurde im Dezember in den Bundesrat gewählt. Aber das Interesse am Vizepräsidium der CVP-Bundeshausfraktion ist mässig. Oft genannte Anwärter wie Martin Candinas (GR) oder Stefan Müller-Altermatt (SO) wollen sich nicht zur Verfügung stellen.

Candinas, Mitglied des CVP-Parteipräsidiums und für manche der Wunschkandidat für den frei gewordenen Fraktionsposten, sagt: «Ich bin der Meinung, dass Parlamentarier nicht im Fraktionsvorstand und im Parteipräsidium – mit Ausnahme der Präsidenten – Einsitz nehmen sollen.» In den Augen des Bündners müsse die Parteiarbeit «auf möglichst viele Schultern» aufgeteilt werden. Candinas fügt an, ihm gefalle es im Parteipräsidium sehr gut. Eine Kandidatur für das Fraktionsvizepräsidium komme für ihn deshalb «nicht in Frage».

Fest steht: Weil der Fraktionspräsident Filippo Lombardi (TI) dem Ständerat angehört, muss der oder die Vize aus dem Nationalrat kommen: Ihr oder ihm obliegt die Leitung der CVP-Nationalratsgruppe, die inklusive EVP und CSP noch 30 Leute umfasst.

Nur zwei Nationalratsmitglieder haben Ambitionen für die Amherd-Nachfolge angemeldet, und sie stammen erst noch aus dem gleichen Kanton: Andrea Gmür-Schönenberger und Leo Müller sind beide Luzerner. Müller bestätigt auf Anfrage, dass er sein «Interesse signalisiert» habe. Gmür war nicht zu erreichen, und sie liess eine E-Mail-Anfrage unbeantwortet.

Gmürs knifflige Entscheidung

Die Ausgangslage ist vor allem in Andrea Gmürs Fall brisant: Sie ist auch noch im Rennen als mögliche Ständeratskandidatin der CVP Luzern. Und damit als Nachfolgerin für den bisherigen Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber, der nicht mehr antritt. Das Problem dabei: Die beiden Ämter schliessen sich aus, weil der Vizechef der CVP-Fraktion dem Nationalrat angehören muss. Was es für die ausgebildete Gymnasiallehrerin Gmür noch kniffliger macht, ist der zeitliche Ablauf: Die Amherd-Nachfolge wird Mitte Januar geregelt, anlässlich der CVP-Fraktionsklausur. Die Frage der Ständeratskandidatur – und damit der möglichen Wahl in die kleine Kammer – ist zu diesem Zeitpunkt aber noch offen. Die CVP Luzern entscheidet erst am 29. Januar, mit wem sie in den Ständeratswahlkampf zieht – neben Gmür sind noch Kantonsrätin Yvonne Hunkeler und Ludwig Peyer, CVP-Fraktionschef im Kantonsrat, im Rennen. Nationalrätin Gmür tanzt also, sofern sie an ihren Fraktionsambitionen festhält, kurzfristig auf zwei Hochzeiten.

Diese Konstellation spricht eher für Rechtsanwalt Müller als neuen CVP-Vizefraktionschef. Der Ruswiler wollte zwar auch Ständerat werden, aber er unterlag in seinem Wahlkreis der Unternehmensberaterin Hunkeler, Vizepräsidentin der CVP Luzern. Dafür hat er im Unterschied zu Andrea Gmür jetzt keinen Zielkonflikt.

Was macht Lombardi?

Ein Hintergrund der Hektik unter den CVP-Grössen im Kanton Luzern: Die Partei könnte im nächsten Herbst einen ihrer drei Nationalratssitze verlieren, weil der Kanton Luzern nur noch 9 statt bisher 10 Sitze hat. Ida Glanzmann, seit 2006 im Amt, gilt als ungefährdet, sie wurde 2015 am besten gewählt. An zweiter Stelle folgte Müller, und zwar sehr deutlich vor Andrea Gmür. Es geht im Rennen um das Vizepräsidium also zweifellos auch um Profilierung in Hinblick auf die Nationalratswahlen.

Die Ausgangslage um die Nachfolge von Viola Amherd kann sich noch verändern. Es gilt als nicht ausgeschlossen, dass sich noch weitere Anwärter anmelden. Was die Ausmarchung um das Vizepräsidium zusätzlich verkompliziert: Es ist nicht klar, ob es nicht schon bald auch einen Fraktionschef braucht. Denn ­offiziell ist noch offen, ob CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi nach 19 Amtsjahren noch einmal als Tessiner Ständerat kandidiert. Träte der 62-Jährige ab, wäre der oder die neue Fraktionsvize in bester Position, das Präsidium zu übernehmen. Aber derzeit rechnen alle damit, dass Lombardi im Tessin noch einmal antritt. Täte er dies nicht, wäre die Gefahr gross, dass die Tessiner CVP ihren Ständeratssitz verlöre. Lombardi selbst wollte sich zur Frage einer erneuten Kandidatur nicht äussern.