Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ÖV: Der Swiss Pass verärgert das Parlament

Auch Politiker leiden unter den Tücken des neuen Abonnements für den öffent­lichen Verkehr. Die es schon haben, möchten das alte GA zurück – und umgekehrt.
Der SwissPass ist seit August 2015 im Einsatz. (Bild: Keystone)

Der SwissPass ist seit August 2015 im Einsatz. (Bild: Keystone)

Seit dem 1. August gibt es den Swiss Pass, der dereinst freie Fahrt auf dem ganzen ÖV-Netz einschliesslich Skipisten ermöglichen soll. Doch das rote Kärtchen gibt keinen Anlass zum Feiern. Im Gegenteil: Die Negativschlagzeilen über den Ersatz für das Halbtax- beziehungsweise Generalabonnement (GA) häufen sich. Seilbahnen kritisieren das System als zu teuer. Zugbegleiter klagen über kompliziertere Kontrollen. Und die Kundinnen und Kunden stören sich daran, dass sie für Auslandreisen eine zusätzliche Bestätigung in Form einer internationalen Rabattkarte brauchen und dass auf ihrem Abo nicht mehr ersichtlich ist, bis wann es überhaupt gültig ist.

Die grössten Schwierigkeiten

Die Probleme mit dem neuen Ausweis reichen bis ins Bundeshaus. Denn die Eidgenossenschaft stellt den 246 gewählten Volks- und Standesvertretern ein GA zur Verfügung. Zwar müssen die meisten der Abos erst nach Ablauf der Legislatur ersetzt werden. Es gibt aber ein gutes Dutzend National- und Ständeräte, die bereits Erfahrungen mit dem Swiss Pass sammeln konnten. Und diese waren bei weitem nicht nur positiv.

«Am Anfang war es mit den grössten Schwierigkeiten verbunden», berichtet etwa Hans Hess. Der freisinnige Obwaldner Ständerat gehörte zu den allerersten Parlamentariern, die den Swiss Pass verpasst bekamen. Die Probleme hätten sich aber inzwischen gelegt: «Jetzt läuft es weitgehend reibungslos.» Das bestätigen auch Ignazio Cassis (FDP, Tessin) und Lukas Reimann (SVP, St. Gallen). Letzterem geben höchstens Gerüchte zu denken, wonach mit der neuen Karte zumindest theoretisch jede seiner Fahrten registriert werden könnte.

Noch mehr Bürokratie

Vor praktische Probleme hingegen stellt die Neuerung die Parlamentsdienste, welche zusätzlichen administrativen Aufwand zu bewältigen haben. Hatten die SBB die Abos früher gruppenweise verrechnet, so gibt es jetzt für jeden einzelnen Parlamentarier eine separate Rechnung, die separat bezahlt werden muss. Auch sonst liefern die SBB jede Menge Unterlagen, die nicht gerade eitel Freude auslösen. Informationschef Mark Stucki spricht von einem «Papierkrieg», der zwar zu bewältigen sei, im Zeitalter des papierlosen Büros aber etwas seltsam anmute. Am meisten Papier wird der neue Ausweis den Parlamentsdiensten nach dem Wahltermin vom 18. Oktober bescheren: Alle neugewählten Parlamentarier werden dazumal den Swiss Pass bekommen, ebenso wie ein Grossteil der Wiedergewählten.

Caroni: «Ziemlich übel»

Darauf freut sich Andrea Caroni ganz besonders. Der freisinnige Appenzeller Nationalrat findet den Swiss Pass nach eigenem Bekunden zwar «ziemlich übel», weil er auf einer veralteten Technologie beruhe, für jede Kontrolle aus dem Portemonnaie gefischt werden müsse und keinen Zusatznutzen bringe. Trotzdem kann er kaum erwarten, bis er selber auch eines dieser üblen Kärtchen bekommt. Seine Partnerin wurde nämlich Opfer eines Übergangsproblems: Sie erwartet im Januar ein Kind und wird danach eine Zeit lang nicht viel unterwegs sein. Weil ihr Partner-GA auslief, wollte sie keines mehr für ein ganzes Jahr lösen, sondern nur noch monatsweise. Das Monatsabo hat sie am SBB-Schalter bezahlt, aber nie wirklich bekommen – da Partnerabos auf Monatsrechnung nur noch zusätzlich zum Swiss Pass gelöst werden können, nicht aber zum herkömmlichen GA.

Nach vier Besuchen am SBB-Schalter, diversen Telefongesprächen und einem ausführlichen Mailwechsel zwischen den SBB, den Parlamentsdiensten und Caroni steht fest: Caronis Partnerin musste wieder ein Jahresabo lösen. Sie kann dieses erst in ein Monatsabo umwandeln, wenn ihr Gefährte den Swiss Pass bekommt. Diesen kriegt Caroni aber erst, wenn er am 18. Oktober wiedergewählt wird. Bis dahin gewährt seine Partnerin den SBB sozusagen ein zinsloses Darlehen von mehreren Tausend Franken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.