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ÖV: Umsteigen ohne Hast für Rentner

Die Zahl der älteren ÖV-Nutzer nimmt bis 2030 stark zu. Laut einer Studie müssten deshalb die Umsteigezeiten um bis zu 40 Prozent verlängert werden. Doch es gibt einfa­chere Massnahmen.
Tobias Gafafer
Gerade ältere Mitmenschen bleiben aufgrund der knapp bemessenen Umsteigezeiten oft an den Schweizer Bahnhöfen hängen. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Gerade ältere Mitmenschen bleiben aufgrund der knapp bemessenen Umsteigezeiten oft an den Schweizer Bahnhöfen hängen. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Tobias Gafafer

Die Schweizer Bevölkerung wird immer älter. Bald kommen die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1964 – die Babyboomer – ins Pensionsalter. Der Anteil der Altersklasse der 65- bis 79-Jährigen steigt in den nächsten 15 Jahren mit 37 Prozent weit überdurchschnittlich an. Das stellt nicht nur die Altersvorsorge vor Herausforderungen, sondern auch den öffentlichen Verkehr (ÖV). Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des renommierten Planungsbüros SMA und weiterer Beteiligter. Der Auftraggeber, das Bundesamt für Verkehr (BAV), hat sie vor kurzem unbemerkt von der Öffentlichkeit ins Internet gestellt.

Die Prognosen gehen indes davon aus, dass die Anzahl der ÖV-Kunden, die 65 und mehr Jahre alt sind, von 436 000 im Jahr 2013 auf 714 000 im Jahr 2030 anwächst. Betroffen sind Städte, Agglomerationen und ländlich geprägte Regionen. Ältere Fahrgäste sind gemäss den Autoren im Schnitt körperlich weniger wendig und haben mehr Mühe, sich zu orientieren als jüngere.

Weniger agil, mehr Zeitverluste

Die Veränderung der Altersstruktur sei weniger ein Problem, doch mit dem ständigen Wachstum der Nachfrage nähmen die Umsteigezeiten für die oberen Altersklassen überproportional zu. Laut Simulationen in Bahnhöfen hat dies für ältere Passagiere grosse Zeitverluste zur Folge, da sie sich in Menschenmassen weniger agil bewegen können. Das führt potenziell zu Problemen: Je nach Bahnhof beträgt die Mindestumsteigezeit heute 2 bis 7 Minuten wie in Zürich Hauptbahnhof. In kleineren Knotenpunkten wie Wil sind die Auswirkungen auf die Anschlüsse folgenreicher als in grösseren wie Bern, wo die Fahrpläne meist dichter sind.

Laut der Studie müssten die minimalen Zeiten zum Umsteigen sowie zum Ein- und zum Aussteigen für die langsamsten Nutzer bis 2030 um 30 bis 40 Prozent verlängert werden. Die Umsetzung dieser Entschleunigung hätte gravierende Auswirkungen: Weltweit sind wenige ÖV-Systeme durch den Taktfahrplan – vom Bus über die S-Bahn bis zum Intercity – derart stark verzahnt wie das schweizerische. Ein grosser Teil der Fahrgäste wäre somit von längeren Reisezeiten betroffen. Gerade im Regionalverkehr, der bereits stark subventioniert ist, würde die Wirtschaftlichkeit weiter abnehmen, da es für dasselbe Angebot oft mehr Rollmaterial als heute brauchen würde.

Smartphone-App für Bahnhof

Die Studie empfiehlt einige Begleitmassnahmen. Dazu zählen Hilfsmittel vor und während der Reise mit einer Navigation per Smartphone in mittleren und grossen Bahnhöfen. Mit einem Pilotprojekt testen die SBB in Zürich HB bis Ende Jahr eine App namens «Mein Bahnhof».

Digitale Technologien könnten auch bei der besseren Verteilung der Fahrgäste in den Zügen helfen. Weiter soll die Belegung der Gleise in den Bahnhöfen so geplant werden, dass für die wichtigsten Reiseströme das Umsteigen am selben Perron zur Regel wird – wie es in Sargans der Fall ist. Auch präzise Angaben zum Halteort der Züge hätten eine positive Wirkung, wobei die SBB 2014 ein Pilotprojekt um Basel abbrachen.

Ausweichen auf Randzeiten

Ferner seien eine Führung der Fahrgäste, wie sie der Regionalverkehr Bern-Solothurn in Bern praktiziert, oder ein grösserer «Drängelbereich» in den Zügen denkbar. Und die Reizüberflutung mit Werbung in Bahnhöfen soll auf das Wesentliche beschränkt werden. Am Rande streifen die Autoren Massnahmen auf der Tarifseite. Wenn Senioren dank entsprechender Billettpreise ausserhalb der Stosszeiten unterwegs wären, würde sich das Problem von selber entschärfen.

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