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OLYMPIA: Mit Cologna auf Werbetour

Von Roger Federer über Adolf Ogi bis zu Francine Jordi: Mehr als 50 Schweizer Persönlichkeiten kämpfen für Graubünden 2022. Derweil kassiert Bundesrat Maurer Kritik aus den eigenen Reihen.
Kari Kälin
28. März 2010: Sportminister Ueli Maurer im Gespräch mit Olympiasieger Dario Cologna in Sörenberg. (Bild Philipp Schmidli)

28. März 2010: Sportminister Ueli Maurer im Gespräch mit Olympiasieger Dario Cologna in Sörenberg. (Bild Philipp Schmidli)

Die Abstimmung vom 3. März ist entscheidend: Lehnt der Kanton Graubünden die Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2022 in Davos/St. Moritz ab, ist das Projekt bereits am Ende. Vor dem Urnengang ist die Ausgangslage offen. Linke Parteien und Umweltverbände stemmen sich gegen die Vorlage, die bürgerlichen Parteien und die Wirtschaftsverbände plädieren dafür.

Ermotti, Federer, Jordi, Solari

Nun erhalten die Olympiabefürworter Unterstützung von mehr als 50 bekannten Schweizer Persönlichkeiten aus Sport, Politik, Wirtschaft oder Unterhaltung. Unter dem Dach des Vereins Olympische Winterspiele 2022 hat sich gestern die Gruppe «Freunde von Graubünden 2022» konstituiert.

Dazu aufgerufen haben die drei Olympiasieger Bernhard Russi, Simon Ammann und Dario Cologna. Aufgegleist wurde die Kampagne von Ringier-Konzernchef Marc Walder, wie die «Sonntagszeitung» berichtete. Die Gruppe «Freunde von Graubünden» strotzt vor prominenten Namen. UBS-Chef Sergio Ermotti, Tennisstar Roger Federer, Langlaufcrack Dario Cologna oder alt Bundesrat Adolf Ogi finden sich ebenso in der Gruppe wie Naticoach Ottmar Hitzfeld, FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, Schlagerschätzchen Francine Jordi oder Marco Solari, der bekannte Präsident von Tessin Tourismus, der 1991 als Delegierter des Bundesrates die 700-Jahr-Feier der Schweiz organisierte.

Streit um Finanzen

Für Schlagzeilen sorgen im Moment rund um die Olympiakandidatur vor allem Streitereien um Finanzen und Bundesratsauftritte. Gian Gilli, Direktor des Vereins Olympische Winterspiele Graubünden 2022, verspricht sich durch das Engagement der helvetischen Topprominenz zusätzlichen Schub für die Kandidatur. «Ich bin erfreut über diese Solidarität von prominenten Persönlichkeiten aus dem ganzen Land. Das zeigt, dass es sich bei der Kandidatur um einen Anlass von nationaler Bedeutung und nicht nur um ein Bündner Projekt handelt.»

Auf dem nationalen Politparkett steht derweil seit geraumer Zeit Bundespräsident Ueli Maurer (SVP) im Kreuzfeuer der Kritik. Der Bund übernimmt einen Verpflichtungskredit in der Höhe von 1 Milliarde Franken, sollte die Bündner Kandidatur den Zuschlag erhalten. Vor einer Woche stellte Maurer plötzlich eine unbeschränkte Defizitgarantie in Aussicht. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» erklärte er später, die Schweiz müsse nun einmal dem Internationalen Olympischen Komitee eine Garantie abgeben, «wenn wir die Spiele durchführen wollen. Aber wir haben die Kosten im Griff. Nach menschlichem Ermessen kommen wir mit 1 Milliarde durch.»

Zahlreiche Auftritte in Graubünden

Weit herum Irritationen ausgelöst hat Maurer auch mit seinen zahlreichen Abstechern in den Kanton Graubünden, bei denen er im kantonalen Abstimmungskampf für die Kandidatur weibelte. Einige Male folgte Maurer Einladungen von Behörden, um die Rolle des Bundes zu erklären. Aber auch an Sportanlässen, etwa an der Bob-WM in St. Moritz oder an der Tour de Ski in Val Müstair, habe er für Olympia kräftig die Werbetrommel gerührt, halten ihm die Gegner vor.

So findet zum Beispiel die Bündner SP-Nationalrätin Silvia Semadeni, Wortführerin der Olympiagegner, das Engagement Maurers übertrieben. Es sei falsch, wenn der Bund versuche, zu diesem Zeitpunkt Einfluss zu nehmen, wie sie gegenüber der «Aargauer Zeitung» sagte. Die SP will Ueli Maurer gar «zurück nach Bern» beordern, wie sie Anfang Woche in einer Mitteilung verlauten liess.

VBS-Sprecher Peter Minder verteidigt Maurers Auftritte vor dem kantonalen Urnengang. Viermal habe er auf Einladung von Bündner Behörden das Projekt vorgestellt und die Rolle des Bundes bei Olympia erläutert. «Eine angemessene Information der Öffentlichkeit seitens des Bundes im Vorfeld dieser Abstimmung ist zulässig und legitim», sagt Minder. Die Staatsleitung durch den Bundesrat gebiete seine Präsenz auch im Vorfeld von Abstimmungen, in denen weit reichende Entscheide für unser Land gefällt werden. Maurers Engagement sei mit der Bundeskanzlei abgesprochen.

Mörgelis Kritik in Kolumne

Ungeschoren kommt Maurer auch in den eigenen Reihen nicht davon. In seiner aktuellen «Weltwoche»-Kolumne erinnerte der Zürcher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli Maurer daran, dass er noch als SVP-Präsident vor der UNO-Vorlage die «fragwürdige Einmischung» des Bundesrats in Abstimmungskämpfe kritisiert habe. «Gut gebrüllt. Aber schnell vergessen. Heute preist Bundespräsident Ueli Maurer die Kandidatur für Olympische Spiele in Graubünden», fährt er fort. Der St. Galler SVP-Nationalrat Roland Büchel fordert indes, das Bundesengagement für Olympia müsse dem Referendum unterstellt werden.

Dass Ueli Maurer sich mit Herzblut für Olympische Winterspiele einsetzt, verübeln ihm aber nicht alle Politiker. Der Berner FDP-Nationalrat und Olympiabefürworter Christian Wasserfallen hält für den Vorwurf, Maurer lasse eine Propagandalawine über Graubünden rollen, für ungerechtfertigt. «Als Sportminister darf er über das Projekt informieren. Dass er es verficht, ist klar.»

Marco Solari, Mitglied der Gruppe «Freunde von Graubünden», bewundert Maurer sogar für seinen «Mut», mit dem er die Olympiakandidatur vorantreibe. Und er meint: «Die Schweiz braucht Anlässe wie Olympia oder eine Expo, bei denen das ganze Land vibriert.»

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