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Online-Casinos hoffen auf eine Viertelmilliarde Franken – doch beim Schutz von Süchtigen bleiben Fragezeichen

Die Schweizer Casinos wollen im Internet viel Geld verdienen. Der Spielerschutz sei dabei nur lückenhaft, kritisiert ein Experte.
Leo Eiholzer
Online-Casinos haben keine Öffnungszeiten und sind überall verfügbar – sofern man Geld hat. (Bild: Nadia Schärli)

Online-Casinos haben keine Öffnungszeiten und sind überall verfügbar – sofern man Geld hat. (Bild: Nadia Schärli)

Im Juli begann unter den Schweizer Casinos ein Wettrennen. Der Hauptgewinn: 250 Millionen Franken. So gross ist laut Schätzungen der jährliche Markt für Online-Glücksspiele in der Schweiz. Bisher floss er auf das Konto von ausländischen Casino-Websites, jetzt wollen die Schweizer Spielbanken das Geld zu sich umleiten. Wegen des neuen Geldspielgesetzes, welches das Volk im Sommer 2018 angenommen hat, sind die Voraussetzungen gut: Ausländische Websites werden gesperrt. Die Schweizer haben den legalen Markt für sich.

Das Wettrennen um den 250-Millionen-Jackpot tragen die Casinos mit massiver Werbung aus. Bisher sind vier online tätig: Baden, Luzern, Davos und die Swiss-Casinos-Gruppe, die die Casinos in Zürich und Pfäffikon SZ betreibt. Letzteres hat sich kürzlich eine Hausfassade direkt gegenüber dem Zürcher Hauptbahnhof für eine monumentale Werbung gemietet. Das Grand Casino Baden schaltet Werbespots auf SRF und auf ProSieben. Und im Internet ist alles voller ­Casino-Werbung.

Es läuft auf einen kompromisslosen Kampf hinaus. Die Casinos erhoffen sich viel: Luzern zum Beispiel will 15 bis 20 Millionen Bruttospieleinsatz im Internet erwirtschaften. Offline waren es letztes Jahr 37 Millionen. Detlef Brose, Chef des Grand Casino Baden, sagte kürzlich in einem Interview, man wolle online einen zweistelligen Millionenbetrag erzielen.

Sowohl mit dem Badener Online-Ableger als auch mit dem Angebot des Casinos Davos, das der Stadt-Casino-Baden-Gruppe als Mehrheitseigentümerin gehört. «Ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag je Online-Casino im kommenden Jahr», präzisiert Brose im Gespräch. Er geht davon aus, dass es die Casinos schaffen, 150 Millionen Franken in der Schweiz zu behalten. Das Badener Online-Angebot hat in den ersten vier Monaten 16000 Spieler gewonnen, das Davoser seit Start im September 4500.

«Für Spielsüchtige besteht eine reale Rückfallgefahr»

Die Casinos tun viel, damit es für die Spieler möglichst einfach ist, ihr Geld loszuwerden. Dabei wird der Spielerschutz geritzt. Die Anmeldung geht sehr rasch. Vom Klick «Registrieren» bis zum ersten Drehen des digitalen einarmigen Banditen geht es beim Luzerner Casino nur wenige Minuten. Geld-Einzahlen per Twint inklusive. Schon könnte man Hunderte Franken verspielen.

Erst nach 30 Tagen, bei totalen Einzahlungen über 1000 Franken oder bei der Auszahlung werden laut Geldspielverordnung eine Identitätskarte und weitere Nachweise verlangt. Der Präventionsexperte Christian Ingold vom Zentrum für Spielsucht Radix konstatiert: «Der Schutz von Spielsüchtigen erfolgt nicht so lückenlos, wie vor der Abstimmung versprochen.» Spielsüchtige können sich wie bis anhin selbst sperren und erhalten dann in kein Casino der Schweiz Zutritt. Es scheint aber so, dass sie online spielen können, wenn sie die Daten einer anderen Person eingeben, sofern diese wirklich existiert. Für Ingold trotz der 1000-Franken-Grenze eine gegenüber kritischen Spielern nicht faire Lösung: «Für Spielsüchtige, die auf eine verlässliche Spielsperre vertrauen, besteht so eine reale Rückfallgefahr, egal ob es 1000 Franken oder mehr sind.»

«Für Spielsüchtige, die auf eine verlässliche Spielsperre vertrauen, besteht so eine reale Rückfallgefahr, egal ob es 1000 Franken oder mehr sind.»

Klar ist: Die Casinos, die dies so handhaben, halten sich haargenau an geltendes Recht. In der Gelspielverordnung ist die provisorische Kontoeröffnung explizit vorgesehen. Wolfgang Bliem, Direktor des Grand Casino Luzern, schreibt, zusätzlich zum automatischen Abgleich mit dem Sperrregister würden alle Spielerkonten strengen Kontrollen unterzogen, um «den grösstmöglichen Schutz zu bieten und den Schweizer Gesetzesstandards zu entsprechen». Genauer wird er nicht. Kritisch sieht Ingold auch ­Bonusangebote der Casinos. Um vom Bonus profitieren zu können, muss man den Betrag dutzende Male umsetzen: «Das ist ein Spielanreiz, der für Spieler mit Kontrollschwierigkeiten ­toxisch wirkt», sagt Ingold. Die Casinos sagen, man könne jederzeit aus dem Angebot aussteigen. Die Spieler ­würden es verantwortungsvoll wahrnehmen.

Diese Fakten zeigen ein grundlegendes Problem der Casinos: Sie sollen einerseits Risikospieler schützen, andererseits verdienen sie an jedem Franken, den diese ausgeben. Zu Gute halten muss man den Schweizer Casinos, dass sie viel mehr für den Spielerschutz tun als die illegalen Gambling-Websites, die den Online-Markt bisher beherrschten. Etwa mit dem Erkennen von Spielern mit übermässig hohen Einätzen. Auch der Badener CEO Brose verweist auf die «intensive Früherkennung im Sinne des Sozialschutzes», die auch online greife.

Im Casino gilt: Die Bank gewinnt immer

Das Casino-Geschäftsmodell beruht aber online wie offline darauf, dass Leute ihr Geld verlieren. Letztes Jahr liessen die Gäste 700 Millionen Franken in Schweizer Casinos liegen. Rund die Hälfte fliesst über die Spielbankenabgabe in die AHV und zu den Kantonen. Die Gewinnauszahlungen sind bei den 700 Millionen schon abgezogen, die gewettete Summe lag also massiv höher.

In der Schweiz waren 2017 laut einer kürzlich publizierten Studie 15'000 Menschen spielsüchtig, 57'000 sind auf der Sperrliste. Rund 360'000 Schweizer spielen im Laufe ihres Lebens risikoreich. Die Casinos stellen ihren Kunden Tipps zum verantwortungsvollen Spielen zur Verfügung, zum Beispiel solle man seine Kreditkarte zu Hause lassen. Doch in den gleichen Casinos stehen Bankomaten. Auch in Baden ist das so. Casino-Chef Brose sagt: «Die Bankomaten stehen ausserhalb unserer Spielsäle und werden von den Gästen, die ihr Spielverhalten kontrollieren können, sehr geschätzt.»

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