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PARLAMENT: Der Internationalrat Tim Guldimann gibt auf

Mit dem Rücktritt von SP-Nationalrat Tim Guldimann scheidet der einzige Auslandschweizer aus dem Parlament aus. Sein Fall zeigt, dass es nicht einfach ist, im Ausland zu leben und in der Schweiz zu politisieren.
Michel Burtscher
Tim Guldimann politisiert seit 2015 im Nationalrat. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 29. Mai 2017))

Tim Guldimann politisiert seit 2015 im Nationalrat. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 29. Mai 2017))

Michel Burtscher

Tim Guldimann schrieb Geschichte, als er im Herbst 2015 in den Nationalrat gewählt wurde: Er war der erste Auslandschweizer, der den Sprung ins Parlament schaffte. Angetreten war der in Berlin wohnhafte Ex-Diplomat zwar für die SP des Kantons Zürich, er gab sich aber bereits während des Wahlkampfs vor allem als Vertreter der fünften Schweiz, also der rund 775 000 im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer. Ihnen wollte er eine Stimme geben und etikettierte sich als Internationalrat.

Doch nun macht der 67-jährige Guldimann frühzeitig Schluss, nach nur zweieinhalb Jahren im Parlament, mitten in der Legis­latur. Der Ex-Botschafter wird gegen Ende der Frühlingssession im März zurücktreten. Der Grund für den überraschenden Entscheid: «Ich hatte zu wenig Zeit, um in der Schweiz zu sein», sagt Guldimann auf Anfrage. Das liege an seiner familiären Situation. Guldimanns Frau ist berufstätig und er kümmert sich um die zwei Töchter im Teenageralter. Unter den gegebenen Umständen könne er den politischen Ansprüchen, die er an die Ausübung dieses Mandats gestellt habe, nicht gerecht werden, schreibt der Nationalrat in seiner Rücktrittserklärung.

Das Dilemma der ­Auslandschweizer

Als Politiker müsse man bei den Leuten sein, müsse ihr Milieu kennen, müsse sie spüren, sagt Guldimann. Und diese Leute sind in Zürich, nicht in Berlin: Denn auch wenn er sich selber als Internationalrat bezeichnet, gewählt wurde er von der Zürcher Bevölkerung. Sehr wenige der über 100 000 Stimmen, die er bei der Nationalratswahl er­halten habe, seien von Auslandschweizern gekommen, sagt Guldi­mann. Es zeigt das Dilemma für einen Auslandschweizer, der im Parlament politisieren will. Er kann nicht an zwei Orten gleichzeitig sein.

Und trotzdem: Guldimann rät anderen Auslandschweizern nicht von einer Kandidatur ab. Die Arbeit im Parlament sei hoch spannend, sagt er. «Man muss sich einfach bewusst sein, dass Politik ein Beruf ist und viel Zeit beansprucht.»

Guldimann will sich weiterhin engagieren

Für die Zürcher CVP-National­rätin Kathy Riklin wiederum ist die Sache ganz klar: «Man kann nicht im Ausland wohnen und gleichzeitig in der Schweiz poli­tisieren», sagt sie. «Das ist eine ­Illusion.» Politische Arbeit sei Knochenarbeit, begründet Riklin. Es gehe nicht nur darum, während der Sessionen und bei den Kommissionssitzungen präsent zu sein. «Man muss auch Parteiarbeit leisten, Referate halten, an Podien auftreten.» Es sei schlicht zu anstrengend, wenn man dafür immer vom Wohnort in die Schweiz fliegen müsse, sagt Riklin. Das habe Guldimann, dessen Rücktritt sie bedauere, wohl einfach unterschätzt. Der St. Galler SVP-Nationalrat Roland Büchel sieht das anders. Die Schweiz könne es verkraften, wenn einer von 246 National- und Stände­räten etwas weniger Zeit für die hiesige Bevölkerung habe, sagt er. Büchel hofft, dass bald wieder ein Auslandschweizer ins Parlament gewählt wird. Von einer ­festen Vertretung für die fünfte Schweiz will er zwar nichts wissen. Aber er sagt: «Ich finde es gut, wenn auch die Auslandschweizer im Parlament vertreten sind.»

Guldimann selbst will sich auch weiterhin für die Anliegen der Schweizer im Ausland ein­setzen: als Mitglied des Auslandschweizerrates, des Parlaments der Auslandschweizer-Organi­sation. Und er ist überzeugt, dass die Anliegen auch künftig im Parlament in Bern gehört werden. «Für die Auslandschweizer setzen sich auch andere National- und Ständeräte ein – dafür muss man nicht im Ausland wohnen», sagt Guldimann.

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