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PARTEIEN: Aderlass vor der Schicksalswahl

Als ob die CVP nicht schon genug Probleme hätte, verlässt nach der Generalsekretärin nun auch die Kampagnenleiterin die Zentrale. Eineinhalb Jahre vor den nationalen Wahlen steht die Pfister-Partei ohne Kampagnen-Know-how da.
Tobias Bär
Laura Curau war seit Anfang 2015 CVP-Kampagnenleiterin. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 21. Mai 2017))

Laura Curau war seit Anfang 2015 CVP-Kampagnenleiterin. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone (Bern, 21. Mai 2017))

Tobias Bär

Er werde alles tun, was der CVP Erfolg bringe, sagte Gerhard Pfister bei seiner Wahl zum Parteipräsidenten im April 2016. Daran werde er sich messen lassen, «erstmals bei den Wahlen im Jahr 2019». Die Wahlen in eineinhalb Jahren sind für den Zuger also von überragender Bedeutung. Dasselbe gilt für seine CVP, die in dieser Legislaturperiode so viele kantonale Parlamentsmandate verloren hat wie keine andere Partei. Für die Christlichdemokraten gehe es im kommenden Jahr darum, stabil zu bleiben, das hat Pfister zuletzt in der Sendung «Schawinski» betont. Es geht also um Schadensbegrenzung und darum, nicht erneut Wähleranteile einzubüssen, gar von heute 11,6 auf unter 10 Prozent zu fallen. In diesem Fall stünde auch der noch verbliebene Bundesratssitz zur Debatte. Die Grünen, gestärkt durch Sitzgewinne in den Kantonen, haben sich bereits in Stellung gebracht.

Im Jahr vor diesen so entscheidenden Wahlen verliert die CVP nun jene Personen, die für den Wahlkampf verantwortlich gezeichnet hätten. Das ist zum einen Generalsekretärin Béatrice Wertli, die ihr Amt im Herbst nach fast sechs Jahren abgibt, wie bereits Ende März bekannt wurde. Diese Woche hat die Partei nun auch noch die Stelle von Kampagnenleiterin Laura Curau ausgeschrieben. Die Thurgauerin war im Kernteam bei der letzten nationalen Wahlkampagne 2015, führte zuletzt den erfolgreichen Abstimmungskampf des überparteilichen Komitees gegen die No-Billag-Initiative an. Als Wertli vor wenigen Tagen von einer Kamera des Westschweizer Fernsehens begleitet wurde, da kam auch die 28-jährige Curau ins Bild. Und Wertli sagte, es sei eine grosse Freude, dass Frauen in der Partei nachrücken würden. Doch nun verlässt Curau das Generalsekretariat per Ende Juli. Sie wolle sich beruflich neu orientieren, sagt sie auf Anfrage.

Candinas: «Das ist ein Verlust»

In der Partei ist das Bedauern gross. Der Obwaldner Nationalrat Karl Vogler spricht von grossen Lücken, welche die beiden Abgänge hinterliessen. «Ein Jahr vor den Wahlen zwei derart engagierte und erfahrene Frauen verabschieden zu müssen, das ist für keine Partei angenehm.» Der Bündner Nationalrat Martin Candinas sagt: «Das ist ein Verlust.» Gleichzeitig zeigt sich Candinas bemüht, die Abgänge zu relativieren: «Im Vergleich zu früheren Wahlen sind wir sehr gut aufgestellt, es ist sehr vieles aufgegleist. Die Nachfolger müssen nicht bei null beginnen.» Der Kampagnenexperte und Politologe Mark Balsiger bezeichnet die Wechsel im Sekretariat allerdings als zusätzliche Herausforderung für die CVP – dies mit Blick auf die bisher erfolglosen Bemühungen, die Trendwende zu schaffen. «Normalerweise verabschieden sich Generalsekretäre, bevor die eidgenössischen Wahlen am Horizont auftauchen», so Balsiger. Bei der CVP weist man darauf hin, dass diese Position auch bei der SP und bei der SVP im Jahr vor den nationalen Wahlen neu besetzt wird. Allerdings: Das SP-Sekretariat wird künftig vom bisherigen Mediensprecher Michael Sorg geleitet. Bei der SVP wieder­um sorgt die stellvertretende Generalsekretärin Silvia Bär für Kontinuität.

Welche Rolle spielt Parteipräsident Pfister?

Der Abgang von Wertli wurde sofort in Zusammenhang mit Parteipräsident Pfister gebracht. Er hat die CVP auf einen konservativen Kurs geführt, im Generalsekretariat soll es Vorbehalte gegen seinen straffen Führungsstil geben. Wertli führte für ihren Weggang persönliche Gründe ins Feld, es sei «nichts Dramatisches» vorgefallen. Curau sagt: «Die Stimmung im Sekretariat ist sehr gut. Ich habe aber grosse Lust auf etwas Neues.»

Gerhard Pfister war gestern für eine Stellungnahme nicht ­erreichbar.

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