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PARTEIEN: Wahlen der Wahrheit für die SVP in der Waadt

Die SVP tut sich in der Romandie bislang schwer. Die Wahlen am Sonntag im Heimatkanton von Bundesrat Guy Parmelin werden zeigen, ob die Partei aus ihrer Baisse herauskommt. Dafür spricht aber wenig.
Jonas Schmid
SVP und FDP gehen im Wahlkampf eine bürgerliche Allianz ein. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone)

SVP und FDP gehen im Wahlkampf eine bürgerliche Allianz ein. (Bild: Laurent Gillieron/Keystone)

Jonas Schmid

SVP-Chef Albert Rösti rüffelt im Newsletter seine Partei: «Ich stelle eine grosse Selbstzufriedenheit und Bequemlichkeit fest.» Fast verzweifelt fordert er von den Mitgliedern mehr Knochenarbeit und weniger Karrieredünkel.

Der Grund: Die strahlende Siegerin der Parlamentswahlen 2015 schwächelt. Im Wallis flog ihr Regierungsrat Oskar Freysinger aus der Regierung. In Solothurn verlor die SVP einen Parlamentssitz und im Kanton Neuenburg wurde die Partei pulverisiert. Sie büsste nach parteiinternen Querelen 11 der 20 Mandate ein. Nun blickt die grösste Partei bange in die Waadt, wo am Sonntag Regierung und Parlament neu bestellt werden.

Parmelin-Effekt blieb bislang aus

«Die Ausgangslage in der Waadt ist eine ganz andere als im Wallis oder in Neuenburg», sagt Rösti. In der Genferseeregion ist die SVP seit 95 Jahren fest im landwirtschaftlichen Milieu verankert. Auch ist es die Heimat von Bundesrat Guy Parmelin, in den die Partei grosse Hoffnungen setzte. Nach dessen Wahl in die Regierung frohlockte der damalige Parteipräsident Toni Brunner: «Guy Parmelin wird uns in der Romandie vier Prozent mehr Stimmen bringen.» Parteichef Rösti rudert zurück: «Diese Worte stammen nicht aus meinem Mund.» Parmelin leiste gute Arbeit, die sich aber nicht so rasch in Wählerstimmen ummünzen lasse. Rösti erwartet, dass die Partei ihre 27 Sitze im 150-köpfigen Parlament halten kann.

Mit dem Landwirt Jacques Nicolet greift die SVP den Regierungssitz an, den die Partei 2011 an die SP verloren hat. Hat sie Erfolg, kippt die Kantonsregierung wieder nach rechts. Für den 51-Jährigen aus dem 300-Seelen-Dorf Lignerolle spricht die Allianz mit den Freisinnigen – gegen ihn eine Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo, die bei den Wählern keine Anzeichen einer Wechselstimmung ausmacht. Bis auf die Regierungsrätin der Grünen dürften alle sechs Bisherigen im ersten Wahlgang gewählt werden. Im zweiten Durchlauf sieht es nach einem Dreikampf um die verbliebenen zwei Sitze aus. Gemäss Sotomo dürfte sich die Grüne Métraux die Wiederwahl sichern. Im Duell zwischen Nicolet und SP-Nationalrätin Cesla Amarelle sieht Sotomo die SP-Vertreterin vorn.

«Der Wahlkampf ist flau, ein Blick über die Grenze nach Frankreich verspricht mehr Spannung», sagt SP-Nationalrat Roger Nordmann. Dem Kanton geht es gut. Er schreibt konstant schwarze Zahlen. Die drei Freisinnigen Regierungsräte haben sich mit der linken Mehrheit arrangiert. Die beiden Leitwölfe, SP-Regierungspräsident Pierre-Yves Maillard und FDP-Finanzdirektor Pascal Broulis, brachten mit ihrem viel beschworenen «compromis dynamique» die kantonale Umsetzungsvorlage zur Unternehmenssteuerreform III mit grosser Mehrheit an der Urne durch.

Sechs der sieben Regierungsräte stellen sich der Wiederwahl, man schont sich gegenseitig: Warum setzt die FDP trotzdem auf eine bürgerliche Achse? «Die SVP ist drittstärkste Kraft im Parlament, aber bleibt in der Regierung ohne Sitz», sagt Frédéric Borloz, Präsident der FDP-Kantonalpartei. Das erschwere die Zusammenarbeit. Zudem stiegen im Kanton die Sozialkosten, die man mit Hilfe der SVP zurückbinden wolle. Doch ausgerechnet der SVP-Kandidat leistete sich im Wahlkampf Aussetzer: So unterliess er es, sich von Marine Le Pen zu distanzieren. Und er brachte die Tierärzte gegen sich auf, als er sagte, er lasse seine Kühe von französischen Ärzten behandeln, da es in der Region keine Veterinäre gebe. Der bürgerliche Schulterschluss macht SP-Mann Nordmann aber kein Bauchweh: «Die SVP ist die Wasserträgerin der Freisinnigen», sagt er. SVP-Wähler würden FDP wählen, während FDP-Wähler den SVP-Kandidaten von der Liste strichen.

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