Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Pascal Hollenstein: «Ich bin mit Leib und Seele Journalist»

Pascal Hollenstein will in seiner Tätigkeit den Spagat zwischen St. Gallen und Luzern meistern. Er ist seit Mai Leiter Publizistik der Regionalmedien der NZZ-Medien­gruppe, welcher die «Neue Luzerner Zeitung» und das «St. Galler Tagblatt» angehören. Der 45-jährige gebürtige Bichelseer (Thurgau) ist dreifacher Vater. Welche Gemeinsamkeiten er mit James Bond hat, lesen Sie hier.
Interview Roger Rüegger
Pascal Hollenstein wird neuer Leiter Publizistik der NZZ-Regionalmedien. (Bild NZZ)

Pascal Hollenstein wird neuer Leiter Publizistik der NZZ-Regionalmedien. (Bild NZZ)

Pascal Hollenstein, was genau ist Ihre Aufgabe?

Pascal Hollenstein: Der publizistische Leiter ist der oberste journalistische Verantwortliche der NZZ-Regional­medien. Die Aufgabe besteht darin, mit den Journalisten in den Regionen Zeitungen und Online-Journalismus zu machen und dabei reibungslos zusammenzuarbeiten.

Sie legen mit Luzern und St. Gallen zwei Redaktionen zusammen, die geografisch weit auseinanderliegen. Haben Sie einen konkreten Plan, wie Sie dies anpacken wollen?

Hollenstein: Wir beginnen ja nicht bei null. Die Ressorts Inland, Wirtschaft, Sport und Ausland arbeiten schon länger im grösseren Umfang zusammen, ohne dass dies Lesern negativ auffällt. Ziel ist es, die Kräfte noch stärker zu bündeln, Doppelspurigkeiten abzubauen und gemeinsam zu produzieren. Im regionalen Teil jedoch ist das nicht möglich und auch nicht erwünscht. Die eigene regionale Prägung ist wichtig und wird auch so bleiben.

Luzerner und St. Galler ticken nicht gleich. Welches sind die gravierendsten Unterschiede?

Hollenstein: So verschieden sind die Regionen gar nicht. Beide haben ähnliche Befindlichkeiten. So hegen hier wie dort Politiker Verlustängste, dass ihre Regionen weniger berücksichtigt werden könnten.

Nähert man sich einem Titel mehr an als dem anderen?

Hollenstein: Wir legen nicht zusammen, wir arbeiten zusammen. Ich vergleiche das gerne mit der Schweiz. Die Kantone haben ihre Eigenheiten auch nicht verloren, als sie in den Bundesstaat eingetreten sind. Klar, beide Zeitungsgruppen werden sich bewegen, rein optisch wird das der Leser bereits im Herbst erkennen, wenn wir uns in einem völlig neuen Layout präsentieren. Im Kern und in der Regionalberichterstattung ändert sich aber nichts. Die Zentralschweiz bleibt die Zentralschweiz und die Ostschweiz die Ostschweiz.

Sie wohnen in Zürich. Ihre Arbeitsorte sind in Luzern, St. Gallen und Zürich. Sind Sie wohl der einzige Mensch, der den Voralpen-Express als Pendler benutzt?

Hollenstein: Die Strecke ist wunderbar, ein ganz grosses Erlebnis, das ich jedem empfehlen kann. Aber die Bahnfahrt von Luzern nach St. Gallen dauert Ewigkeiten. Als Pendler habe ich den Voralpen-Express nie benutzt, ich würde zu viele Termine verpassen.

Manchmal haben Sie an einem Tag Termine in drei verschiedenen Städten. Wie schaffen Sie es, abends entspannt bei der Familie anzukommen?

Hollenstein: Ich weiss nicht, ob ich entspannt ankomme, das müssten Sie meine Frau fragen. Ich war mir bewusst, dass die erste Zeit anstrengend wird. Aber ich bin lange Arbeitstage gewohnt, und zudem ist es eine grossartige Aufgabe, mit hervorragenden Kollegen aus zwei Regionen ein solches Projekt zu verwirklichen. Ich vergleiche das mit dem Umbau zweier Flugzeuge während des Fluges. Wobei das neue Flugzeug dann als Doppeldecker landen soll.

Wo trifft man Sie an, wenn Sie privat ausspannen?

Hollenstein: Am besten trifft man mich gar nicht. Ich bin begeisterter Sportfischer und fahre am liebsten mit meinem Boot auf den Zürichsee. Alleine.

Und das ist das Richtige zum Herunterfahren?

Hollenstein: Ja und nein. Felchenfischen hat viel mit Konzentration zu tun. Und auch mit Frust. Sind die Fische da und beissen nicht, bin ich frustriert – und wenn sie zu schnell beissen, kann es stressig werden. Aber man denkt an nichts anderes. Und das macht den Kopf frei.

Sie haben Ihre Frau während Recherchen im Sonderarchiv des sowjetischen Geheimdienstes KGB kennen gelernt. «Liebesgrüsse aus Moskau» ist für Sie also weit mehr als ein Filmtitel. Wie viel James-Bond-Romantik steckt dahinter?

Hollenstein: Meine Frau ist Ukrainerin und lebte damals in Moskau, so führten wir zwei Jahre lang eine Fernbeziehung. Ich flog alle zwei Wochen nach Moskau, oder sie besuchte mich in Zürich. Später, als wir Heiratsvorbereitungen trafen, erhielt sie kein Touristenvisum mehr für die Schweiz. Uns wurde quasi eine staatliche Probezeit verordnet. Also: Romantik ja, James Bond eher weniger.

Und was machten Sie in einem Archiv des KGB in Moskau?

Hollenstein: Ich suchte für die damalige Winterthur Versicherung in nationalsozialistischen Akten, die die Sowjets im Zweiten Weltkrieg nach Moskau geschafft hatten, nach Hinweisen auf nachrichtenlose Vermögen. Meine Frau war damals als Dolmetscherin dabei. So lernten wir uns kennen.

Zurück zu unserem Geschäft. Sie haben die Aufgabe, zu optimieren. Wie wirkt sich dies auf die Arbeitsplätze in den Regionen aus?

Hollenstein: Wir sind leider nicht als Branche bekannt, die viele Arbeitsplätze schafft. Ich habe derzeit zwar keinen konkreten Sparauftrag. Wenn jedoch Doppelspurigkeiten bestehen, liegt es auf der Hand, dass wir Synergien nutzen. Wichtig ist, dass ein Medienhaus unabhängig ist. Und dazu muss es profitabel sein.

Sie haben bald eine Zeitung mit über einer halben Million Leserinnen und Lesern. Dadurch wird der Einfluss grösser.

Hollenstein: Es sind sogar ganz viele Zeitungen – von der «Neuen Urner Zeitung» bis zur «Appenzeller Zeitung». Natürlich haben wir als grösste Regionalzeitungsgruppe politisches Gewicht. Als Journalist kann man stolz sein, für mehr als eine halbe Million Leser für Artikel zu recherchieren und Texte zu schreiben. Allerdings steigen dadurch auch die Ansprüche. Die Grösse ist eine Chance, sie bringt aber auch Verpflichtungen mit sich.

Ihre Journalistenkarriere hat im Lokalen begonnen. Wenn die Fusion durch ist, werden Sie dann wieder ein ganz normaler Journalist, der seine Artikel schreibt?

Hollenstein: Nochmals, es wird keine Fusion geben, sondern eine intensivere Zusammenarbeit. Aber ja, ich werde mich sicher mehr ins Tagesgeschehen einbringen. Sowohl als Autor wie auch als Blattmacher. Ich bin mit Leib und Seele Journalist. Ein ganz normaler, wie Sie es sagen.

Haben Sie unsere Zeitung stets auf dem Radar gehabt?

Hollenstein: Ich gestehe, dass ich sie nur gelegentlich gelesen habe.

Bei Ihrem Pensum müsste die erste Zeitung, die Sie lesen, noch feucht sein, damit Sie bis Redaktionsstart alle wichtigen Titel studiert haben.

Hollenstein: Weil ich in Zürich wohne, liegen das «Tagblatt» und die «Neue Luzerner Zeitung» nicht in meinem Briefkasten. Also lese ich zuerst die NZZ in Papierform, die beiden anderen Titel am Tablet. Tagwache ist um 6 Uhr. Morgens widme ich unseren Kindern im Alter von 7, 11 und 14 meine volle Aufmerksamkeit.

Wie gut kennen Sie die Zentralschweiz. Waren Sie schon mal auf dem Pilatus?

Hollenstein: Ich habe eine Gotte in Kerns. Aber deswegen zu sagen, dass ich die Zentralschweiz wie meine eigene Westentasche kenne, wäre gelogen. Als Thurgauer nehmen meine intimen Kenntnisse der Ostschweiz aber auch ab der St. Galler Kantonsgrenze ab. Und ja, ich war schon einmal auf dem Pilatus – und auch schon auf dem Säntis.

Interview Roger Rüegger

Hinweis

Alle Beiträge der Serie «Menschen hinter den News» finden Sie im Internet auf der Seite www.luzernerzeitung.ch/autoren

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.