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Politiker fordern Flugverbot für Schweizer Beamte in die EU

Bundesangestellte sollen bei Auslandsreisen innerhalb Europas den Zug nehmen – jedenfalls für kurze und mittlere Strecken. Das fordert eine Abgeordnete der Grünen im Genfer Kantonsrat. Die Partei prüft eine ähnliche Regelung auf nationaler Ebene.
Camille Kündig, Watson
Schnell von Bern nach Brüssel? Geht es nach den Grünen, müssen Beamte in Zukunft möglicherweise per Zug ins EU-Parlament anreisen. (Bild: Christian Merz/Keystone)

Schnell von Bern nach Brüssel? Geht es nach den Grünen, müssen Beamte in Zukunft möglicherweise per Zug ins EU-Parlament anreisen. (Bild: Christian Merz/Keystone)

Die Empörungswelle rund um die Klimapolitik reisst nicht ab – und jetzt nimmt sich die Politik dem «Bad Boy» der Transportmittel an, dem Flugverkehr: Beamte im Kanton Genf sollen künftig für kurze und mittlere Reisestrecken möglichst auf Flüge verzichten und per Zug reisen. Das fordert die Grünen-Abgeordnete Delphine Klopfenstein Broggini in einer kürzlich eingereichten Motion.

Erst ab Strecken über 1200 km (einfache Fahrt) hält sie es für vertretbar, in ein Flugzeug zu steigen, schreibt die Westschweizer Zeitung «Tribune de Genève».

«Vorstellbar ist ein Flugverzicht für Strecken, die mit dem Zug in weniger als acht Stunden zu bewältigen sind.»

Regula Rytz, Grünen-Präsidentin

Auch auf nationaler Ebene ist eine solche Regelung Thema: Die Grünen-Präsidentin und Nationalrätin Regula Rytz sagt auf Anfrage von watson: «Wir prüfen zurzeit Vorstösse, welche die umweltfreundliche Mobilität in der Bundesverwaltung fördern.» Bis zur Frühlingssession würden verschiedene Modelle untersucht. «Vorstellbar ist ein Flugverzicht für Strecken, die mit dem Zug in weniger als acht Stunden zu bewältigen sind.» Von Bern aus sind das beispielsweise Brüssel, Rom und Paris.

«Das wäre ineffizient und viel zu teuer.»

Ueli Giezendanner, SVP-Nationalrat und Mitglied der



Verkehrskommission

Kritisch gegenüber einem Verbot ist SVP-Nationalrat und Mitglied der Verkehrskommission Ueli Giezendanner. Er weilt momentan in Südamerika und hält ein Flugverbot für Beamte für «völligen Blödsinn»: «Das wäre ineffizient und viel zu teuer.» Weil Zugreisen mehr Zeit in Anspruch nehmen, müssten mehr Beamte angestellt werden.

In einer Antwort zu einer im Dezember eingereichten Interpellation zum Thema schreibt der Genfer Staatsrat indes: Flugreisen würden nur einen untergeordneten Teil des gesamten Reiseverkehrs der kantonalen Verwaltung ausmachen. Deshalb sei ein Verbot unnötig.

Zumindest auf nationaler Ebene treffe dies so nicht zu, sagt Rytz: «Die Bundesverwaltung pflegt viele internationale Kontakte, zur Europäischen Union oder zu den Nachbarländern im Alpenraum.» Viel zu oft würden Bundesangestellte dabei ins Flugzeug steigen. Das Argument, wonach sich durch das Fliegen für die Bundesangestellten wertvolle Arbeitszeit sparen lässt, lässt sie nicht gelten: «Im Zug kann man sehr gut arbeiten – und notabene auch telefonieren.»

Es handle sich um eine Frage der Einstellung: «Ich persönlich bin auf langen Zugfahrten sehr effizient.» Ausserdem sei es wichtig, dass auch der Bund als öffentlicher Arbeitgeber eine Vorbildfunktion hat.»

Eine klimafreundliche Mobilitätsstrategie sei jedoch innerhalb eines Gesamtpakets umzusetzen, so Rytz. «Der Bundesratmuss den SBB endlich den Auftrag geben, das internationale Tag- und Nachtzugnetz zu verbessern. Viele europäische Grossstädte sind mit der Bahn heute schlecht erschlossen.»

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