Politkenner Rickenbacher macht den Linken Hoffnungen

Die Linke will bei den Wahlen zu den Siegern gehören. Sie fühlt sich untervertreten und hofft, Sitze zulegen zu können.

Jürg auf der Maur
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Urs Kälin (links) mit seinen Mitstreitern in der Zentralschweiz. (Bild: PD)

Urs Kälin (links) mit seinen Mitstreitern in der Zentralschweiz. (Bild: PD)

«Die Innerschweiz ist ein hartes Pflaster für fortschrittliche Stimmen, die progressiven Kräfte finden nur schwer Gehör», dieses Fazit zieht Prisca Birrer Heimo, SP-Politikerin aus Luzern. Sie und mit ihr weitere Kandidaten aus der Zentralschweiz wollen dies nun ändern. Dies erklärten Birrer Heimo, Karin Schwiter, Andreas Marty und der Urner Kandidat Urs Kälin am Mittwoch in Brunnen an einer gemeinsamen Pressekonferenz. Sie alle wollen im Oktober gewählt werden und damit die personelle Bilanz der Linken in der Zentralschweiz insgesamt aufbessern.

Aus Sicht der Linken verständlich, denn anders als in früheren Jahren ist nicht nur die Delegation in Bern geschrumpft, auch in den Zentralschweizer Regierungen sitzt ausser in Uri kein SP-Politiker mehr. Heute ist die Zentralschweiz mit 20 Nationalrats- und zehn Ständeratssitzen praktisch ausschliesslich durch bürgerliche Politiker vertreten. Der Schwyzer Politikkenner Iwan Rickenbacher hat sich mit der Frage der Linken intensiv auseinandergesetzt. Er führt im Gespräch mit unserer Zeitung zwei Gründe an, die zu dieser Malaise der SP führten.

Wählersegment geht «unverschuldet verloren»

Zum einen seien es die Umstrukturierungen in der Wirtschaft, indem Industriearbeitsplätze oder Bundesbetriebe sich aus der Zentralschweiz wegbewegten und die Arbeitsplätze damit zunehmend in den Dienstleistungssektor wandelten. Rickenbacher: «Damit ging der SP in den vergangenen Jahrzehnten sozusagen unverschuldet ein grosses Wählersegment verloren». Das sei bereits ein wichtiger Grund, dass die SP-Basis rund um den Vierwaldstättersee immer kleiner wurde.

«Die SP war früher eine eigentliche Plattform für Proteststimmen. Wer den Mächtigen eines auswischen wollte, der wählte SP», erinnert sich Rickenbacher. Diese Proteststimmen habe in der Zwischenzeit in der Zentralschweiz aber die SVP praktisch vollständig abgezogen. Gerade in diesem Punkt sieht Rickenbacher aber auch Hoffnung für die SP-Strategen: «Heute ist es die SVP, die zu den Mächtigen gehört oder die Elite ist». Das bedeute, dass die Linke mindestens mittelfristig damit rechnen könne, dass die Proteststimmen wieder zurückkämen und damit ihre Anliegen Gehör fänden und ihre Leute entsprechend gewählt würden.

Gegenüber heute sieht Rickenbacher trotzdem Änderungen: Er geht davon aus, dass die SP die Proteststimmen in Zukunft mit den Grünen teilen müsse. Wenn aber die SP gutes Personal und gute Angebote im Köcher habe, sei es mindestens mittelfristig durchaus wahrscheinlich, dass die Partei auch rund um den Vierwaldstättersee zulegen könne. Es sei offenkundig, dass ja auch etwa die Klimafrage zunehmend an Bedeutung gewinne. Dazu komme, dass der Mittelstand immer mehr unter Druck gerate und so die Linke zunehmend zu einer Option der eher konservativ-ländlichen Wählerschaft in der Zentralschweiz werde.

Auf solche Fragen setzen auch die Zentralschweizer SP-Kandidaten. «Wir wollen nach Bern, weil wir im Parlament für unsere Mitbürger mitreden und mitentscheiden wollen», so Urs Kälin. «Für uns und Sozialdemokraten steht dabei das Gemeinwohl klar vor Einzelinteressen.» Es stünden wichtige Weichenstellungen an: beim Klimaschutz, in unserem Verhältnis zu Europa, in Bezug auf den demografischen Wandel oder im gesellschaftlichen Umgang mit Chancen und Risiken der Digitalisierung.