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Post-Saläre geraten in die Kritik

Verwaltungsräte der Post erhielten vergangenes Jahr fast 100000 Franken für ein 12-Prozent-Pensum. Das sei überrissen, sagen Politiker. Auch der Bundesrat hat sich eingeschaltet.
Maja Briner
Vor knapp zwei Wochen informierte die Post über die Details im Postauto-Skandal.Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 11. Juni 2018)

Vor knapp zwei Wochen informierte die Post über die Details im Postauto-Skandal.Bild: Peter Schneider/Keystone (Bern, 11. Juni 2018)

Die Chefs von Post, SBB und anderen bundesnahen Betrieben geraten wegen ihrer Löhne immer wieder in die Kritik. Die Verwaltungsräte hingegen, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind, blieben davor bislang verschont. Wegen der Postauto-Affäre rücken sie nun jedoch ins Rampenlicht. Und es zeigt sich: Die Vergütungen sehen nur auf den ersten Blick vergleichsweise bescheiden aus.

Konkret erhielt Post-Präsident Urs Schwaller vergangenes Jahr rund eine Viertelmillion für sein 50-Prozent-Pensum. Die acht übrigen Verwaltungsräte bekamen ein Honorar von je 70000 Franken – dies bei einem Beschäftigungsgrad von nur gerade 12 Prozent. Mit Spesen- und Repräsentationspauschalen sowie der Entschädigung für die Arbeit in Ausschüssen kamen im Schnitt fast 98000 Franken pro Person zusammen, wie der Kaderlohn-Bericht des Bundes zeigt. Bei den SBB sind die Zahlen ähnlich.

Politiker zeigen sich überrascht über die geringe Arbeitslast der Post-Verwaltungsräte – und kritisieren die Höhe der Vergütung. «Das ist völlig überrissen», sagt SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi. «Bei solch einem tiefen Pensum – und dazu noch bei dieser schwachen Leistung – ist das viel zu viel», schliesslich habe der Verwaltungsrat in der Postauto-Affäre seine Aufsichtsfunktion zu wenig wahrgenommen. «In bundesnahen Betrieben sollte der höchste Lohn nicht über 500000 Franken für ein 100-Prozent-Pensum betragen», fordert der Zuger.

«Perverse Mechanik»

Einen Vorstoss von Corrado Pardini (SP/BE) mit genau dieser Forderung hatten Linke und SVP letztes Jahr im Nationalrat durchgebracht, im Ständerat war dieser jedoch gescheitert. Pardini betont, es gehe nicht um eine Neiddiskussion. «Heute aber haben wir die perverse Mechanik, dass Verwaltungsräte und Spitzenmanager ihre völlig überrissenen Löhne und Entschädigungen in gegenseitigem Einvernehmen hochtreiben», kritisiert er. «Das ist schon in der Privatwirtschaft stossend, im öffentlichen Dienst ist es völlig inakzeptabel.»

Leise Kritik kommt auch von CVP und FDP. Die Entschädigung für die normalen Verwaltungsräte sei «grosszügig», findet FDP-Nationalrat Thierry Burkart (AG). Und CVP-Nationalrat Thomas Ammann (SG) sagt: «Im Vergleich zur Privatwirtschaft liegt das zwar noch in einem vernünftigen Rahmen, allerdings eher am oberen Limit.» Den Lohn des Präsidenten halten hingegen beide für gerechtfertigt.

Experten verweisen darauf, dass die Post bei der Suche nach kompetenten Verwaltungsräten in Konkurrenz zur Privatwirtschaft stehe – und im Vergleich dazu zahle der gelbe Riese nicht übertrieben gut. Laut einer Studie der Beratungsfirma HCM International erhält die Hälfte der Verwaltungsratspräsidenten der hundert grössten börsennotierten Firmen der Schweiz mehr als 389000 Franken – also deutlich mehr als jener der Post.

Guido Schilling, Berater bei der Suche nach Verwaltungsräten, sagt: Als bundesnaher Betrieb habe die Post natürlich eine spezielle Rolle, die es auch bei den Vergütungen zu berücksichtigen gelte. «Gleichzeitig steht die Post aber vor schwierigen Herausforderungen, insbesondere wegen des technologischen Wandels.» Sie brauche daher im Verwaltungsrat sehr kompetente Personen, die fähig seien, den Konzern strategisch zu entwickeln. Komme hinzu, dass die Post stark im Fokus der Öffentlichkeit stehe – was manche potenzielle Kandidaten abschrecke. Mit anderen Worten: Sind die Vergütungen zu tief, besteht die Gefahr, zu wenig kompetente Personen zu finden.

Bundesrat pocht auf Kürzung

Der Bundesrat drängt indes auf eine Senkung: Post, SBB und Skyguide sollen die Vergütungen für Verwaltungsrat und Geschäftsleitung ab 2020 kürzen. Bei der Post heisst es, man werde der Erwartung des Bundesrats selbstverständlich nachkommen. Wie gross die Kürzungen sein sollen, ist offen. Laut Verkehrsdepartement erwartet der Bundesrat eine «substanzielle» Senkung.

Ungeschoren kamen die Verwaltungsräte bisher in der Postauto-Affäre davon. Einzig Vizepräsident Adriano Vassalli tritt deswegen an der Generalversammlung vom Dienstag zurück.

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