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Präventionsexperten sind beunruhigt: Immer mehr Jugendliche schlagen zu

Die Jugendgewalt hat letztes Jahr zum dritten Mal in Folge zugenommen, wie neue Zahlen des Bundes zeigen. Die Gründe für den Anstieg sind vielfältig – auch das Wetter spielt eine Rolle.
Andreas Maurer
Die Jugendgewalt nimmt zu. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Die Jugendgewalt nimmt zu. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Vergangenes Jahr sind schweizweit 1491 Jugendliche wegen Gewaltstraftaten verurteilt worden. Damit hat die Jugendgewalt zum dritten Mal in Folge zugenommen. Bei den Erwachsenen hingegen hat die Zahl der Verurteilungen wegen Gewaltstraftaten in den letzten Jahren stetig abgenommen. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Die Jugendgewalt steigt von Jahr zu Jahr nur leicht an, doch es ist der negative Trend, der Präventionsexperten beunruhigt. Droht ein Rückfall in alte Zeiten?

In den 2000er-Jahren hat sich die Zahl der Jugendlichen, die wegen Gewalt verurteilt wurden, mehr als verdoppelt. Die Ursache dafür war eine gesellschaftliche Veränderung: die Ausweitung der Partyzone, am Tag und in der Nacht. Clubs und Dönerbuden verlängerten ihre Öffnungszeiten. Betriebsschluss um Mitternacht war nicht mehr der Normalfall, sondern die Ausnahme. Zudem verlagerte sich das Leben durch die «Mediterranisierung» tagsüber nach draussen, auf Plätze und in Pärke. Wenn sich mehr Jugendliche im öffentlichen Raum treffen und zudem Alkohol im Spiel ist, steigt die Gewalt.

Ein Geschlechterproblem

Von 2010 bis 2015 fand eine Kehrtwende statt: Die Zahl der Verurteilungen halbierte sich. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen verlagerte sich das Leben teilweise wieder nach drinnen. Die digitale Revolution führte dazu, dass man sich nicht mehr physisch treffen musste, um zu kommunizieren. Jugendliche, die mehr Freizeit vor Bildschirmen verbringen, begehen weniger klassische Gewaltdelikte. Dafür stieg die Cyberkriminalität. Der zweite Grund: Die in den 2000er-Jahren eiligst ausgebaute Präventionsarbeit zeigte Wirkung. Dass die Zahlen nun seit 2016 wieder steigen, könnte damit zu tun haben, dass man das Problem nach dem erfolgreichen Rückgang vernachlässigt hat.

Schlüssige Erklärungen gibt es aber nicht. Als eine von mehreren Ursachen gilt übrigens das Wetter. So stellt die Zürcher Oberjugendanwaltschaft fest, dass sie in einem schönen Sommer mehr Jugendliche wegen Gewaltdelikten verurteilt. Die neuen Zahlen belegen zudem, dass die Jugendgewalt ein Geschlechterproblem ist. 85 Prozent der wegen Gewaltstraftaten verurteilten Jugendlichen sind männlich. Hoch ist der Ausländeranteil bei der Jugendgewalt: Er beträgt 50 Prozent.

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