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PRIMARSCHULE: «Pauschalangriff ist unhaltbar»

Es gäbe Qualitätsprobleme im Schulsport, urteilt der Direktor des Bundesamtes für Sport. Die Betroffenen nehmen das nicht widerspruchslos hin.
Aleksandra Mladenovic
Bewegung und Sport sind wichtig. Kinder sollen dafür motiviert werden. Zumindest darüber sind sich alle einig. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Bewegung und Sport sind wichtig. Kinder sollen dafür motiviert werden. Zumindest darüber sind sich alle einig. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

«Es ist für mich unhaltbar, dass pauschal Primarlehrer angegriffen werden», schreibt ein verärgerter Nidwaldner Lehrer unserer Zeitung. Anlass dafür geben ihm Äusserungen von Matthias Remund, Direktor Bundesamt für Sport (Baspo), gegenüber unserer Zeitung (Ausgabe von Montag): Primarlehrer seien zu schlecht ausgebildet, um Schulsport zu unterrichten, sie täten dies zum Teil in Strassenkleidern. Remund fordert: «Die Lehrer müssten umfassender ausgebildet werden. Wenn man das nicht will, soll man wenigstens Fachspezialisten an Primarschulen zulassen.»

Lehrer überqualifiziert

Hauptproblem im Sport seien nicht die Lehrpersonen, sondern die Politik, ist der Nidwaldner Lehrer überzeugt: «Schule kostet, das ist kein Geheimnis. Die Schulen werden jedoch dauernd mit Budgetkürzungen geplagt.» Allerdings stimmt er dem Baspo-Chef dahingehend zu, dass die Ausbildung zum Primarlehrer zu wissenschaftlich geworden sei.

Ganz anderer Meinung ist Niklaus Stöckli, Präsident des Aargauer Lehrerverbands und Präsident der standespolitischen Kommission des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer: «Man kann sich nicht grundsätzlich gegen die Akademisierung stellen. Eine rein praxisbezogene Ausbildung würde miserable Lehrer hervorbringen.» Wie man die Theorie und Praxis gewichte, müsse jedoch im Detail angeschaut werden. «Ob die Lehrer in Strassenkleidung Turnen unterrichten ist eine Frage des Qualitätsmanagements der Schule, nicht der Ausbildung», argumentiert Stöckli weiter.

Für ein allfälliges Qualitätsproblem macht er den «gravierenden Lehrermangel» verantwortlich: «Deshalb unterrichten auch Lehrer mit mangelhafter Ausbildung an Schulen.» Mittelfristig führe kein Weg daran vorbei, die Ausbildung für Lehrer strenger zu machen und die Lehrerlöhne zu erhöhen. Nur mit einer Imagesteigerung könne der Zulauf an die pädagogischen Hochschulen und damit auch die Anzahl gut ausgebildeter Lehrer erhöht werden.

«Es ist sicher richtig, dass man mehr erreichen könnte im Schulsport», so Stöckli. Fachpersonen auf Primarstufe unterrichten zu lassen sei aber der falsche Weg: «Die Kinder sind aus pädagogischen Gründen darauf angewiesen, nicht x-beliebig viele Lehrpersonen zu haben.»

Fachspezialisten: Falsche Lösung

Dieser Meinung schliesst sich auch Stephan Schleiss, Zuger Bildungsdirektor und Präsident der Zentralschweizer Bildungsdirektorenkonferenz, an: «Mehr Fachlehrpersonen an Primarschulen, das ist ganz klar Chabis.» Nicht nur, dass dies den Kindern nicht guttun würde. Hinzu komme, dass man Tür und Tor für weitere Spezialisten, etwa im Bereich Musik oder Sprachen, an Primarschulen öffnen würde.

Schleiss zeigt sich verärgert: «Der Bund hat in der kantonalen Schulhoheit nichts verloren.» Die Kinder müssten primär bewegt werden, der Schulsport habe nicht das Ziel «Spitzensportler zu züchten», sagt Schleiss weiter. Missstände stelle er weder bei der Ausbildung der Lehrer noch in den Schulen fest. «Ich habe mich gleich nach Erscheinen des Interviews am Montag beim Zuger Amt für Sport nach der Situation erkundigt», sagt Schleiss. Dabei sei ihm zwar klar geworden, dass man die Situation im Auge behalten müsse: «Der Bereich Sport ist in der Lehrerausbildung tatsächlich knapp dotiert.» Allerdings sei man weit davon entfernt, die Alarmglocken läuten zu müssen. Die Pädagogische Hochschule Zug mache das Beste aus der für den Sport zur Verfügung stehenden Zeit, versichert Schleiss.

An der PH Zug ist Sport ein Wahlfach, das nicht belegt werden muss. Belegen es angehende Lehrer, erwerben sie 6 Credits, was einem Arbeitsaufwand von 180 Stunden entspricht. Aldino Ragonesi, Fachschaftsleiter Bewegung und Sport an der PH Zug, erklärt: «Eine Erhöhung der Credits hätte zwangsläufig auch eine Studienverlängerung zur Folge, was aus Gründen der Konkurrenz nur dann möglich wäre, wenn alle pädagogischen Hochschulen der Schweiz diese Veränderung herbeiführen würden.» Dass die Qualität der Lehrerausbildung leide, glaubt er nicht: «Im Gegenteil: Durch die reduzierten Stundenanteile für Sport können wir uns Leerläufe gar nicht leisten.» Der Sportunterricht an der PH Zug sei sehr praxisnah.

Lehrer nach Kompetenz einstellen

Einzig beim Schweizerischen Verband für Sport in der Schule stimmt man dem Baspo-Direktor voll und ganz zu. So sagt Verbandspräsident Ruedi Schmid: «Heute werden keine Allrounder mehr ausgebildet, die alle Fächer unterrichten können.» Lehrer, die nicht für den Bereich Sport ausgebildet worden seien, dürften konsequenterweise an den Schulen nicht für den Sportunterricht zugelassen werden.

Schmid hofft auf eine Verbesserung der Ausbildung: «Die Studierenden erhalten zu wenig Zeit für den praktischen Unterricht in der Turnhalle, wo sie den realen Sportunterricht erleben können.» Wenn sich das nicht ändere, müsse man vermehrt Fachspezialisten zulassen. Denn, so Schmid: «Bewegung ist wertvoll, und wir müssen die Kinder so früh wie möglich dazu motivieren.»

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