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PROPAGANDA: Kriegstheater ohne Aufsicht

Nach dem umstrittenen Theaterstück türkischer Primarschüler wollen Politiker die Behörden in die Pflicht nehmen. Dem Kanton St. Gallen fehlt aber die rechtliche Grundlage für eine Aufsicht.
Kämpfer und Krankenschwester: Szene aus dem Schülertheater über die Schlacht bei Gallipolli. (Bild: «Sonntags-Blick»)

Kämpfer und Krankenschwester: Szene aus dem Schülertheater über die Schlacht bei Gallipolli. (Bild: «Sonntags-Blick»)

Sechsjährige, die in Militäruniform und mit Spielzeuggewehren aufeinander losgehen und als Leichen unter der türkischen Fahne posieren – diese Inszenierung in der Gemeinde Uttwil hat eine landesweite Debatte ausgelöst. Türkei-Experten vermuteten, dass Kriegspropaganda dahintersteckt. Politiker kritisierten die lasche Aufsicht der Behörden.

Die Grünen-Nationalrätin Sibel Aslan (BS) monierte etwa, das ­Erziehungsdepartement könne nicht tolerieren, dass Kinder in diesem Alter für Propaganda­zwecke missbraucht werden. Es müsse rasch eingegriffen werden, um die Kinder zu schützen. Der zuständige Bildungschef Stefan Kölliker weist die Kritik zurück: Der Kanton habe für diese Art Unterricht keine Aufsicht. «Dafür fehlt die Rechtsgrundlage», sagt der St. Galler Regierungsrat.

Das umstrittene Stück ist im Rahmen des Unterrichts «Heimatliche Sprache und Kultur» (HSK) entstanden, an dem mehrheitlich St. Galler Schüler beteiligt waren. Die Kurse werden von Botschaften, Konsulaten und Vereinen der jeweiligen Länder angeboten. Stefan Kölliker sagt, «wir ermuntern die Vereine, bei ihren HSK-Aktivitäten die Muttersprache der Kinder zu fördern, weil ihnen dann auch der Schulunterricht in der deutschen Sprache leichter fällt». Das sei aber nicht mit einer Staatsaufsicht über die Vereine zu verwechseln. Das bisherige offene Verhältnis bewähre sich.

Dachverband überlegt sich rechtliche Schritte

Die ersten Schuldirektoren in der Ostschweiz wollen selbst eine Art Aufsicht übernehmen, oder zumindest einen Augenschein nehmen. «Ich nehme das als Anlass, einmal genauer hinzuschauen, was in den HSK-Kursen läuft», sagt ein Schuldirektor aus der Region. Der Dachverband türkischer Schulen Ostschweiz denkt über rechtliche Schritte gegenüber dem «Sonntags-Blick» nach. Ausserdem will er eine Gegendarstellung zu den erschienenen Artikeln an die St. Galler und die Thurgauer Kantonsparlamente schicken.

Enttäuscht über die Reaktionen der Politiker zeigt sich auch die türkischstämmige Thurgauer SP-Politikerin Aliye Gül. Das Theaterstück sei auf keinen Fall Kriegspropaganda gewesen. Auch widerspricht sie den Medienberichten, wonach Ehrengäste aus der Hauptstadt Ankara im Saal gesessen hätten. Das gezeigte Schülertheater sei nicht neu, sagt Gül. «Die Schlacht von Gallipoli wird seit dreissig Jahren jeweils am türkischen Nationalfeiertag an verschiedenen Orten der Schweiz aufgeführt.»

Laut Aliye Gül gilt Gallipoli als die Geburtsstunde des modernen türkischen Staates. Atatürk habe nach dem Sieg das Land geöffnet und westlich ausgerichtet. «Das hat nichts mit Erdogan und dessen Politik zu tun», sagt Aliye Gül.

Katharina Brenner, Ida Sandl

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