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Proteste gegen Cassis' neuen Wasser-Mann, der vom Multi Nestlé kam

Aussenminister Ignazio Cassis solle den Vizedirektor Entwicklungszusammenarbeit Christian Frutiger absetzen, verlangen internationale Umweltaktivisten. Sie befürchten, dass der die weltweiten Wasser-Interessen des Multis zu sehr fördern könnte.
Henry Habegger
Soll handeln: Bundesrat Ignazio Cassis während der Herbstsession in Bern. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Soll handeln: Bundesrat Ignazio Cassis während der Herbstsession in Bern. (Bild: KEYSTONE/Anthony Anex)

Der Vorgang ist ungewöhnlich. Internationale Umweltaktivisten wollen einen Spitzenbeamten in der Schweizer Bundesverwaltung absetzen: Christian Frutiger (53), langjähriger Manager beim Nahrungsmittelmulti Nestlé, der seit kurzem als Vizedirektor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) im Aussendepartement von Bundesrat Ignazio Cassis (FDP) wirkt. Er ist dort Leiter des Direktionsbereichs Globale Zusammenarbeit und zuständig unter anderem für Wasser, wie CH Media schon im Juni berichtete.

Seit letzter Woche läuft im Internet die Unterschriftensammlung von Umwelt- und Wasserschützern für eine Petition, die von Cassis verlangt: «Stoppen Sie die Ernennung eines Nestlé-Managers für die Leitung von Schweizer Entwicklungshilfeprojekten im Bereich Wasser.»

Gut 10400 Unterschriften sind (Stand Montagabend) beisammen, angepeilt werden 25000 Stück.

Wasser zu Geld machen

Hinter der Aktion stehen Aktivisten wie die kanadischen Wellington Water Watchers, die sich gegen Nestlé zur Wehr setzen. Frutiger, befürchten sie, werde dafür schauen, dass Nestlé Interessen nicht zu kurz kommen. Diese Interessen sind: Wasser zu Geld machen.

In der Petition steht: «In seiner Funktion als Head of Public Affairs von Nestlé hat Christian Frutiger die Übernutzung von Wasser in Nestlés Abfüllanlagen weltweit stets ignoriert. Er hat die Probleme mit der Nestlé-Wassernutzung in Vittel (Frankreich), Guelph (Kanada) oder Maine, Michigan, Florida und Kalifornien (USA) nie öffentlich angesprochen.» Und weiter: «Wenn er Nestlés Wassernutzung selbst in Industrienationen mit etablierten demokratischen Systemen ignoriert, wie mag es dann in Ländern mit weniger entwickeltem, institutionell fragilem Kontext aussehen?»

Aktivisten wollen Debatte auslösen

Im Fall Vittel in Frankreich etwa wird Nestlé vorgeworfen, die Quelle «Bonne Source» übermässig zu nutzen, sodass für die Einheimischen zu wenig Wasser bleibt. Dieser sollen dafür Wasser aus dem Nachbardorf erhalten. Nestlé betont dagegen immer, man setze sich für eine nachhaltige Nutzung der Wasserquellen ein.

Mike Balkwill von den Wellington Water Watchers in Kanada sagt: «Wir hoffen, dass die Anstellung von Christian Frutiger genauer unter die Lupe genommen wird und dass dringend nötige Fragen zur globalen Agenda der Deza gestellt werden.»

Spitzel-Opfer gegen Nestlé

Von der Schweiz aus arbeitet der brasilianische Umweltaktivist Franklin Frederick an der Petition mit. Er ist ein alter Bekannter von Nestlé, er bekämpfte Nestlés brasilianische Wasser-Aktivitäten zusammen mit Schweizer Organisationen wie der globalisierungskritischen Attac. In diesem Zusammenhang liess Nestlé die Waadtländer Attac-Sektion von 2003 bis 2005 durch Securitas ausspionieren. Eines der Hauptziele der Spitzel war Frederick. Nestlé verlor 2013 vor Gericht und zahlte den Bespitzelten eine Genugtuung.

EDA gibt keinen Kommentar ab

«Das EDA hat Kenntnis von dieser Petition und gibt keinerlei Kommentar zu diesem Thema ab», sagt ein Sprecher von Bundesrat Cassis. Auf die Frage, ob sich Christian Frutiger zur Sache äussern möchte, ging er nicht weiter ein. Das EDA wiederholte eine bereits im Juni erteilte Auskunft, wonach sich Frutiger, der früher beim IKRK arbeitete, im Auswahlverfahren «als der beste Kandidat erwiesen» habe.

Die Umweltaktivisten planen, Aussenminister Cassis die Petition gegen Ende Jahr zu überreichen.

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