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Berset will die Psychotherapeuten besserstellen

Der Zugang soll erleichtert und die Kosten der Psychotherapie neu vermehrt von der Krankenversicherung getragen werden. Das hat der Bundesrat beschlossen.
Anna Wanner
Bundesrat Alain Berset spricht an einer Medienkonferenz über die Neuregelung der psychologischen Psychotherapie im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Bundesrat Alain Berset spricht an einer Medienkonferenz über die Neuregelung der psychologischen Psychotherapie im Rahmen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Rund ein Drittel der Bevölkerung ist jedes Jahr von einer psychischen Störung betroffen. Depressionen, Suchtkrankheiten und Angststörungen gehören zu den häufigsten Krankheiten. Doch der Zugang zu Therapeuten ist nicht immer gewährt. «Gerade für Kinder und Jugendliche in Krisensituationen findet sich häufig kein Therapieplatz», sagte Bundesrat Alain Berset gestern vor den Medien. «Sie müssen bis zu sechs Monate lang auf Hilfe warten.» Diese Situation soll sich nun verbessern, indem die Psychotherapeuten die Möglichkeit erhalten, über die Krankenkasse abrechnen zu dürfen.

Der Bundesrat löst damit das bald 40-jährige Versprechen ein, die Arbeit der Psychotherapeuten zu verbessern. Diese sind heute ans Delegationssystem gebunden. Wer über die obligatorische Krankenkasse abrechnen will, darf nur unter Aufsicht eines Arztes und in dessen Räumen Kunden behandeln – und über dessen Kasse abrechnen. Wer sich bei unabhängig arbeitenden Therapeuten behandeln lässt, muss die Rechnung aus dem eigenen Sack bezahlen oder die Behandlung über eine Zusatzversicherung finanzieren. Entsprechend ausgebildete Psychologen verlangen schon lange, unabhängig therapieren zu dürfen.

Kosten von rund 100 Millionen

Neu soll dies auf Anordnung eines Arztes möglich sein – analog zu Physiotherapeuten, Ernährungsberatern und Logopäden. Das hat den Vorteil, dass das finanzielle Interesse des Arztes ausgeschaltet wird: Er verdient an den Therapien nichts mehr. Trotzdem geht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) davon aus, dass die Änderung den Krankenkassen kurzfristig mehr Kosten aufbürdet. Weil die Physiotherapie neu über die Krankenkasse anstatt das private Portemonnaie abgerechnet wird, rechnet der Bund mit zusätzlichen Kosten von rund 100 Millionen Franken.

Den Kostenschub will der Bundesrat mit drei Massnahmen eingrenzen: Erstens muss eine Therapie weiterhin von einem Arzt verschrieben werden. Zweitens darf der Arzt maximal 15 Sitzungen aufs Mal verschreiben. Und drittens muss der Arzt nach 30 angeordneten Sitzungen Rücksprache mit der Krankenkasse nehmen, bevor er weitere anordnen kann.

Langfristig soll gespart werden

Langfristig verspricht sich das BAG nicht nur einen besseren Zugang für Patienten, wie Direktor Pascal Strupler sagt. «Dank höherer Qualität und besserem Zugang können Betroffene schneller therapiert werden, was sich positiv auf ihren Gesundheitszustand auswirkt.» Ähnlich argumentieren auch die Psychologen, die den vom Bundesrat Vorschlag für «überfällig» halten. Die Föderation der Schweizer Psychologen erklärt: «Im heute gültigen Delegationsmodell muss lange Wartefristen in Kauf nehmen, wer seine Therapie nicht zu einem sehr grossen Teil selbst bezahlen kann.» Das habe nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Gesellschaft weitreichende Folgen. Gabriela Rüttimann, Präsidentin der Assoziation Schweizer Psychotherapeuten, sagt: «Wenn psychische Probleme nicht frühzeitig behandelt werden, führt dies zu Chronifizierung und zu teuren stationären Aufenthalten in Kliniken. Auch Arbeitsausfälle sind die Folge, was die Wirtschaft Milliarden kostet.»

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