Push-Meldung erklärt den Sirenenalarm

Falls es einmal zu einer Katastrophe kommen sollte, informieren Bund und Kantone auch über die neu lancierte Handy-App Alertswiss. Gestern wurde sie vorgestellt. Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Yann Schlegel
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Am Donnerstag wurde die App Alertswiss vorgestellt (Bild: Keystone)

Am Donnerstag wurde die App Alertswiss vorgestellt (Bild: Keystone)

Weshalb braucht es Alertswiss zusätzlich zum bestehenden Schweizer Alarmsystem?

Alertswiss ergänzt die bisherigen Alarmierungskanäle. Die Applikation ersetzt Radio und Sirenen nicht. Der Bund koordiniert die Alertswiss-App und die Webseite direkt mit den rund 7800 Sirenen, welche die Behörden schweizweit jeweils im Februar testen. Alarmiert wird die Bevölkerung bei Katastrophen wie Erdbeben, Waldbränden, Chemieunfällen oder nuklearen Unfällen. Wer die App herunterlädt, wird direkt auf dem Handy informiert. Bei Notlagen löst die Polizei eine Push-Meldung aus. Somit sei Alertswiss der direkte Draht zwischen den Behörden und der Bevölkerung, schreibt der Bund.

Wer steht hinter Alertswiss, und wer bedient das System?

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) veröffentlichte die App im Jahr 2015 und entwickelte sie mit den Kantonen weiter. Neu können die Behörden sämtlicher Kantone und von Liechtenstein den digitalen Kanal bedienen. Die technische Infrastruktur betreibt der Bund. Den Alarm löst jedoch in der Regel die Kantonspolizei aus. Sie trägt auch die Informationen über das Ereignis zusammen und formuliert Verhaltensanweisungen. «Mit der App können sie ohne Verzögerung weitergegeben werden», sagte der Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann, Vizepräsident der Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz (KKJPD). Bei Grossereignissen kann auch die Nationale Alarmzentrale (NAZ) Alarm auslösen und Informationen verbreiten.

Wen wollen Bund und Kantone mit dem neuen Informationskanal ansprechen?

Die App richtet sich insbesondere an jene Bevölkerungsschichten, die nicht Radio hören oder nicht wissen, wie sie mit einem Sirenenalarm umgehen müssen. Der Bund will vor allem die jüngere Bevölkerung, aber auch Zugewanderte und Touristen erreichen. Von Alertswiss profitieren zudem gehörlose und hörbehinderte Menschen. Deshalb zeigte sich der Schweizerische Gehörlosenbund gestern besonders erfreut. Nach jahrelangem Kampf komme nun endlich ein Alarmsystem, dass hörbehinderte Menschen nicht ausschliesse.

Was sind die Vorteile der App gegenüber dem Radio?

Ein Grossteil der Bevölkerung trägt heute das Smartphone immer mit sich. Als Nutzer kann man die App individuell konfigurieren. Alertswiss benachrichtigt sowohl über Ereignisse am aktuellen Standort wie auch in ausgewählten Kantonen. Der Bund informiert auch, wie sich die ­Bevölkerung auf einen Notfall vorbereiten kann. Ausserdem gibt die Polizei direkt Verhaltensempfehlungen bei Notlagen.

Genügt Alertswiss den Ansprüchen der Zukunft?

Wie Babs-Direktor Benno Bühlmann gestern ankündete, will der Bund Alertswiss weiterentwickeln. Nächstes Jahr will das Babs den Meteoschweiz-Alarm in die App einbinden. Geplant ist auch, die Bevölkerung über Newsportale oder Bildschirme in Einkaufszentren zu alarmieren.