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REAKTIONEN: Wenig Euphorie bei den Siegern, Kampfeslust bei den Verlierern

Es ist seltsam: Da gehen sie aus einem hart geführten Abstimmungskampf als Sieger hervor, und trotzdem will bei den bürgerlichen Gegnern der Rentenreform keine Feierstimmung aufkommen.
Tobias Bär

Das mag an der sterilen Atmosphäre am Versammlungsort liegen, dem Multifunktionszentrum Welle 7 beim Berner Hauptbahnhof. Die Fenster sind abgedunkelt, die strahlende Herbstsonne bleibt draussen. Vor allem ist die fehlende Euphorie aber wohl dem Wissen geschuldet, dass nun die schwierige Suche nach einem «Plan B» ansteht.

Zumindest Andri Silberschmidt bringt seine Freude über das Volks-Nein deutlich zum Ausdruck. Der Chef der Jungfreisinnigen kämpfte an vorderster Front gegen die Vorlage. «Es hat mich berührt, wie viele Junge sich mit Leidenschaft für ein Nein eingesetzt haben», sagt Silberschmidt.

Wer soll nun auf wen zugehen?

Dann betritt Petra Gössi den Saal, und auch ihr ist die Genugtuung anzumerken. Es ist Gössis bislang grösster Sieg, seit sie im Frühling 2016 das Amt der FDP-Parteipräsidentin angetreten hat. Sie steht im Zentrum der Aufmerksamkeit und sagt in die Mikrofone, Sieger und Verlierer müssten nun aufeinander zugehen – nur um dann bereits rote Linien zu ziehen: «Ein Rentenausbau ist definitiv vom Tisch.» Im Fernsehen kommen unterdessen die Verlierer zu Wort. Eingeblendet wird CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (ZH), die ihre Enttäuschung über die Ablehnung des «Kompromisses» ausdrückt. «Das war eben kein Kompromiss», tönt es vom Nebentisch. An diesem steht der Zuger FDP-Ständerat Joachim Eder. Er sieht nun die Verlierer in der Pflicht. Diese müssten jetzt den politischen Willen für Zugeständnisse aufbringen. Bei den Verlierern, die sich nur wenige Meter entfernt auf der Grossen Schanze eingefunden haben, tönt es ein wenig anders. «Es ist nun an den Siegern, Vorschläge zu präsentieren», sagt SP-Nationalrat Roger Nordmann (VD). Die Ernüchterung, die kurz nach Mittag, nach den ersten Hochrechnungen, noch mit Händen greifbar war, ist inzwischen neuer Kampfeslust gewichen. Der Gewerkschaftschef und SP-Ständerat Paul Rechsteiner (SG) setzt zu einer energischen Ansprache an. «Wir werden weiter für eine starke AHV kämpfen.» Dafür gibt es Applaus vom Publikum, das vor allem aus Sozialdemokraten und Gewerkschaftsvertretern besteht. Vom wichtigsten Partner im Abstimmungskampf, der CVP, ist nicht mehr viel zu sehen. Dann geisselt Rechsteiner die «perfide Kampagne» der Gegner und schliesst mit dem Satz: «La lotta continua» – der Kampf geht weiter.

Auf dem angrenzenden Platz versammeln sich unterdessen Hunderte Berner Schulkinder – die Abreise ins Herbstsportlager im Wallis steht an. Die Gegner der Rentenreform hatten im Abstimmungskampf vor einem ungedeckten Check gewarnt, der auf die junge Generation warte. Ist das Nein für die Kinder folglich eine gute Nachricht? Geht es nach SP-Nationalrätin Barbara Gysi (SG), dann ist das Gegenteil der Fall: «Das ist ein schlechter Tag für die Jungen.» Die Berner Schüler jedenfalls kümmert dies nicht, sie haben anderes im Kopf. Wenn die Politik aber auch an der nächsten Rentenvorlage wieder sieben Jahre lang arbeitet, dann werden viele von ihnen gefragt sein: als junge Stimmbürger.

Tobias Bär

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