Reaktionen zum Urteil

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Markus Leimbacher, Anwalt der Angehörigen. (Bild: Alex Spichale)

Markus Leimbacher, Anwalt der Angehörigen. (Bild: Alex Spichale)

«Angehörigen war Verwahrung wichtig»

«Die Verhandlung vor Obergericht ist so abgelaufen, wie ich es erwartet habe: wenig spektakulär und technisch. Es hat keine Neuigkeiten gegeben. Ohne die vorgängigen Äusserungen von Psychiater Frank Urbaniok, der die Therapierbarkeit von Thomas N. in Frage stellte, wäre es langweilig gewesen. Das Urteil ist meinen Erwartungen entsprechend ausgefallen. Thomas N. hat verloren. Er hat Berufung eingelegt und nun ein schlechteres Urteil als vorher bekommen. Für die Angehörigen der Opfer wäre es nun wichtig, dass das Urteil so bleibt und es keine Ehrenrunde über das Bundesgericht gibt.»

Natalie Rickli, SVP-Nationalrätin (ZH). (Bild: Walter Bieri/Keystone)

Natalie Rickli, SVP-Nationalrätin (ZH). (Bild: Walter Bieri/Keystone)

«Gericht hat Maximum herausgeholt»

«Ich bin froh, dass das Obergericht die ordentliche Verwahrung bestätigt hat. Es wurde das Maximum herausgeholt. Die Hürden für eine lebenslängliche Verwahrung sind leider zu hoch. Doch auch die lebenslange Freiheitsstrafe ist ein Etikettenschwindel, da eine bedingte Entlassung nach 15 Jahren möglich ist, was dazu führt, dass die Gerichte zusätzlich die Verwahrung anordnen. Deshalb verlange ich mit FDP-Ständerat Andrea Caroni vom Bundesrat einen Bericht, wie das System verbessert werden könnte, um bei besonders schweren Straftaten eine bedingte Entlassung für einen längeren Zeitraum oder ganz auszuschliessen.»

Muriel Trummer, Juristin Amnesty International. (Bild: PD)

Muriel Trummer, Juristin Amnesty International. (Bild: PD)

«Urteil zeigt Problematik»

«Das Urteil zeigt die Problematik der Verwahrungsinitiative. Für Psychiaterinnen ist es kaum je möglich, eine Untherapierbarkeit vorherzusagen. Deshalb wird die lebenslange Verwahrung wohl nie verhängt werden. Selbst bei einem solch schrecklichen Verbrechen muss die Möglichkeit einer Überprüfung der Gefährlichkeit eines Täters garantiert bleiben. Dies ist mit der ordentlichen Verwahrung nach Ende der verbüssten Freiheitsstrafe gewährleistet. Das Urteil berücksichtigt die legitimen Ansprüche der Hinterbliebenen nach strenger Bestrafung und nach Schutz vor weiteren Taten, ohne internationale Menschenrechte zu verletzen.»

Ruedi Hediger, Gemeindeammann Rupperswil. (Bild: Chris Iseli)

Ruedi Hediger, Gemeindeammann Rupperswil. (Bild: Chris Iseli)

«Nicht gleich brisant wie erste Verhandlung»

«Ich bin froh, dass das Obergericht die ordentliche Verwahrung von Thomas N. bestätigt hat und die Therapie aufgehoben hat. Auffallend für mich war, dass die Verhandlung vor Obergericht nicht mehr die gleiche Brisanz hatte wie jene vor dem Bezirksgericht Lenzburg im März. Diese sorgte in unserem Dorf für Unruhe – das war dieses Mal nicht der Fall. Aber das liegt sicher daran, dass es nur noch um juristische Fragen ging und auch der Täter nicht mehr befragt wurde. Ich rechne damit, dass Thomas N. das Urteil beziehungsweise die Verwahrung nicht akzeptieren wird und sich auch noch das Bundesgericht mit dem Fall befassen muss.»

Marianne Heer, Richterin Kantonsgericht Luzern. (Bild: Sandra Ardizzone)

Marianne Heer, Richterin Kantonsgericht Luzern. (Bild: Sandra Ardizzone)

«Symbolische Rechtsprechung»

«Ich finde es einen Unsinn, eine Verwahrung neben einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe auszusprechen. Zuerst wird die Freiheitsstrafe vollzogen, im Anschluss daran die Verwahrung. Solange der Täter gefährlich ist, wird er aber nicht aus der lebenslänglichen Freiheitsstrafe entlassen werden. Wenn man ihn irgendwann als nicht mehr gefährlich erachten sollte, dann würde er auch die Bedingungen für eine Verwahrung nicht mehr erfüllen. Deshalb braucht es sie nicht. Das ist eine symbolische Rechtsprechung. Aber das Bundesgericht unterstützt dieses Vorgehen und bestätigt es regelmässig.»