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Realität des Arbeitsalltags widerspricht dem Gesetz

Fabian Fellmann

Vorschriften Lange war es ein offenes Geheimnis: Das Arbeitsgesetz verlangte zwar die Erfassung der Arbeitszeiten, doch viele Unternehmen hielten sich schlicht nicht mehr an die 1964 erlassenen Grundlagen. Dann jedoch entbrannte ein Konflikt zwischen Arbeitnehmerverbänden und Arbeitgebern. In der Bankenwelt, in Medienunternehmen und anderen Branchen verlangten Gewerkschaften, dass die Anwesenheiten im Büro korrekt aufgeschrieben und die Ruheregeln respektiert werden. Das heisst: Arbeitsbeginn und -ende gehören notiert, Sonntags- und Nachtarbeit sind speziell auszuweisen. Gearbeitet werden darf während maximal 45 bis 50 Stunden pro Woche, jeder Angestellte muss täglich mindestens 11 Stunden Pause am Stück einlegen, am Wochenende sind es mindestens 35 zusammenhängende Stunden. Von diesen Prinzipien gab es nur wenige Ausnahmen.

Kompromiss mit Folgen

Nach langem Streit fanden Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände schliesslich einen Kompromiss. Die Einigung der Sozialpartner goss der Bundesrat in eine Verordnung, welche seit Anfang dieses Jahres in Kraft ist. Sie ermöglicht Ausnahmen von den Vorschriften, aber nur, wenn die Angestellten durch einen Gesamtarbeitsvertrag geschützt sind. Diese Einschränkung ist der Wirtschaft jedoch zu eng. «Was ursprünglich als Vereinfachung gedacht war, führte zu einer eigentlichen Verschärfung», bemängelt etwa die Allianz Denkplatz Schweiz, eine Vereinigung von Branchenverbänden aus dem Dienstleistungssektor.

Flexibles Arbeiten ermöglichen

Dieser Meinung ist auch der Luzerner CVP-Ständerat Konrad Graber. Der Partner und Verwaltungsrat des Beratungsunternehmens BDO hält die heutigen Vorschriften für zu rigide. «Im Treuhandgeschäft zum Beispiel gibt es Spitzenbelastungen im Frühjahr. Die Arbeitnehmer sollen dann mehr Zeit im Büro verbringen dürfen», sagt Graber. Er will mit einer parlamentarischen Initiative erreichen, dass die wöchentliche Höchstarbeitszeit für leitende Angestellte und Fachspezialisten nicht mehr gilt, wenn die Arbeitnehmer dem zustimmen. Der Bundesrat soll zudem ganze Branchen per Verordnung davon ausnehmen können. «Ich will nicht, dass die Leute mehr arbeiten müssen, aber dass sie es flexibler tun können», sagt Graber. Die jährliche Höchstarbeitszeit etwa bleibe unangetastet. «Wir müssen die heutige Praxis legalisieren. Das Arbeitsgesetz ist vor allem auf die Industrie ausgerichtet, die Arbeitsrealität hat sich aber anders entwickelt», sagt der CVP-Politiker.

In eine ähnliche Richtung zielt eine parlamentarische Initiative der St. Galler FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter, die Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbands ist. «Ich will eine Lösung des Problems der Arbeitszeiterfassung für breitere Kreise der Wirtschaft», sagt Keller-Sutter. «Von der Arbeitszeiterfassung soll mindestens befreit werden, wer eine leitende Funktion hat oder als Spezialist arbeitet, der seine Arbeit selbst einteilen kann.»

Gewerkschaften sollen einlenken

Während Graber und Keller-Sutter ihre Vorstösse als punktuelle Anpassung des Arbeitsgesetzes verstehen, sehen Arbeitnehmerverbände darin einen Frontalangriff auf den Schutz der Angestellten. Pragmatisch klingt die Basler SP-Ständerätin und Wirtschaftspolitikerin Anita Fetz: «Wir brauchen neue, flexible Arbeitsmodelle, gerade auch für Familien. Ich sehe, dass junge Kolleginnen und Kollegen mit kleinen Kindern Mühe haben, alles unter einen Hut zu bringen.» Die beiden parlamentarischen Initiativen aus CVP- und FDP-Kreisen gehen ihr indes zu weit. Trotzdem sagt sie: «Wir sollten sie zum Anlass nehmen, eine gute Debatte zu führen, um vielleicht andere Kompromissmöglichkeiten aufzugleisen.» Die Gewerkschaften etwa sollten Hand bieten, auch ausserhalb von Gesamtarbeitsverträgen die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten.

Zahl der Burn-out-Patienten steigt

Wie es um die Arbeitszeiten wirklich bestellt ist, ist indes umstritten. Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Zahl der Burn-out-Patienten steigt, doch kritisieren Wirtschaftsverbände Methodik und Aussagen zu den Ursachen. Gemäss den Daten des Bundesamts für Statistik ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in der Schweiz seit den 1990er-Jahren leicht von über 42 auf über 41 Stunden gesunken.

Fabian Fellmann

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