RECYCLING: Streit um PET-Flaschen-Pfand

In Kürze entscheidet der Nationalrat, ob für sämtliche Flaschen künftig ein Pfand erhoben wird. Das wäre kontraproduktiv, warnen Recycling-Organisationen.

Eveline Rutz, Bern
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Die Schweizer sind diszipliniert: 81 Prozent der PET- Flaschen landen in der Wiederverwertung. (Bild: Keystone/Martial Trezzini)

Die Schweizer sind diszipliniert: 81 Prozent der PET- Flaschen landen in der Wiederverwertung. (Bild: Keystone/Martial Trezzini)

«Es liegt immer mehr Abfall herum», ärgert sich der Schwyzer CVP-Nationalrat Alois Gmür. Das störe die Bevölkerung, schade der Umwelt und führe dazu, dass Tiere verendeten. Mit einem Pfand für alle Getränkeflaschen und -dosen will er dem Littering entgegenwirken. «Es fördert die Mehrwegflaschen und erhöht die Recyclingquote», ist der Bierbrauer aus Einsiedeln überzeugt.

Deutlich weniger Sammelstellen

Recycling-Organisationen widersprechen: «Man könnte die Flaschen nur noch dort zurückgeben, wo es eine Kasse hat», sagt Robert Bühler, Präsident von PET-Recycling Schweiz. Gefordert wären in erster Linie die 6000 Detaillisten. Rund 59 000 Sammelstellen würden wegfallen, was die Rückgabe erschwere. Die heutigen hohen Recyclingquoten seien deshalb in Gefahr. Wegen einer Minderheit, die sich falsch verhalte, das ganze System zu ändern, sei unverhältnismässig, findet Markus Tavernier, Geschäftsführer der Igora-Genossenschaft für Aluminium-Recycling. «Littering ist ein situatives Problem.» Es komme vor allem an stark frequentierten Plätzen vor; ab 22 Uhr werde besonders viel Abfall liegen gelassen. Mit einem Pfand lasse sich dies nicht in den Griff kriegen. Erfahrungen aus Deutschland zeigten zudem, dass eine Abgabe Einwegflaschen begünstige.

Das sei auf einen fehlerhaften Systemwechsel zurückzuführen, entgegnet Gmür. Einzelne Getränke seien zu Beginn von der Pfandpflicht ausgenommen worden. Daraus gelte es, Lehren zu ziehen. Gmür schwebt vor, alle Flaschen mit 50 Rappen zu belegen. In seinem Vorstoss nennt er allerdings keinen konkreten Betrag. Am Dienstag wird sich der Nationalrat damit befassen. SP, Grüne sowie Bauernvertreter befürworten ein Pfand. Kritik kommt aus den Reihen der Bürgerlichen und von der vorberatenden Kommission, welche den Vorstoss mit 16 zu 8 Stimmen abgelehnt hat.

Politischer Dauerbrenner

Das Thema taucht seit Jahren immer wieder in der politischen Agenda auf. Erst im letzten Herbst scheiterte eine Standesinitiative des Kantons Baselland. Mit 82 zu 79 Stimmen wurde er vom Nationalrat allerdings nur knapp verworfen.

Für einen Kompromiss plädiert Nationalrätin Silvia Semadeni (SP, Graubünden). Sie hat kürzlich eine Motion eingereicht, mit der sie die Verwertungsquoten ins Visier nimmt. «Mindestens die 81 Prozent beim PET sind verbesserungswürdig», sagt sie. Die Bevölkerung müsse stärker sensibilisiert werden. Es brauche zudem zusätzliche Sammelstellen. «Erst wenn dies nichts nützt, bin ich für ein Pfand.»