Rega-Chefpilot Urs Nagel: «Unsere Jets sind fliegende Intensivstationen»

Wer an die Rega denkt, denkt sofort an Helikopter. Doch die Schweizerische Rettungsflugwacht hat auch eine Flugzeugflotte. Welche Aufgabe hat sie? Urs Nagel, Jet-Chefpilot der Rega, gibt Auskunft.

Simon Mathis
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Rega-Chefpilot Urs Nagel. (Bild: PD)

Rega-Chefpilot Urs Nagel. (Bild: PD)

Urs Nagel, welche Aufgabe haben Sie als Chefpilot der Rega-Jetflotte?

Ich bin für die Führung unserer 25 Jet-Piloten zuständig und behalte den Überblick über die Vorschriften, von denen es unzählige gibt. Daneben bin ich selbst als Pilot im Einsatz. Das Cockpit muss mir vertraut bleiben. Denn unsere Flugverfahren müssen ständig angepasst werden. Da muss ich wissen, was läuft.

Sind sie selbst mit dem Challenger Romeo Alpha geflogen, der jetzt beim Verkehrshaus steht?

Ja, mehrere hundert Stunden lang.

Wie sind Sie Pilot geworden?

Mein Interesse für die Aviatik war spätestens geweckt, als ich als Kind auf den Flugzeugen des Verkehrshauses rumturnte (lacht). Ich war zwölf Jahre bei der Schweizerischen Luftwaffe und zwölf Jahre bei der Swissair. Nun fliege ich schon seit zwölf Jahren für die Rega.

Wie unterscheidet sich das Fliegen eines Linienflugzeuges von dem eines Rega-Jets?

Beides ist in etwa vergleichbar. Bei der Rega fliegen wir aber viel mehr Flugplätze an – über 400 verschiedene Destinationen im Jahr. Wir müssen viel flexibler sein, da unsere Flüge nicht im Voraus geplant sind.

Und Sie transportieren Patienten, nicht normale Passagiere.

Genau. Unsere Jets sind fliegende Intensivstationen. Sie bieten Platz für vier liegende Patienten, aber meistens sind nicht mehr als zwei in der Maschine. Ausserdem haben wir vier Sitzplätze für Angehörige.

Was bekommen Sie als Pilot von den Patienten mit?

Viel. Wir sind sowohl den Patienten als auch den Angehörigen sehr nahe. Letzte Woche flog ich eine Patientin von Thailand in die Schweiz. Der Flug dauerte 20 Stunden. Da kommt man natürlich mit den Angehörigen ins Gespräch, erfährt von ihrem Schicksal.

Sie haben drei Jets in Ihrer Flotte – neuerdings das Modell Challenger 650. Wieso hat das Modell 604 ausgedient?

Der Challenger 604 war sechzehn Jahre lang für uns im Einsatz, so lange wie kein anderes Modell. Das ist wie bei einem Auto: Die Unterhaltsarbeiten nehmen mit dem Alter des Flugzeuges zu. Somit stehen sie länger am Boden und können keine Patienten zurück in die Schweiz fliegen. Der Challenger 650 bietet vor allem ein ganz modernes medizinisches Interieur. Ausserdem hat er Infrarot-Sensoren, die bei der Landung unter erschwerten Bedingungen helfen.