REGISTER: Bund bürgert Sonderzeichen ein

Bei der Einbürgerung müssen viele Personen die Schreibweise ihres Namens ändern, weil das Informatiksystem manche Sonderzeichen nicht kennt. Bund und Kantone arbeiten nun an einer Lösung.

Michel Burtscher
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In den Schweizer Registern können ausländische Namen nicht immer mit den korrekten Sonderzeichen erfasst werden. (Bild: Getty)

In den Schweizer Registern können ausländische Namen nicht immer mit den korrekten Sonderzeichen erfasst werden. (Bild: Getty)

Michel Burtscher

Menschen aus Ländern wie Kroatien, Norwegen oder Lettland stehen heute vor einem Dilemma, wenn sie sich in der Schweiz einbürgern lassen wollen: Denn unter Umständen müssen sie ­dafür ihren Namen ändern. Das Problem sind gewisse Sonder­zeichen, die vom elektronischen Zivilstandsregister Infostar nicht berücksichtigt werden. Dazu gehört etwa das Zeichen «ć», das in Osteuropa verbreitet ist – und zu einem «c» wird. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» wurden in den letzten 25 Jahren die Namen von über 100000 Osteuropäern bei der Einbürgerung angepasst beziehungsweise «verwestlicht».

Das finden viele Betroffene und Politiker wie der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth stossend. Die Schweiz müsse ihre migrantische Realität endlich auch auf institutioneller Ebene ernst nehmen, schreibt er in einer Interpellation, die er vergan­genes Jahr eingereicht hat. Wermuth findet: «Wer Schweizerin oder Schweizer wird, soll die Schreibweise seines Namens frei wählen können.» Inzwischen ist Bewegung in die Sache gekommen: Unter der Federführung des Bundesamtes für Statistik (BFS) arbeiten betroffene Stellen von Bund, Kantonen und Gemeinden im Moment an einer Lösung für das Problem.

Die Umstellung braucht Zeit

Ende Januar haben sich die Fachleute erstmals zu einem Austausch getroffen, wie das BFS auf Anfrage bestätigt. Dabei ging es darum, alle betroffenen Stellen auf den gleichen Informationsstand zu bringen und das weitere Vorgehen zu besprechen. «Ziel ist es, dass künftig nach Möglichkeit alle Personen aus Ländern in Europa ihren Namen in der Schweiz mit der richtigen Schreibweise registrieren lassen können», sagt Stefan Podolak, stellvertretender Leiter der Sektion Sedex und Registerentwicklung beim BFS. Dafür muss der Zeichensatz ausgeweitet und für alle Register harmonisiert werden. «Nur Infostar zu ändern, wäre sinnlos und würde zu Inkonsistenzen führen», sagt Podolak. Technisch sei die Umstellung zwar keine grosse Herausforderung, denn in den Datenbanken könne jedes beliebige Sonderzeichen gespeichert werden, sagt er. «Trotzdem ist die Problematik der Namensschreibweise eine komplexe organisatorische und rechtliche Angelegenheit.»

Schon heute herrscht nämlich ein Wirrwarr bei den Sonder­zeichen. Viele Amtsstellen, die Personenregister führen, sind in einer widersprüchlichen Situation: Sie müssen verschiedene und nicht immer übereinstimmende Regeln und Normen beachten, die nicht alle und nicht die gleichen Sonderzeichen vorschreiben. Die Zeichentabelle beispielsweise, die von Infostar verwendet wird, enthält weniger Sonderzeichen als diejenige, welche die Migrationsämter aktuell verwenden. Darum sollen die ­Register diesbezüglich nun auch harmonisiert werden.

Kosten sind noch unklar

Mitglied der Arbeitsgruppe sind unter anderem das Amt für Zivilstandswesen, das Staatssekretariat für Migration, das Aussen­departement, das Bundesamt für Polizei und der Verband Schweizerischer Einwohnerdienste. Wie geht es nun weiter? Laut Podolak geht es in einem ersten Schritt dar­um, dass die betroffenen Ämter abklären, welche Sonderzeichen tatsächlich verwendet werden dürfen, wie sie konkret von einer solchen Umstellung betroffen wären und welche Systeme, Gesetze oder Verordnungen ­angepasst werden müssten. Was dies die einzelnen Stellen bei Bund, Kantonen und Gemeinden am Schluss kosten oder wie lange dieser Prozess gehen wird, ist noch nicht bekannt. Klar ist aber: «Bei den involvierten Stellen ist der Wille vorhanden, nun etwas zu ändern», sagt Podolak. Die Arbeitsgruppe wird sich Ende dieses Monats das nächste Mal treffen, um über das Thema Sonderzeichen zu diskutieren.