Reisebüros und Schausteller: Das Hoffen auf Hilfe geht weiter

Wirtschaftsminister Guy Parmelin wollte weitere Hilfsmassnahmen für Schausteller und Reisebüros. Doch er drang damit nicht durch.

Lucien Fluri
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Reisebüros leiden besonders unter der Coronakrise. Zuerst waren die Grenzen zu, die weiterhin ungewisse Situation hält Kunden vom Buchen ab.

Reisebüros leiden besonders unter der Coronakrise. Zuerst waren die Grenzen zu, die weiterhin ungewisse Situation hält Kunden vom Buchen ab.

Gaetan Bally/Keystone

Die Zeit ist vorbei: Ein Grossteil der Bevölkerung rennt nicht mehr vor den Fernseher, um nach den Bundesratssitzungen die neusten Entscheide aus Bern zu erfahren. Man hat sich an die neue Coronanormalität gewöhnt. Doch es gibt Menschen, die noch immer unter grosser Anspannung auf die Entscheide warten, etwa Geschäftsinhaber und Angestellte von Reisebüros oder Schausteller. Ihre Branchen sind viel stärker von den Coronafolgen betroffen als die meisten anderen Firmen. Sie hoffen auf zusätzliche Hilfe aus Bern.

Auch gestern warteten sie gespannt, denn Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat bei diesen Branchen Handlungsbedarf erkannt. Er ging auch tatsächlich mit Lösungsvorschlägen in die Bundesratssitzung hinein. Doch für die Schausteller lohnte sich das Warten auf die Pressekonferenz nicht. Es gab keine Neuigkeiten für sie, was für Enttäuschung sorgte. Denn wie bei den Schausteller-Verbänden zu hören ist, war ihnen schon mehrfach angekündigt worden, dass der Bundesrat über Hilfe für ihre Branche beraten wird.

Reisebranche: Zumindest eine Fristerstreckung

Eine Ankündigung gab es dagegen für die Reisebüros. Der Bundesrat beschloss, den Rechtsstillstand für die Branche bis Ende Jahr zu verlängern. Dies bedeutet: Bis dann können die Reisebüros nicht betrieben werden, etwa für Rückzahlungen nach Reiseannullationen. Dies sei zwar eine gute Nachricht, sagt Max E. Katz, Präsident des Schweizer Reise-Verbands. Nun gelte es die nächsten Sitzungen abzuwarten. Laut Katz ist es «zwei vor Zwölf, damit die 1300 Reisebüros und 4000 Arbeitsplätze erhalten werden können».

Es brauche für die besonders gebeutelte Branche weitere Lösungen, notfalls auch direkte Entschädigungen, denn Kredite seien kaum zurückzubezahlen. Tatsächlich zählte ein Bericht, den der Bundesrat zur Reisebranche hatte erstellen lassen, weitere Hilfsmassnahmen auf.

Plötzliche Spezialregeln stiessen auf Widerstand

Dass Parmelin nicht durchdrang, hat dem Vernehmen nach damit zu tun, dass die Meinungen der Bundesräte auseinandergehen. Besteht teils generelle Skepsis gegen weitere Hilfsmassnahmen, soll es nicht gut angekommen sein, dass Parmelin Sonderregeln für einzelne Branchen vorschlug. Vor allem, weil noch Hilfspakete laufen, von denen auch die Reisebranche und Schausteller profitieren: Bis Mitte September etwa erhalten Selbstständige Beiträge über die Erwerbsersatzordnung.

Und Schausteller, die in der eigenen Firma angestellt sind, können unter Umständen Gelder erhalten, weil sie vom Veranstaltungsverbot betroffen sind. Ebenso stehen in der Septembersession mehrere parlamentarische Vorstösse für einzelne Branchenlösungen zur Debatte. Der Bundesrat könnte abwarten, wie die Stimmung im Parlament für Sonderlösungen ist.