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RELIGION: Wirbel um Schlägerei in Moschee

In der islamischen Gemeinschaft Gebenstorf ist ein Streit in eine Massenschlägerei ausgeartet. Der Verein nannte als Ursache zuerst einen radikalen Imam. Jetzt tönt es anders.
Kari Kälin
Schauplatz der Schlägerei: die Moschee in der ehemaligen Pizzeria im aargauischen Gebenstorf. (Bild: Chris Iseli/AZ)

Schauplatz der Schlägerei: die Moschee in der ehemaligen Pizzeria im aargauischen Gebenstorf. (Bild: Chris Iseli/AZ)

Kari Kälin

Er wünschte sich die Vernichtung der Juden, Christen, Hindus, Russen und Schiiten: Der libysche Imam Abu Ramadan der al-Rhaman-Moschee in Biel, den der «Tages-Anzeiger» und die «Rundschau» des Schweizer Radios und Fernsehens letzte Woche als Hassprediger outeten, sorgt weiter für Schlagzeilen.

Gestern ist eine weitere Moschee wegen mutmasslichen Radikalismus in den Fokus des medialen Interesses gerückt. Die «Aargauer Zeitung» berichtete über eine Massenschlägerei, die sich am letzten Sonntag in der Moschee des islamisch-albanischen Vereins im 5300-Seelen-Dorf Gebenstorf zutrug. Die Kantonspolizei Aargau rückte mit einem Dutzend Beamten aus und kontrollierte 90 Personen. Zwei Verletzte begaben sich ins Spital. Die Moschee wurde erst im Mai in einer ehemaligen Pizzeria eröffnet. Der Verein war von Kirchdorf nach Gebenstorf gezügelt.

Weshalb kam es zur Auseinandersetzung? Der «Aargauer Zeitung» nannte Murseli Ibraimov, Vizepräsident der Gemeinschaft, den Imam als Quelle des Streits. Der Prediger wirkte seit acht Jahren im Verein, habe aber immer weniger die Werte der Mitglieder vertreten. «Als wir erfahren haben, dass er diesen Sommer radikale Imame in der mazedonischen Hauptstadt Skopje besucht, hat der Vorstand beschlossen, ihn zu suspendieren.» Der Vorstand habe es dem gefeuerten Imam aber erlaubt, am letzten Sonntag eine Abschiedsrede zu halten. Dabei kam es zu den Handgreiflichkeiten. Der Vorstand schloss darauf acht Mitglieder vom Verein aus. «Ich bin fassungslos, dass wir intern mit Radikalismus zu kämpfen haben.»

So weit, so klar. Gegenüber unserer Zeitung dementierte Ibraimov die Version, die er der «Aargauer Zeitung» bestätigt hatte. Dabei machte er sprachliche Probleme geltend. Er habe zwar «radikal» gesagt, aber «konservativ» gemeint. In der Gebenstorfer Moschee sei keineswegs etwa zu Gewalt oder zum Gang in den Dschihad nach Syrien oder den Irak aufgerufen worden, sagt Ibraimov. Was unter «konservativ» genau zu verstehen sei, führte er nicht aus.

Der Sekretär spricht von einem Privatstreit

Ibraimov verwies für weitere Auskünfte an den perfekt Schweizerdeutsch sprechenden Vereinssekretär Emra Alijevski. Dieser wiederum erklärt, der Konflikt in der Moschee habe gar nichts mit der religiösen Ausrichtung zu tun. Vielmehr handle es sich um einen Privatstreit zwischen zwei Lagern, der während der Abschiedsrede des Imams entbrannt sei. Der Imam sei auch nicht entlassen worden, sondern habe sein Amt auf eigenen Wunsch zur Verfügung gestellt.

Der albanisch-islamische Verein Gebenstorf ist Mitglied in der Union der albanischen Imame (UAIS) in der Schweiz. Der «Tages-Anzeiger» warf dessen Präsidenten Nehat Ismaili neulich vor, die Union sei eine Drehscheibe für salafistische Prediger. Ismaili konterte, alle Personen, die des Extremismus verdächtigt würden, seien in den Moscheen nicht mehr willkommen.

Ismaili unterzeichnete im Frühling zusammen mit Mustafa Memeti, liberaler Berner Imam und Präsident der islamisch-albanischen Gemeinschaft der Schweiz, eine Charta, in der sich die Vereine zu Demokratie und Rechtsstaat bekannten. Demnach stehen die Schweizer Gesetze über den religiösen Regeln. Memeti hatte die UAIS aber noch im letzten Jahr für Verbindungen zu salafistischen Kreisen kritisiert. Gegenüber der «Aargauer Zeitung» sagte er im März: «Der Streit liegt in der Vergangenheit.»

Hochaktuell ist der Zwist um die Moschee in Gebenstorf. Die Gemeinde stand der Moschee stets skeptisch gegenüber. Sie lehnte das Baugesuch der Gemeinschaft ab, wurde aber vom Aargauer Verwaltungsgericht zurückgepfiffen. Nach dem Vorfall vom letzten Sonntag sieht sich Gemeindepräsident Rolf Senn (CVP) in seinen Befürchtungen bestätigt.

Der Gemeinderat hat dem Vorstand der islamisch-albanischen Gemeinschaft in einem Brief klargemacht, dass solche Vorfälle nicht mehr toleriert würden. «Sonst behalten wir uns weitere rechtliche Massnahmen vor.» Senn führt nicht aus, was das konkret bedeutet. Denkbar wäre etwa, dass die Gemeinde der Gemeinschaft die Betriebsbewilligung entzieht. «Wir hoffen, dass wir dieses Problem im Guten lösen können», sagt Senn.

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