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RELIGIONSGEMEINSCHAFT: Mönche helfen Basler Juden

Hohe Sicherheitskosten bringen israelitische Gemeinden in der Schweiz an den Rand des Ruins. Vom Bund kommt bislang keine Unterstützung, in Basel springt nun ein Kloster ein .
Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

Peter von Sury ist erschüttert: «Für uns ist es selbstverständlich, in Ruhe und Frieden einen Gottesdienst feiern zu können», sagt der Abt des Klosters Maria­stein im Solothurner Schwarzbubenland. «In Basel aber können die Juden nicht ohne Furcht in die Synagoge.» Eigentlich steht den Benediktinermönchen das Wasser selber bis zum Hals. Das Kloster hat nicht nur grosse Nachwuchsprobleme, sondern wird auch von Geldsorgen geplagt. Dennoch können die Mönche nicht wegsehen. Sie wollen helfen.

Paris, Brüssel, Kopenhagen: Die Anschläge in Europa haben Spuren hinterlassen. Menschen wurden getötet, nur weil sie Juden waren. Erst vor wenigen Tagen wurde in der französischen Hauptstadt eine Holocaust-Überlebende wegen ihres Glaubens ermordet. Auch in der Schweiz sorgen sich die Juden um ihre ­Sicherheit. Im vergangenen Jahr habe die Zahl antisemitischer Vorfälle in der Deutschschweiz deutlich zugenommen, vermeldeten kürzlich der Schweizerische Israelitische Gemeindebund und die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus.

Für ihren Schutz müssen die meisten jüdischen Gemeinden aber auch heute noch selber ­sorgen. Das kostet viel Geld. Die Israelitische Gemeinde in Basel (IGB) ist eine der grössten der Schweiz. Sie schreibt seit Jahren rote Zahlen. Auch der Voranschlag 2018 rechnet mit einem Defizit von 625 000 Franken.

Handlungsbedarf ist erkannt

Auch vom Bund kommt bisher keine Hilfe. Das Parlament hat zwar Anfang Monat beschlossen, dass der Staat religiöse Gemeinschaften künftig besser vor terroristischer und extremistischer Gewalt schützen soll. Auch Justizministerin Simonetta Sommaruga erkennt Handlungsbedarf. Immerhin leben in der Schweiz etwa 18 000 Juden, die meisten von ihnen in Zürich, Basel und Genf. Rund 80 Prozent von ihnen haben einen Schweizer Pass. Die Sicherheit seiner Bürger zähle zu den Kernaufgaben eines Staates, hatte Sommaruga im Parlament betont. Den Juden nützt das ­wenig. Für die Unterstützung direkter Schutzmassnahmen, zum Beispiel von Wachpersonal vor gefährdeten Einrichtungen, reicht die gesetzliche Grundlage nämlich nicht aus. Deshalb wird eine Gesetzesänderung geprüft, was allerdings Jahre dauern wird. Die drängenden Probleme der Juden bleiben.

Abt von Sury hat das nachdenklich gestimmt. Mehrere Nächte konnte er nicht richtig schlafen. «Wir wissen, was es heisst, in einer Krise zu stecken. Wir sind im Kloster auch nicht auf Rosen gebettet», sagt er. Bei den Juden in der Schweiz aber komme eine latente Gefahr hinzu. «Wenn ich hören muss, dass rund 75 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg Juden wegen der Sicherheitslage auf gepackten Koffern sitzen, um nach Israel auszureisen, ist das unerträglich.»

Parlament will kein Präjudiz schaffen

Der Benediktinermönch hat das Thema nicht nur in eine Sonntagspredigt aufgenommen. Um ein Zeichen zu setzen, haben die Klosterbrüder an drei Gottesdiensten auch eine Kollekte durchgeführt. Knapp 3000 Franken sind so zusammengekommen. Obwohl selber knapp bei Kasse, haben sie den Betrag auf 5000 Franken aufgerundet und das Geld diese Woche an Rabbiner Moshe Baumel sowie IGB-Präsident Guy Rueff übergeben.

Für die Basler Juden ist es nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Das ist von Sury bewusst, «aber uns geht es um das Symbol». IGB-Präsident Rueff spricht von einem tollen Zeichen. Die Basler Juden hätten in den vergangenen Wochen und Monaten von privater Seite viel Solidarität erlebt. Von der Politik dagegen zeigen sie sich bitter enttäuscht. Im Dezember hatte es der Basler Grosse Rat abgelehnt, der jüdischen Gemeinde 800 000 Franken an die laufenden Sicherheitskosten zu bezahlen. Man wolle kein Präjudiz schaffen für andere Gemeinschaften, die ebenfalls Sicherheitskosten geltend machen könnten, hatte Sicherheitsdirektor Baschi Dürr argumentiert. «Von den Behörden sind wir bisher immer nur vertröstet worden», sagt Rueff. Da nützten auch die Ankündigungen des Bundes wenig. Die angestrebten Änderungen auf dem Gesetzesweg würden sicher mehrere Jahre dauern. Die drängendsten Probleme der Schweizer Juden bleiben damit ungelöst.

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