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REVISION: Ein «Mami» und eine «Mama»

Verena und Susanne haben sich ihren Kinderwunsch im Ausland erfüllt. Rechtlich gilt aber nur die leibliche Mutter Susanne als Elternteil. Beide hoffen, das Recht auf Stiefkindadoption zu erhalten.
Tobias Bär
Mami Susanne und Mama Verena (v. l.) wollen, dass ihre Tochter Ronja rechtlich abgesichert ist. (Bild: freshfocus/Steffen Schmidt)

Mami Susanne und Mama Verena (v. l.) wollen, dass ihre Tochter Ronja rechtlich abgesichert ist. (Bild: freshfocus/Steffen Schmidt)

Tobias Bär

Als es im März im Ständerat um die Frage ging, ob Schwule und Lesben in Zukunft das leibliche Kind ihres Partners oder ihrer Partnerin adoptieren dürfen, sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga: «Dass Kinder mit einem Vater und dessen Partner oder einer Mutter und deren Partnerin zusammenleben, das ist gelebte Realität. Und daran werden sie nichts ändern.»

Verena, Susanne und Ronja stehen für diese gelebte Realität. In ihrer Wohnung sieht es so aus, wie es in einer Wohnung mit Kleinkind halt aussieht. Im Flur stolpert man über einen Bobby-Car, im Spielzimmer steht eine Holzeisenbahn. Dass die Bewohnerinnen eine ungewöhnliche Jungfamilie bilden, das zeigt aber der Blick ins Bücherregal. «Die Geschichte unserer Familie. Ein Buch für lesbische Familien mit Wunschkindern.» Ronja soll verstehen, wie sie entstanden ist. Und wieso sie – anders als die meisten Kinder – nicht ein «Mami» und einen «Papi» hat. Sondern ein «Mami», Susanne, und eine «Mama», Verena.

Ein anonymer Spender als Vater

Der Wunsch, eine Familie zu gründen, konkretisierte sich 2011 bei einer Reise durch Skandinavien. «Da haben wir begonnen, über Namen zu diskutieren», erzählt Verena. Daneben stellte sich für die beiden die Frage: Wie kommen wir zu unserem Kind? Zuerst stand die Möglichkeit einer Samenspende aus dem Bekanntenkreis im Vordergrund. Es fand sich aber kein Spender. Plan B war eine Samenbank, die Sperma an Paare mit unerfülltem Kinderwunsch vermittelt. Das Angebot existiert auch in der Schweiz, es steht aber nur verheirateten heterosexuellen Paaren offen. In anderen europäischen Ländern haben auch homosexuelle Paare Zugang. In Dänemark zum Beispiel, wohin Verena und Susanne auswichen. Online klickten sie sich durch die Profile der Spender, auf denen zwar die Hobbys und die Gesundheitsdaten der Männer ersichtlich waren, nicht aber die Namen und die Fotos.

Die Frage, wer das Kind austragen soll, stellte sich nicht. Verena ist 42, Susanne zehn Jahre jünger. «Biologisch war es vernünftig, dass sie das macht», sagt Verena. Dreimal flog das Paar vergeblich in den Norden, beim vierten Besuch in der Fruchtbarkeitsklinik klappte es. Im Oktober 2014 kam Ronja zur Welt. «Wenn sie volljährig ist, kann Ronja Kontakt zu ihrem genetischen Vater aufnehmen – wenn sie dies wünscht», sagt Susanne.

Nicht verstecken

Die drei bilden eine «Regenbogenfamilie». In der Schweiz gibt es bereits einige tausend davon (siehe Kasten). Für jene, die nicht dem klassischen Vater-Mutter-Kind-Modell entsprechen, gehören fragende Blicke und Irritationen zum Alltag. Verena und Susanne verstecken sich nicht, die Elternabende in der Kinderkrippe besuchen sie immer zu zweit. «Wenn wir uns mit anderen Paaren über den Erziehungsalltag austauschen, sehen sie, dass wir mit denselben Problemchen kämpfen.» Feindseligkeiten erlebt das Paar an seinem Wohnort, einer Stadt im Mittelland, keine. Im Gegenteil: Von den portugiesischen Nachbarn bis zur Coop-Verkäuferin, «alle haben sich mit uns über den Nachwuchs gefreut», sagt Verena.

«Für seine Persönlichkeitsentwicklung braucht ein Kind einen Vater und eine Mutter» – das ist eines der Hauptargumente jener, die Regenbogenfamilien ablehnend begegnen. Verena verweist auf die Studien, die zeigen: Für die Entwicklung der Kinder ist das Klima in der Familie entscheidend, nicht die sexuelle Präferenz der Eltern. «Ausserdem hat Ronja einen Onkel, einen Götti, einen Grossvater – an männlichen Bezugspersonen fehlt es ihr nicht. Klar bestehe die Gefahr, dass sich Ronja in der Schule dumme Sprüche gefallen lassen müsse. «Aber diese Erfahrung müssen auch andere Kinder machen – etwa weil sie eine Brille tragen oder zu dick sind.»

Verena und Susanne haben sich den Traum von einer Familie ausserhalb des Schweizer Rechtsrahmens erfüllt. Als rechtlicher Elternteil gilt aber nur die leibliche Mutter, Susanne. Stirbt Susanne, ist unklar, ob Verena das Kind behalten kann. Stirbt Verena, hat Ronja keinen Anspruch auf eine Waisenrente. Wird die Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet, will Verena umgehend ein Adoptionsgesuch einreichen. Sollte diesem dereinst stattgegeben werden, würde sich auch Verenas Mutter freuen: «Sie wäre dann offiziell Grossmutter.»

Referendumsfrist dauert noch an

Adoptionbär. Der Begriff «Regenbogenfamilie» steht für Familien, in denen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell oder transgeschlechtlich ist. Als rechtlicher Elternteil wird in der Schweiz nur der leibliche Vater, die leibliche Mutter anerkannt. Das soll sich ändern. Das Parlament hat sich dafür ausgesprochen, die Stiefkindadoption für Paare in eingetragenen Partnerschaften zu öffnen. SVP-, CVP- und EDU-Vertreter sammeln Unterschriften gegen die Revision. Die Referendumsfrist läuft bis am 6. Oktober.

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