Rheintalstrecke: Die Gefahr ist nicht gebannt

Gerhard Lob über Lehren aus dem Unterbruch bei Raststatt (D)

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Gerhard Lob

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Die deutsche Kreisstadt Rastatt am Oberrhein: Sie ist zum Symbol für ein Desaster geworden – das Desaster eines schlagartigen Zusammenbruchs des europäischen Bahngüterverkehrs auf der Nord-Süd-Achse. Fast acht Wochen hat es gedauert, bis die Rheintalbahn nach der Gleisabsenkung wieder in Betrieb genommen werden konnte. Fast zwei Monate, welche die europäische Gütertransportbranche auf eine harte Probe stellten. Nur dank ausserordentlicher Anstrengungen der Logistiker haben die Konsumenten von dieser Krisensituation eigentlich nichts bemerkt.

Das Rastatt-Desaster hat die Schwachstellen der europäischen Bahnen offenbart: Fehlende Flexibilität, fehlendes Krisenmanagement, Mangel an Ausweichrouten, anachronistische nationale Hürden. Während Lastwagenfahrer aus der Ukraine mit Camions von Holland nach Italien durch ganz Europa kurven, dürfen Schweizer Zugführer bei mangelnden Sprachkenntnissen nicht einmal in Frankreich eine Lokomotive steuern.

Der Handlungsbedarf nach Raststatt ist gross. Und es bleibt zu hoffen, dass die vielen Vorstösse und Appelle, die nun auf politischer Ebene erfolgt sind, keine Papiertiger bleiben. Die nationalen Bahnen müssen Kompetenzen an transnationale Einrichtungen abgeben, um ihre Zuverlässigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Andernfalls droht der Bahngüterverkehrsbranche ein nachhaltiger Schaden.

Und die umweltfreundliche Verlagerungspolitik von der Strasse auf die Schiene, die Europa etwas halbherzig verfolgt, aber gerade der Schweiz so lieb ist, läuft Gefahr, ins Stocken zu geraten.

Gerhard Lob