«Ricardo» und «Tutti» löschen Angebote – Wucherpreise für angebliches Corona-Wundermittel Echinaforce

Nach dem Ansturm auf die Apotheken folgt die Abzocke im Internet: Seit das Thurgauer Echinaforce-Präparat als mögliches Mittel gegen das Coronavirus angepriesen wird, wird versucht, auf Schweizer Handelsplattformen damit Geld zu machen. Die Verkäufer riskieren viel – der Handel mit Medikamenten ohne Bewilligung ist strafbar.

Leo Eiholzer
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Das Präparat Echinaforce wird nicht nur in der Apotheke stark nachgefragt.

Das Präparat Echinaforce wird nicht nur in der Apotheke stark nachgefragt.

Keystone

Im Frühjahr waren es Schutzmasken, Desinfektionsmittel, irgendwann sogar Toilettenpapier. Seit gestern gibt es ein neues Panikprodukt: Auf Schweizer Online-Handelsplattformen versuchen Private, das angebliche Corona-Wundermittel Echinaforce zu Wucherpreisen zu verkaufen.

Eine Studie des Labors Spiez hatte dem Präparat bescheinigt, dass es in Zellversuchen das Coronavirus abtötet. Ob es im menschlichen Körper ähnlich wirkt, ist aber höchst unklar. Das tut der riesigen Nachfrage aber keinen Abbruch.

Nachdem sich gestern schon Apotheker vor Echinaforce-Kunden kaum mehr retten konnten, scheinen auch die Online-Meinungen bereits gemacht: Ein Verkäufer verlangte auf ricardo.ch 90 Franken für Echinaforce-Tropfen. Eine stattliche Preissteigerung – der Originalpreis in der Apotheke liegt je nach Packungsgrösse bei 13 bis 32 Franken.

Ein weiterer Ricardo-Verkäufer wollte für eine Packung Echinaforce-Kapseln 100 Franken – als Produktzustand gibt er «gebraucht» an. Auf dem Foto sieht man zudem, dass die Flasche bereits geöffnet ist und der Verkäufer die Tabletten auf seiner Handfläche balanciert.

Der Aufwand lohnt sich für die kurzfristig zum Medikamentenhändler gewordenen Verkäufer aber nicht. Die Online-Handelsplattformen ricardo.ch und tutti.ch entfernen alle Inserate relativ schnell wieder. Insgesamt waren es seit gestern etwa 45 Angebote. «Da Echinaforce-Produkte zu den Arzneimitteln der Kategorie D gehören, dürfen diese auf Ricardo nicht verkauft werden», sagt eine Sprecherin der Plattform.

Verkäufer droht ein Strafverfahren

Im Weg steht das Heilmittelgesetz. Obwohl Präparate wie Echinaforce rezeptfrei sind, dürfen sie nur nach Fachberatung abgeben werden – etwas was anonyme Online-Verkäufer kaum bieten können.

Wer mit dem Echinaforce-Hype etwas Geld verdienen will, riskiert viel. Für den Verkauf von Arzneimitteln braucht es eine Bewilligung. Wer diese nicht hat und trotzdem verkauft, dem droht ein Strafverfahren. Die Strafe liegt bei bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe, wie ein Sprecher von Swissmedic sagt. Neben den Löschaktionen der Plattformen sei auch eine Einheit von Swissmedic daran, die Löschung der Inserate zu beantragen.

Nachdem eine Studie des Labors Spiez von einer Wirksamkeit im Laborversuch berichtete und der «Blick» gestern auf seiner Titelseite die Schlagzeile «Naturheilmittel wirkt gegen Corona!» druckte, rannten Kunden bereits den physischen Apotheken die Tür ein. In einer Basler Apotheke war das Präparat gestern bereits um neun Uhr morgens ausverkauft. Diverse Apotheker bestellten Nachschub, Kunden liefen mit mit Händen voller Echinaforce-Schachteln aus den Läden.

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