«RITES DE PASSAGES»: Die Herzen werden vereinigt

Die drei Juwelen des Buddhismus sollen die Wege des Brautpaars leiten. In Gelfingen fand eine ungewohnte Hochzeit statt. Mit einer sehr positiven Botschaft.

Benno Bühlmann
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Das Brautpaar mit Söhnchen, Verwandten und Zeremonienmeisterin Shih Smiao-Shi. (Bild: Benno Bühlmann)

Das Brautpaar mit Söhnchen, Verwandten und Zeremonienmeisterin Shih Smiao-Shi. (Bild: Benno Bühlmann)

Ein strahlend schöner Samstagnachmittag: Auf dem Vorplatz zum buddhistischen Tempel in Gelfingen hat sich eine bunte Schar versammelt. Im Aussenbereich des Zentrums steht eine Vorrichtung für Räucherstäbchen und eine Guan-Yin-Statue, die das Erleuchtungswesen des Mitgefühls darstellt. Ballons in allen Regenbogenfarben zieren den Eingangsbereich.

Anziehungskraft des Buddhismus

Rund 40 geladene Gäste warten mit Spannung auf die Hochzeitszeremonie, die sich in einem für die meisten ungewohnten Rahmen abspielt. Das Brautpaar, Anai und Jean-Pierre Marbach, hat für seine Trauung den Tempel des taiwanesischen Fo-Guan-Shan- Ordens in Gelfingen am Baldeggersee ausgewählt, der 1997 in einem ehemaligen Sägewerk eingerichtet wurde. «Obwohl uns unsere Eltern ursprünglich im katholischen Glauben erzogen haben, fühlen wir uns vom Buddhismus mehr angezogen», erklärt Jean-Pierre Marbach. «Ich glaube, dass in allen Religionen ein Teil der Wahrheit zu finden ist. Der buddhistische Weg überzeugt mich am meisten, zumal ich den Buddhismus als eine sehr tolerante Religion kennen gelernt habe.»

Räucherstäbchen als Opfergabe

Als Einstimmung zur Zeremonie ertönen für einmal nicht Kirchenglocken, sondern asiatische Gesänge, die von einem regelmässig wiederkehrenden Gongschlag begleitet werden. Auf einem roten Teppich ziehen Braut und Bräutigam, dessen Eltern sowie die Trauzeugen in den Tempel ein.

Vor dem grossen Altar mit den drei Buddhastatuen verbeugt sich das Brautpaar und bringt Räucherstäbchen als Opfergabe dar. Mit wiederholten Niederwerfungen drückt es Achtung vor dem Buddha und seiner Lehre aus. Auf den Buddhastatuen, die auf dem Altar stehen, kann man ein Swastika erkennen, auch Sonnenrad genannt. In Asien sieht man dieses Zeichen, das wie ein Hakenkreuz aussieht, oft an Statuen oder Tempelfassaden. Es handelt sich dabei um ein altindisches heiliges Glücks- und Fruchtbarkeitssymbol.

Mitgefühl für alle Lebewesen

Eine buddhistische Nonne aus China, Venerable Shih Smiao-Shi, ist an diesem Nachmittag für die Leitung der Hochzeitszeremonie verantwortlich. In ihrer Ansprache erinnert sie das Brautpaar an die dreifaltigen Juwelen des Buddhismus, die sie auf ihrem gemeinsamen Lebensweg begleiten mögen: Buddha, Dharma (Lehre) und Sangha (buddhistische Gemeinschaft). Die Lehre des Buddhismus sei wesentlich für die Harmonie in der Familie. «Die Heirat ist die Vereinigung der Herzen. Dabei ist auch der Sinn für das Mitgefühl, wie es nach buddhistischem Verständnis allen Lebewesen entgegengebracht werden soll, besonders wichtig.» Im gemeinsamen Ehegelübde versprechen Anai und Jean-Pierre Marbach einander, dass sie bis zu ihrem Lebensende füreinander da sein, ihre Pflichten als Ehemann und Ehefrau hochhalten und einander wertschätzen wollen. Dann besiegeln Braut und Bräutigam ihr Versprechen mit einer dreifachen gegenseitigen Verbeugung.

«Ein besonderes Glücksgefühl»

Nach der Unterzeichnung der Heiratsurkunde tauscht das Brautpaar seine Eheringe, was von den Gästen mit Applaus quittiert wird. Danach überreicht die Meisterin dem Bräutigam und der Braut als Geschenk eine Perlenkette. Zum Abschluss drückt das Brautpaar mit Verbeugungen seinen Dank gegenüber der Meisterin, den Eltern, Trauzeugen und Gästen aus.

Natürlich darf nach dieser feierlichen Zeremonie auch der obligate Fototermin nicht fehlen. Da ist auch der kleine Sohn des Brautpaars mit dabei: Jean- Pierre junior, der vor drei Monaten geboren wurde. Sein Vater ist sehr zufrieden, dass er seine Hochzeit hier im buddhistischen Tempel feiern konnte: «Die spirituelle Vereinigung bringt für mich ein besonderes Glücksgefühl, und es freut mich, dass auch unsere Hochzeitsgäste diese Art der Zeremonie positiv aufgenommen haben.»