ROHSTOFFE: Nationalrat Felix Müri will ins Weltall

Die Schweiz soll vom Bergbau im Universum profitieren: Eine zündende Idee aus den USA und Luxemburg hat den Luzerner SVP- Nationalrat Felix Müri ins­piriert.

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Felix Müri will ins Weltall. Im Bild: Der SVP-Nationalrat Felix Müri an der Kantonsschule Reussbühl an einer Debatte im Jahr 2015. (Bild: Neue Luzerner Zeitung/ Nadia Schärli)

Felix Müri will ins Weltall. Im Bild: Der SVP-Nationalrat Felix Müri an der Kantonsschule Reussbühl an einer Debatte im Jahr 2015. (Bild: Neue Luzerner Zeitung/ Nadia Schärli)

Eva Novak

Gold, Platin, Palladium, Rhodium: Das sind nur einige der wertvollen Rohstoffe, die auf der Erde selten sind, im Weltraum aber zuhauf vorkommen, wie Wissenschaftler überzeugt sind. Zum Beispiel in den Asteroiden, von denen es im Sonnensystem viele Hunderttausende gibt.

Seit Jahren suchen Pionierfirmen nach Wegen, systematisch an die Schätze im Inneren dieser unregelmässig geformten Gesteinsbrocken zu gelangen. Die Flüge ins All sind zwar noch zu teuer, als dass sich der Abbau rechnen würde. Doch erste Versuche in den USA sind viel versprechend.

Neue Geschäftsfelder

Es waren denn auch die Amerikaner, die Ende letzten Jahres ein Gesetz verabschiedet haben, welche US-Bürgern beziehungsweise -Firmen die Eigentumsrechte auf im All gesammelten Rohstoffen garantiert. Juristen streiten zwar darüber, ob sich das mit dem internationalen Recht verträgt. Trotzdem hegt neuerdings auch Luxemburg ähnliche Pläne. Der Wirtschaftsminister des Kleinstaates machte sich nach der Abschaffung des Bankgeheimnisses und dem aufgezwungenen Verzicht auf Steuer­deals auf die Suche nach neuen Geschäftsfeldern – und glaubt, diese in der Eroberung der Ressourcen im Weltall gefunden zu haben.

In der Schweiz war dies bisher kein Thema. Dabei wäre unser Land geradezu prädestiniert dazu, sich zur internationalen Drehscheibe für kosmische Rohstoffe zu entwickeln, glaubt Felix Müri. Der Luzerner SVP-Nationalrat möchte das neue Geschäftsfeld mit einem parlamentarischen Vorstoss anstossen. Er sieht drei Standortvorteile: erstens den in Zug ansässigen Rohstoffhandel, zweitens die Innovationskraft der Eidgenössischen Technischen Hochschulen, dank der die Schweiz zu den weltweiten Spitzenreitern im Forschungsbereich gehöre, sowie drittens das Know-how der Firma Ruag, deren Space-Division in Emmen und Zürich Hüllen für Weltraumraketen und andere Produkte herstellt, welche in der Raumfahrt Verwendung finden.

Firmen etablieren sich in Luxemburg

Müri ist Kenner der Materie. Schliesslich stammt er aus der Gemeinde Emmen und ist im Nationalrat als Präsident der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) sowohl für die (Forschungs-)Realität als auch für die (künstlerische) Fiktion zuständig. Als solcher ist er überzeugt: «Rohstoffsuche im All ist keine Science-Fiction.» Nicht von ungefähr hätten auch Persönlichkeiten wie Google-Gründer Larry Page, Google-Verwaltungsratschef Eric Schmidt sowie Raumfahrtunternehmer Richard Branson in den All-Bergbau investiert.

In seiner Interpellation verweist Müri auf die Entwicklungen in den USA und Luxemburg, wo sich gleich nach der Legalisierung des Rohstoffabbaus im Weltall private Unternehmen und Investoren etablierten. Diese Firmen hätten das Potenzial, «einen innovativen Zukunftssektor zu schaffen, in welchem sich Industrie, Forschung und später auch der Handel ergänzen», schreibt der Luzerner in seinem Vorstoss.

Vom Bundesrat möchte er wissen, ob dieser die Entwicklung ausserhalb der Landesgrenzen beobachte und wie er sie beurteile. Und er fragt nach den hiesigen rechtlichen Rahmenbedingungen für die kommerzielle Förderung von Ressourcen im Weltraum und auf Himmelskörpern: «Braucht es ein Gesetz, und wie müsste dieses ausgestaltet sein?»

Der Weg ist noch weit

Seinen Vorstoss will der Luzerner kommende Woche einreichen. Unterschriften von Ratskolleginnen und -kollegen bekommt er nach eigenem Bekunden ohne Probleme. Schliesslich ist der Abbau von ausserirdischen Rohstoffen kein Thema, das politisch polarisiert. Auch Müris eigene Partei hat damit keine Probleme – anders als etwa mit dem 26-Milliarden-Franken-Kredit zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den nächsten vier Jahren, den der Nationalrat kommenden Mittwoch verabschieden soll. Von der SVP wird das als überrissen bekämpft. Gegen das Einsammeln von Rohstoffen auf Himmelskörpern hingegen hat sie zumindest vorderhand nichts einzuwenden. Und auch von den Linken und Grünen kam bisher keine Fundamentalkritik. Also steht dem Sammeln von Unterschriften im Nationalrat nichts im Weg.

Der Weg zum innergalaktischen Rohstoffabbau ist trotzdem noch weit. Ob er zum Ziel führt, steht in den Sternen. Erst recht, ob sich die Schweiz daran beteiligt.