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ROTES KREUZ: Als Helfer etwas zurückgeben

Morgen feiert das Schweizerische Rote Kreuz sein 150-jähriges Jubiläum. Im Kanton Uri wird unter anderem der Fahrdienst geschätzt. Zeit für einen Augenschein vor Ort.
Livio Brandenberg
Der freiwillige Helfer des Schweizerischen Roten Kreuzes, Max Büeler (rechts), holt Hermann Gisler-Kieliger zu Hause in Schattdorf für eine Fahrt ins Spital Altdorf ab. (Bild Boris Bürgisser)

Der freiwillige Helfer des Schweizerischen Roten Kreuzes, Max Büeler (rechts), holt Hermann Gisler-Kieliger zu Hause in Schattdorf für eine Fahrt ins Spital Altdorf ab. (Bild Boris Bürgisser)

Livio Brandenberg

Treffpunkt ist 12.30 Uhr vor dem Kantonsspital Uri in Altdorf. Dort holt Max Büeler (75) eine Patientin von der Dialysetherapie ab; um 7 Uhr morgens hatte er sie zu Hause abgeholt und ins Spital gebracht. Als freiwilliger Fahrer des Kantonalverbands Uri des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) fährt Büeler seit zehn Jahren mit seinem Privtauto Personen ins Spital und wieder nach Hause. Seit drei Jahren sind es unter anderem Dialysepatienten, bei denen die Niere versagt. Drei Mal pro Woche müssen sie ins Spital, um ihr Blut von einer Maschine reinigen zu lassen. Viele von ihnen nehmen im Kanton Uri den Fahrdienst des bekanntesten Schweizer Hilfswerks in Anspruch.

Kaum eingestiegen, beginnt Büeler mit der älteren Dame zu sprechen. Sie kennen sich schon länger, die Atmosphäre ist vertraut. «Und, bist du zufrieden mit uns?», fragt er sie schalkhaft. Die Frau antwortet ohne Zögern: «Er war noch nie zu spät, noch nie». Beide lachen. Es sei für sie eine grosse Entlastung, dass sie drei Mal die Woche abgeholt und wieder nach Hause gebracht werde. Dass der Fahrdienst so familiär ablaufe und immer die gleichen Fahrer kämen, sei ein schöner Zusatz. So wisse man, mit wem man es zu tun habe und könne während den Fahrten ein wenig plaudern. Auf dieser Fahrt bleibt dafür aber nicht allzu viel Zeit, sie dauert nur knappe zehn Minuten. Dann ist die Dame bei sich zu Hause angekommen.

25 Fahrten pro Tag

Insgesamt sind momentan 36 freiwillige Fahrerinnen und Fahrer für den SRK-Verband Uri unterwegs. Im vergangenen Jahr haben sie rund 8000 Fahrten absolviert. Das sind – Samstagseinsätze eingerechnet – 25 Fahrten pro Tag. Dabei sind die SRK-Helfer knapp 190 000 Kilometer gefahren. «Der Fahrdienst wird von den Leuten geschätzt», sagt Max Büeler auf dem Weg zur nächsten Person knapp.

Er selber schätzt an der «Arbeit», dass die Organisation schlank geblieben und man nicht an fixe Termine gebunden sei. Denn im Normalfall sind die Fahrten nicht schon Wochen im Voraus geplant, sondern werden spontan nach Bedürfnis organisiert. Ausser in Notfällen sollten sich die bedürftigen Leute aber mindestens 48 Stunden vor einer gewünschten Fahrt bei der Zentrale melden (siehe Hinweis). Diese klärt ab, wer verfügbar ist und plant die Einsätz. «Die Fahrer sprechen sich ab und helfen sich untereinander aus, zum Beispiel, wenn jemand in die Ferien gehen möchte», sagt Büeler. Er geht bei gutem Wetter gerne Fischen und geniesst die Freiheit, spontan entscheiden zu können.

Wie ein roter Faden

Nach einer weiteren kurzen Fahrt trifft Büeler bei seinem zweiten Fahrgast des Tages ein. Er holt Hermann Gisler-Kieliger auf seinem Hof in Schattdorf ab. Auch er muss regelmässig ins Spital Altdorf zur Blutreinigung. Der Landwirt und Büeler kennen sich erst seit einigen Monaten. Trotzdem begannen die beiden schon nach kurzer Zeit, sich während den Fahrten über Landwirtschaftspolitik zu unterhalten. Büeler sass während vielen Jahren für die FDP im Urner Kantonsparlament, dem Landrat.

Während der heutigen Fahrt kommen die beiden Urner rasch auf das Wetter und den Urner Föhn zu sprechen: «Und wir Urner bekommen nicht einsam Kopfweh davon», sagt Büeler, was ein Lachen seines Fahrgastes auslöst.

Wieder vor dem Haupteingang des Kantonsspitals geht es schnell – aussteigen, Türe auf, stützen, eine kurze Verabschiedung, und schon sind die beiden Herren im Innern des grossen Gebäudes verschwunden.

Die Helfer des SRK Uri erhalten für ihre Fahrten kostendeckende Entschädigung. Ums Geld gehe es aber niemandem, sagt Büeler. «Die meisten dieser Leute haben schon das ganze Leben Verbands- oder Vereinsarbeit gemacht oder waren politisch aktiv. Das zieht sich wie ein roter Faden durch deren Leben», sagt Büeler. Und auch ihm geht es nicht um Geld oder Ansehen: «Ich bin gerne um Leute und mir ging es so gut im Leben, da möchte ich mit diesem Dienst etwas zurückgeben», sagt der langjährige leitende Angestellte des Urner Kabelherstellers Dätwyler. Dafür brauche es etwas Zeit und man müsse Glück haben und körperlich sowie geistig noch fit sein. Büeler schätzt, dass etwa zwei Drittel der Fahrerinnen und Fahrer im Rentenalter sind. Darum sei es auch wichtig, dass diese Leute in ihrer Tätigkeit unterstützt würden, so Büeler. Alle zwei Jahre gibt es Fahrkurse für die Fahrer im Kanton Uri, die das SRK bezahlt.

Einkaufen auf dem Heimweg

Das Gespräch vor dem Kantonsspital Altdorf dauert eine knappe Viertelstunde, eine eingeplante Pause. Dann holt der SRK-Helfer die nächste und letzte Patientin an diesem Tag ab. Sie muss vom Spital auf ihren Hof am Hang von Silenen gefahren werden. Ein Mal im Monat geht Büeler mit der älteren Frau auf dem Heimweg noch in Erstfeld einkaufen. Auf dem Hof angekommen, trägt er die Einkaufssäcke zur Türe und verabschiedet sich mit einem Spruch. Die Dame lächelt und bedankt sich. Nächste Woche wird er sie wieder hier abholen.

Hinweis:

Personen, die den Fahrdienst des SRK Uri in Anspruch nehmen möchten, können sich melden unter der Nummer 078 949 93 18 oder per E-Mail: fahrdienst@srk-uri.ch.

150 Jahre Hilfe in der Schweiz

Gegründet wurde das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) am 17. Juli 1866 in Bern. Das SRK ist vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes anerkannt und damit Mitglied der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften. Ganz schweizerisch ist das SRK ein föderalistisch strukturierter Verein. Es besteht aus Kantonalverbänden, Rettungsorganisationen (darunter etwa die Rega), Stiftungen und Vereinen. Heute zählt das SRK rund 4700 Angestellte, dazu kommen noch einmal rund 73 000 Freiwillige, die im letzten Jahr rund 3 Millionen Arbeitsstunden geleistet haben. Die Kantonalverbände bieten neben dem Fahrdienst (siehe Haupttext) unter anderem kostenlose Besuchsdienste für Senioren sowie einen Entlastungsdienst für Angehörige von pflegebedürftigen Personen an.

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