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RÜCKBLICK: Für sie war es ein spezielles 2015

Das Jahr 2015 verlief wirtschaftlich in vielerlei Hinsicht turbulent. Einige Akteure verloren nicht nur viel Geld, sondern auch Prestige. Andere hingegen konnten sich weiter profilieren.
(Oben, von links:) Margarita Louis-Dreyfuss,Madgalena Martullo-Blocher, Vania Alleva, (unten) Ivan Glasenberg, Heinz Karrer, Martin Senn. (Bild: Keystone)

(Oben, von links:) Margarita Louis-Dreyfuss,Madgalena Martullo-Blocher, Vania Alleva, (unten) Ivan Glasenberg, Heinz Karrer, Martin Senn. (Bild: Keystone)

Ivan Glasenberg

Ivan Glasenberg, dem Chef und Hauptaktionär des Zuger Rohstoffhändlers Glencore, spielte die Börse 2015 übel mit. Die Aktien des Unternehmens haben seit Jahresbeginn rund 70 Prozent an Wert verloren. In Geldwerten ausgedrückt bedeutet dies ein Verlust von gegen 50 Milliarden Franken. Glasenberg ist mit einem Aktienanteil von 8,4 Prozent der grösste Verlierer. Trotzdem hält der gebürtige Südafrikaner und Wahlschweizer den Steuerknüppel im Unternehmen noch immer fest in den Händen.

Unterschwellig aber wächst der Widerstand. Etwa ein Drittel der Glencore-Aktien befindet sich im Besitz von Managern und Schlüsselmitarbeitern, viele sind Rohstoffhändler. Diese Leute sind mit dem Zerfall des Aktienkurses selbstredend gar nicht glücklich, und die meisten dürften sich wehmütig an die Tage zurückerinnern, in denen Glencore noch hauptsächlich ein Handelsunternehmen war. Durch die Fusion mit dem britisch-schweizerischen Bergbaukonzern Xstrata avancierte Glencore aber zu einer der grössten Minenbesitzerinnen der Welt.

Es bleibt schwierig

Ein grosser Teil des Vermögens der Glencore-Aktionäre liegt in Form von Kohle unter dem Boden. Mit den jüngsten Entwicklungen in der internationalen Klimapolitik zur Reduktion des globalen CO2-Ausstosses steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Glencore gar nicht mehr dazu kommen wird, diese Schätze zu heben. Ivan Glasenberg steht ein weiteres schwieriges Jahr bevor.

Magdalena Martullo-Blocher

Magdalena Martullo-Blocher, die Verwaltungsratsdelegierte und Chefin des Kunststoffhersteller Ems-Chemie, liess noch nie Zweifel darüber aufkommen, dass sie und ihre Familie in dem Unternehmen das alleinige Sagen haben – ungeachtet des Umstandes, dass sich rund 30 Prozent der Aktien im Publikum befinden.

Dementsprechend wenden die Blochers bei der Steuerung ihres Konzerns auch Regeln an, die bisweilen kaum oder gar nicht mit der gängigen «besten Praxis» von Unternehmensführung vereinbar sind. Zum Beispiel stipulieren die Statuten der Ems-Gruppe, dass ein Mitglied des Verwaltungsrates oder der Geschäftsleitung maximal 15 zusätzliche Mandate ausserhalb des Unternehmens annehmen darf. Die Zahl dürfte den meisten Experten für gute Unternehmensführung die Haare zu Berge stehen lassen. In den einschlägigen Corporate-Governance-Fibeln ist üblicherweise von vier oder maximal fünf externen Mandaten die Rede. Martullo-Blocher nutzt ihre Freiheiten jedenfalls gezielt. Seit ihrer Wahl in den Nationalrat ist sie nebst ihrer Rolle als dreifache Mutter auch im Napolitisch stark engagiert.

Gewichtiges Mandat

Manche Aktionäre werden sich aber nun fragen, ob Martullo-Blocher ihren Vollzeitjob als Chefin eines internationalen Milliardenunternehmens mit diesem gewichtigen politischen Mandat in Bern – unter anderem in der prestigeträchtigen Wirtschaftskommission – überhaupt noch wahrnehmen kann. Selber hat die 46-jährige Unternehmerin davor offensichtlich keine Angst.

Margarita Louis-Dreyfus

Deutlich gelassener als Ivan Glasenberg kann Margarita Louis-Dreyfus in die Zukunft blicken, obschon auch ihr Familienvermögen auf Gedeih und Verderb von der Entwicklung des Rohstoffsektors abhängig ist. Die am Zürichsee wohnhafte und mit dem ehemaligen Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand liierte Russin hatte vor sechs Jahren einen bedeutenden Aktienanteil an dem traditionsreichen, im Weizenhandel in Frankreich gross gewordenen Handelskonzern geerbt, nachdem ihr Ehemann, der legendäre Olympique-Marseille-Sponsor Robert Louis-Dreyfus, verstorben war.

Die inzwischen 53-jährige Neo-Unternehmerin begriff schnell, dass man bei der Führung eines Unternehmens viele, nicht immer angenehme, Kompromisse machen muss, wenn fremde Investoren via Börse in den Kreis der Eigentümer eintreten. Kein Jahr nach dem Tod von Robert Louis-Dreyfus versuchte der seinerzeitige operative Chef des Konzerns, Jacques Veyrat, das Unternehmen an die Börse zu bringen.

Macht ist gesichert

Margarita Louis-Dreyfus klemmte das Vorhaben ab und übernahm Schritt für Schritt selber die Macht im Unternehmen. Inzwischen besitzt der Familienstamm von Margarita und Robert Louis-Dreyfus 80 Prozent der Aktien, und dem Vernehmen nach sollen inzwischen auch Roberts Schwestern und Cousins Interesse bekunden, ihre verbleibenden 20 Prozent an Margarita abzugeben.

Martin Senn

Der Basler Martin Senn verlässt die Bühne sechs Jahre nach seiner überraschenden Berufung an die Spitze der Zurich Insurance als prominenter Absteiger. Der 58-Jährige musste Anfang Dezember den Hut nehmen, nachdem klar wurde, dass er seine eigenen finanziellen Ziele zum wiederholten Mal verfehlen würde. Man könnte lange darüber diskutieren, inwieweit das Ende dieser Managerkarriere auch einer seltenen Häufung von unglücklichen Umständen geschuldet ist. Klar ist aber, dass auch Senn eine schmerzhafte Börsenlektion lernen musste. Der gelernte Banker liess der Konkurrenz im Rennen um Umsatz lange Zeit den Vortritt – im Wissen zwar, dass sich ungestümes Wachstum in der Versicherungswirtschaft langfristig rächen kann, aber auch in der Angst, mit einer offensiveren Strategie Fehler zu machen. Senn versuchte, die nach Wachstum lechzenden Investoren mit hohen Dividendenzahlungen und entsprechenden Gewinnversprechen bei Laune zu halten. Doch der enttäuschende Verlauf des Aktienkurses zeigt, dass die Investoren diesen Dividendenversprechen schon zu einem Zeitpunkt misstrauten, als bei der Zurich alles noch rosig aussah.

Gleichung umgedreht

Als die Probleme sichtbar wurden, war es um Senn schnell geschehen. Aus Umsatz wird Gewinn, und erst dann kommt die Dividende. Senn hat diese Gleichung umgedreht und seinen Eigentümern zuerst die Ausschüttung versprochen. So verlor er deren Unterstützung schon mit der ersten Schwierigkeit.

Heinz Karrer

Höchst unangenehme Erfahrungen mit der Börse sammelte im vergangenen Jahr Heinz Karrer. Im Januar, kein Jahr, nachdem er als frisch gewählter Economiesuisse-Präsident auch die Leitung des Kuoni-Verwaltungsrates an sich nahm, schrieb der 57-Jährige beim traditionsreichen Reisekonzern bereits Geschichte. Mit dem angekündigten Rückzug aus der Reiseveranstaltung und der Bekanntgabe einer neuen Grossistenstrategie vollzogen Karrer und seine Leute einen Richtungswechsel, bei dem der über 100-jährige Reisekonzern nichts weniger als seine Seele verlor. Die Aktionäre, die den Verkauf des zwar kaum rentablen, aber identitätsstiftenden Reisegeschäfts im ersten Moment noch beklatscht hatten, standen plötzlich ratlos da. Das neue Unternehmen, dessen Geschäftsmodell aus der Administration von Visa-Anträgen und der elektronischen Vermittlung von Hotelkapazitäten besteht, war mit einem Schlag zum gesichtslosen Zahlengebilde verkommen. Die Aktien gingen auf Talfahrt, und es ist bezeichnend, dass diese erst zum Stillstand kam, als die Börse bereits über eine weitergehende Aufspaltung von Rest-Kuoni zu spekulieren begann.

Investoren nachgegeben

Karrer und seine Managementkollegen haben sich zu Ausführungsgehilfen von Investoren gemacht, deren Vision sich in der Berechnung der Liquidationsdividende erschöpft. Ein anderer Weg wäre möglich gewesen. Die Kuoni-Hugentobler-Stiftung hätte mit 25 Prozent der Stimmen genügend Einfluss gehabt, um auch einer weniger servilen Firmenstrategie zum Durchbruch zu verhelfen.

Vania Alleva

Vania Alleva, die neue alleinige Unia-Präsidentin, weiss ihre Mitglieder hinter sich. Nur 5 der 93 Delegierten stimmten bei der Wahl im Sommer gegen sie – ein Ja-Stimmen-Anteil von 93 Prozent, der «schon fast an sowjetische Verhältnisse» erinnert, wie die Unia-Gewerkschaftszeitung «Work» damals kommentierte.

Die schweizerisch-italienische Doppelbürgerin Alleva gibt der mit Abstand grössten Gewerkschaft der Schweiz ein neues Gesicht, in dem sich neben den Arbeitern im blauen Gewand zunehmend auch die Angestellten aus dem Dienstleistungssektor wiederfinden. Das ist entscheidend für den langfristigen Erfolg der Unia und ein wesentlicher Grund, weshalb die 46-Jährige in der Organisation nun ganz oben steht.

Über 70 Prozent aller Beschäftigten in der Schweiz arbeiten in Dienstleistungs­berufen – Tendenz weiter steigend. Tiefe Löhne und schwierige Arbeitsbedingungen sind in diesem Sektor inzwischen mindestens so oft ein Thema wie in der Industrie.

Mehr Kampfbereitschaft

Vania Alleva steht aber auch für mehr gewerkschaftliche Kampf­bereitschaft. Dies wird unter anderem durch die in ihrer Zeit als Co-Präsidentin steil angestiegene Streikbilanz deutlich. Und ein Punkt, der Alleva und die Gewerkschaften freuen wird: Die Löhne steigen. Von 2012 bis 2014 haben sie bei einem um 1,2 Prozent höheren Gesamtniveau in der tiefsten Klasse um nicht weniger als 9 Prozent zugenommen.


Daniel Zulauf

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