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Rücktrittsmeldung versetzt Bundeshaus in den Ausnahmezustand

Bundesrat Johann Schneider-Ammann werde am Freitag seinen Hut nehmen, meldete «TeleZüri» am Montagnachmittag. Der Sender löste damit grosse Hektik in der Wandelhalle aus.
Fabian Fellmann, Henry Habegger
Treten sie beide am Freitag zurück? Bundesrat Johann Schneider-Ammann, vorne, und Bundesrätin Doris Leuthard vor ihrer Medienkonferenz vom Sonntag zu den Abstimmungen. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer (Bern, 23. September 2018)

Treten sie beide am Freitag zurück? Bundesrat Johann Schneider-Ammann, vorne, und Bundesrätin Doris Leuthard vor ihrer Medienkonferenz vom Sonntag zu den Abstimmungen. (Bild: KEYSTONE/Peter Klaunzer (Bern, 23. September 2018)

Der Chefredaktor persönlich liess am Montag kurz vor 16 Uhr ein Bömblein platzen: FDP-Magistrat Johann Schneider-Ammann werde am Freitag seinen Rücktritt per Ende Jahr ankündigen, schreibt Markus Gilli von «TeleZüri» zu jenem Zeitpunkt in einem Mail an Schweizer Redaktionsstuben.

Minuten später springen im Bundeshaus in der Wandelhalle die Mitglieder des FDP-Generalsekretariats wie von der Tarantel gestochen auf und verschwinden in ein Sitzungszimmer. Sie müssen sich mit Schneider-Ammanns Leuten absprechen. «Jetzt ist es ungünstig», rufen sie jenen zu, die wissen wollen, was an der Meldung dran sei.

Das sind beileibe nicht nur Journalisten – auch FDP-Nationalräte kommen mit Augen voller Fragen herbeigeilt. Andere denken amüsiert mögliche Szenarien durch. FDP-Bundesrat Schneider-Ammann trete vor CVP-Kollegin Doris Leuthard zurück, damit seine Partei weniger Zwängen ausgesetzt sei, sagt der St. Galler FDP-Nationalrat Walter Müller. So wäre der Weg frei für Kronfavoritin Karin Keller-Sutter.

«Démissioner, c’est bon pour la santé»

Andere geben sich unberührt. Der Genfer FDP-Abgeordnete Christian Lüscher fragt: «Was läuft?», erwidert die Rücktritts-Nachricht mit einem schnaubenden Lacher und fügt an: «Démissioner, c’est bon pour la santé.» Ja, zurücktreten wäre wohl gut für Schneider-Ammanns Zustand, der viel zu reden gibt im Bundeshaus. Ein Nationalrat erzählt, er verfolge den gesundheitlichen Abbau des 66-jährigen Berners mit Sorge, dabei sei er selbst älter. Der Volkswirtschaftsminister sei schon früher bei Sitzungen eingenickt, sagt ein Journalist. Neu sei, dass er deswegen auch den Gesprächsfaden verliere.

Nach einer knappen Stunde marschieren FDP-Präsidentin Petra Gössi und ihre Parteifunktionäre in die Wandelhalle. Sofort werden sie umringt, als verteilten sie Gratismüsterli von «Crunchy Clouds». Wertvolle Information lässt sich niemand entlocken, alle üben sich in beredtem Schweigen, werfen einander bedeutungsschwangere Blicke zu. Irgendwas scheint in der Luft zu liegen – bis Gössi alle Fragen weglacht und die Atmosphäre zu heiter wechselt.

Um 16.58 Uhr schliesslich setzt Johann Schneider-Ammann eine Kurznachricht auf Twitter ab:

Gescheiter wird man daraus nicht – es ist genau jener eine Satz, welchen der FDP-Bundesrat von sich geben kann, falls er am Freitag zurücktreten, darüber aber die Informationshoheit behalten will. Plausibel ist das Rücktrittsgerücht durchaus. «TeleZüri»-Chefredaktor Gilli war derjenige, der am Morgen des 25. Oktober 2015 als erster berichtete, dass Eveline Widmer-Schlumpf an jenem Nachmittag ihren Abgang verkünden würde. Und an ihrer Pressekonferenz am Abstimmungssonntag schwiegen Johann Schneider-Ammann und Doris Leuthard vielsagend auf eine Frage nach ihrem Rücktritt.

Die FDP wäre jedenfalls vorbereitet, sollte Schneider-Ammann am Freitag den Hut nehmen. Bei Didier Burkhalters Rücktritt erfuhr die Partei zwei Stunden vor der Pressekonferenz davon. Bei ihrem Berner Vertreter hat sie darum den Wunsch angebracht, frühzeitig ins Bild gesetzt zu werden.

Und wann geht Doris Leuthard?

Nicht allzu früh über den präzisen Zeitpunkt informiert werden will hingegen CVP-Präsident Gerhard Pfister, wenn seine Bundesrätin Doris Leuthard zurücktritt. Sonst wäre er nicht mehr frei in seinen Äusserungen. Leuthard werde sich im Vorfeld nur ganz wenigen Personen anvertrauen. Im Bundeshaus heisst es, die 55-jährige Aargauerin gehe gemeinsam mit Schneider-Ammann. Werde die FDP durch eine Frau vertreten, so das Kalkül, erhielte die CVP mehr Auswahl.

Doch wer antreten wird, ist offen, Fraktionsmitglieder reagieren auf Fragen danach zunehmend gereizt. Parteipräsident Pfister hat ausgeschlossen, vor den Wahlen 2019 zu kandidieren, und Favorit Konrad Graber hat sich aus dem Rennen genommen. Nun wird Fraktionsvizechefin Viola Amherd als heisseste Anwärterin gehandelt, obwohl sie Bürgerlichen als zu links gilt – ein Makel, der Pfister nicht anhaften würde.

Aber vielleicht kommt ja doch alles anders. Schneider-Ammann sagte gestern, er wolle im kommenden Jahr einen Freihandelsvertrag mit den USA abschliessen. Und «TeleZüri» berichtet selbst, je nach Ausgang der bundesrätlichen Europa-Diskussion am Freitag werde Schneider-Ammann seinen Rücktritt doch erst später kommunizieren.

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