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Kommentar

Saabs Poker ging nicht auf

Analyse zum Forfait des Gripen in der Kampfjet-Ausmarchung
Henry Habegger
Henry Habegger

Henry Habegger

Dass es eng würde für den Gripen, war immer klar. 2017 gab der schwedische Saab-Konzern bekannt, dass er in der neuen Schweizer Kampfjet-Ausmarchung dabei sein wolle. «Die Schweiz ist und bleibt ein Schlüsselmarkt für Saab. Wir sind bereit, zu offerieren», sagte der Chef von Saab Schweiz, Rustan Nicander, damals. Dabei war der Gripen E, den das Schweizer Volk 2014 abgelehnt hatte, noch immer nicht fertig entwickelt. Aber Saab gab sich zuversichtlich, rechtzeitig bereit zu sein: «Das Gripen-E-Programm ist auf Kurs und die Produktion läuft.» Nicander sagte: «Wir sind zuversichtlich, den Gripen E innerhalb des neuen Schweizer Zeitplans zu liefern, sofern die Schweiz sich dafür entscheidet.»

Seit gestern ist klar: Die Zeit reichte nicht, der Gripen ist aus dem Rennen. Armasuisse, der Rüstungsarm des Verteidigungsdepartements (VBS) unter der neuen Bundesrätin Viola Amherd (CVP), hat den Schweden klargemacht, dass eine Bewerbung aussichtslos wäre. «Mehrere der vorgesehenen Missionen könnten nicht zielführend ausgeführt werden», teilten Armasuisse und Luftwaffe laut eigenen Angaben den Schweden mit. Diese gaben darauf Forfait und sagten ihre Teilnahme an den Flugtests von Ende Monat in Payerne ab.

Saab hatte gepokert und darauf gehofft, dass die Schweiz wie schon beim letzten Mal einige Augen zudrücken und sich mit Versprechungen zufriedengeben würde. 2011, noch unter Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP), entschied sich der Bundesrat für ein Flugzeug, das es noch gar nicht gab. Und das notabene auch heute noch nicht voll einsatzfähig ist. Armee und Bundesrat bauten damals auf das Versprechen der Schweden, dass der neue Gripen E schon rechtzeitig fliegen würde. Ein Hauptargument der Nordländer war der Preis: Sie boten konkurrenzlos günstig an. Das würden sie vermutlich auch diesmal tun. Aber diesmal heisst die Verteidigungsministerin Viola Amherd, und die Walliser Anwältin weiss, dass sie die Fehler ihrer Vorgänger nicht wiederholen darf.

Unter ihr sind die Spielregeln klarer formuliert als in der Vergangenheit. Wer vereinbarte Kriterien nicht erfüllt, fliegt aus dem Rennen. Amherd hat auch klare Regeln für VBS-Mitarbeiter erlassen: Diese dürfen beispielsweise nicht an Veranstaltungen teilnehmen, bei denen Kampfjetfirmen oder Herstellerstaaten als Organisatoren oder Sponsoren auftreten. Es ist klar: Amherd will Vorwürfen von Bevorzugungen oder Interessenkonflikten keinen Raum lassen. Sie weiss: Der kleinste Fehler kann zu einem Nein des Stimmvolks zu Kampfjet-Milliarden führen.

Amherd und ihre Rüstungsbeschaffer haben bisher alles richtig gemacht und sich nicht verwirren lassen. Und Saab hatte, soweit man dies beurteilen kann, ein faires und korrektes Verfahren. Trotzdem ist es schade, dass es Saab nicht schaffte, den als technologisch fortschrittlich gepriesenen Gripen E rechtzeitig fertigzubauen. Hält der Gripen das, was die ums Überleben kämpfenden Schweden versprechen, hätte er für die Schweiz interessant sein können. Wegen des Preises, wegen seiner Technologie, weil Schweden ein europäisches Land ist.

Vier Jets verbleiben im Rennen, darunter nur noch zwei Europäer, beide nicht auf dem höchsten technischen Level: der Eurofighter unter deutscher Führung und der französische Rafale. Auf der anderen Seite die beiden US-Jets. Vor allem der Rüstungsgigant Lockheed Martin, der den Tarnkappenbomber F-35 anbietet, richtet mit der grossen Kelle an. Er schickte nicht weniger als vier seiner hochmodernen Flugzeuge zum Test in die Schweiz.

Den Amerikanern geht es um die Kampfjet-Vorherrschaft in Europa. Das ist ganz im Sinne von US-Präsident Donald Trump, aber aus europäischer Sicht natürlich problematisch. Ein knallharter Verdrängungswettbewerb ist im Gang, auch Dassault und Eurofighter brauchen dringend Aufträge. Dieses Problem hat ein Riese wie Lockheed Martin nicht, der bereits über 400 F-35 ausgeliefert hat und die Jahresproduktion laufend steigert. Es wäre auch für die Schweiz keine sehr gute Aussicht, wenn sie faktisch dereinst nur noch zwischen amerikanischen, russischen oder chinesischen Jets wählen könnte.

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