SAURE BÖDEN: Bundesrat spielt Schweizer Bauern den Ball zurück

Im Waldboden steckt an manchen Orten zu viel Stickstoff. Mehrere Bauern im Nationalrat schlugen als Lösung vor, Asche im Wald zu verstreuen. Der Bund aber winkt ab – und nimmt die Landwirte in die Pflicht.

Maja Briner
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Ist der Boden zu sauer, sind Bäume anfälliger gegenüber Krankheiten. (Bild: Urs Bucher)

Ist der Boden zu sauer, sind Bäume anfälliger gegenüber Krankheiten. (Bild: Urs Bucher)

Maja Briner

Beim Spaziergang durch den Wald merkt der Laie nichts davon: Der Boden enthält teilweise zu viel Stickstoff, was Bäumen und Pflanzen schadet. «Bei rund einem Drittel der Waldfläche sind die Werte im Oberboden kritisch», sagt Daniel Landolt-Parolini vom Bundesamt für Umwelt. Die Ost- und die Zentralschweiz sowie die Kantone Bern und Freiburg seien von den Stickstoffeinträgen besonders betroffen, weil in diesen Regionen viel Vieh gehalten werde. Landolt-Parolini spricht von einem «schleichenden Prozess», der seit längerem beobachtet werde. «Weil sich Stickstoff über die Zeit akkumuliert, verschärft sich das Problem», sagt er.

Zu viel Stickstoff im Boden führt zu einer Versauerung und zu einer Nährstoffverarmung, was zu «einer unausgewogenen Ernährung» der Pflanzen führt: Sie können in der Folge etwa zu wenig Phosphor, Kalium oder Magnesium aufnehmen. Bäume werden dadurch anfälliger gegenüber Krankheiten, Schädlingen und Pilzen, auch können sie Blätter oder Nadeln verlieren. Ihr Wurzelwachstum ist eingeschränkt, sodass sie einem Sturm weniger gut standhalten können und weniger widerstandsfähig sind gegenüber Trockenheit.

Die Versauerung der Waldböden bereitete auch Nationalrat Erich von Siebenthal (SVP/BE) Sorgen. Der Bergbauer und Präsident des Verbands der Berner Waldbesitzer schlug 2013 vor, Asche aus Holzheizungen im Wald zu verstreuen, um die Versauerung des Bodens zu bremsen. Mehrere Bauern unterzeichneten von Siebenthals Vorstoss.

Bundesrat warnt vor Schwermetallen in Asche

Der Bundesrat erteilt dem Vorschlag nun allerdings eine Absage. Auch Asche aus unbehandeltem Holz sei oft mit Fremdstoffen oder Schwermetallen belastet, warnt die Regierung. Sie sieht vielmehr die Bauern in der Pflicht. Denn Stickstoff stammt zu zwei Dritteln aus der Landwirtschaft. Kommt hinzu: Während beim Strassenverkehr die Stickstoff-Emissionen rückläufig sind, stagnieren sie in der Landwirtschaft seit dem Jahr 2000.

Der Schweizerische Bauernverband weiss um das Problem. «Wir sind seit mehreren Jahren daran, Gegenmassnahmen umzusetzen», sagt Alexandra Cropt, Verantwortliche des Geschäftsbereichs Energie und Umwelt. Eine perfekte Massnahme, die keine Nachteile habe, gebe es jedoch nicht, sagt Cropt. Stickstoffemissionen lassen sich beispielsweise reduzieren, wenn zum Düngen der Felder sogenannte Schleppschläuche eingesetzt werden. «Allerdings braucht es dazu grosse, schwere Maschinen. Diese können nicht überall eingesetzt werden», sagt Cropt. Zudem bestehe die Gefahr von Bodenverdichtung. Eine andere Massnahme wäre nicht im Sinne der Tierschützer: Tiere im Stall verursachen weniger Emissionen als auf der Weide, wie Cropt sagt. Dass die Landwirte noch mehr machen können, streitet sie jedoch nicht ab: «Man könnte immer noch mehr machen. Das ist auch eine Frage der zur Verfügung stehenden Mittel.»

Der Bundesrat sieht neben den Bauern auch die Kantone in der Pflicht. Der Vollzug des Umweltrechts sollte noch verbessert werden, heisst es im Bericht des Bundes. «Manche Kantone könnten von den Bauern mehr verlangen», sagt Samuel Vogel, zuständiger Fachbereichsleiter beim Bundesamt für Landwirtschaft.

Ein Ausweg für besonders belastete Böden

Um stark belastete Böden zu sanieren, setzt die Regierung nun auf Kalk. Sie erteilte dem Bundesamt für Umwelt den Auftrag, Pilotversuche mit sogenannten Kalkungen durchzuführen. Wo und wie viele Versuche durchgeführt werden, sei noch unklar, sagt Landolt-Parolini. Die Resultate sollen in rund vier Jahren vorliegen. Dann wird sich zeigen, ob das Problem der sauren Böden mit Kalk gelöst werden kann.