SBB: Das farbige Billettpapier verschwindet

Die blauen Billette mit dem roten Bergpanorama sind bald Geschichte. Neu druckt die ÖV-Branche ihre Tickets auf Papier mit orangen und blauen Dreiecken. Damit können künftig internationale Tickets auch am Automaten gelöst werden.

Drucken
Teilen
Die blauen Billette mit dem roten Bergpanorama (rechts im Bild) sind bald Geschichte. Neu druckt dieÖV-Branche ihre Tickets auf Papier mit orangen und blauen Dreiecken (links im Bild). (Bild: NZZ)

Die blauen Billette mit dem roten Bergpanorama (rechts im Bild) sind bald Geschichte. Neu druckt dieÖV-Branche ihre Tickets auf Papier mit orangen und blauen Dreiecken (links im Bild). (Bild: NZZ)

Christof Forster

Wenn die Summe aller Besonderheiten das Wesen der Schweiz ausmacht, dann wird das Land auf den Fahrplanwechsel an Konturen verlieren. Im Dezember 2013 verschwindet nämlich das heutige Billettpapier mit dem roten Alpenpanorama auf blauem Hintergrund und den silbernen Zügen, Schiffen und Postautos am Rand. Das Ticket der Zukunft sieht nüchterner aus, Bergkette und ÖV-Symbole müssen orangen und blauen Dreiecken Platz machen. Die Bahn passt sich laut SBB-Sprecher Christian Ginsig den Ticketnormen an, die das Internationale Eisenbahntransportkomitee (CIT) festlegt.

Die neuen Billette sind gemäss SBB ebenso fälschungssicher wie die alten. Als Sicherheitsmerkmale dienen die Dreiecke und ein Code auf jedem Billett. Die Echtheit kann mittels UV-Licht überprüft werden.

RhB hat weitgehend umgestellt

Das neue Ticket wird anders als die herkömmlichen Billette im Thermodirekt-Druckverfahren erstellt. Dies bedingt den Austausch der Druckeinheit in den Billettautomaten. Den SBB kommt dabei entgegen, dass rund 1000 Touchscreen-Billettautomaten der ersten Generation in die Jahre gekommen sind und im laufenden Jahr sukzessive ersetzt werden. Die neuen Automaten werden auch RFID-tauglich sein. RFID steht für «radiofrequency identification» und heisst auf Deutsch so viel wie Identifizierung mittels elektromagnetischer Wellen. Diese Ausstattung wird dereinst Anwendungen mit der neuen ÖV-Karte erlauben, die ab 2014 in einem ersten Schritt die herkömmlichen GA- und Halbtaxabonnemente ablösen wird. Beispielsweise könnten im Internet bestellte Tickets dank RFID-Chip am Automaten ausgedruckt werden.

Die Rhätische Bahn hat bereits im Frühjahr weitgehend auf das neue Papier umgerüstet, wie Radio SRF berichtete. Wer mit der Bahn von der Schweiz ins Ausland fährt, erhält ebenfalls ein Ticket auf neuem Papier.

Einheitliches Format

Die auf die internationale Norm umgestellten Schweizer Bahntickets sollten dereinst auch dem Kunden einen Nutzen bringen. Geplant ist, dass die Reisenden künftig Billette ins Ausland auch am Automaten lösen können. Deshalb wird nicht nur das Papier, sondern werden auch die Formate auf internationale Standards umgestellt. Heute werden nationale Billette in der Grösse von einer oder zwei Kreditkarten ausgestellt. Ein Beispiel für das grössere Format sind City-Tickets der SBB. Künftig werden laut Ginsig die nationalen Billette nur noch einheitlich im Kreditkartenformat ausgegeben. Internationale Fahrkarten entsprechen der Grösse von vier Kreditkarten, die an der längeren Seite nebeneinandergelegt werden. Je nach Fahrziel wird das Billett am Automaten oder am Schalter kürzer oder länger geschnitten. Die Papierrolle ist dieselbe. Weil das Papier dünner ist, passt mehr davon auf die Rolle als bei den heutigen Tickets. Das Rohprodukt stammt aus umweltgerechter Quelle (FSC). Dies gilt nicht für alle Hersteller, die das Papier weiterverarbeiten.

Schnellere Bedienung

Gute Nachrichten gibt es für jene Reisenden, die ihr internationales Ticket nicht im Internet, sondern am Billettschalter lösen. Die Computer werden mit neuer Software ausgerüstet, was die Bedienung beschleunigen sollte. Wer den Komfort von Internetbuchungen kennt, muss jeweils staunen, wie das Buchungssystem das SBB-Schalterpersonal zu umständlichen und zeitintensiven Eingaben zwingt. Der Zeitpunkt der Umsetzung ist noch offen.

Internationale Reisen bequem im Internet buchen

Wer mit dem Internet vertraut ist, kann internationale Tickets meist bequem zu Hause am Computer direkt bei den jeweiligen Bahnen bestellen. Man erspart sich damit Wartezeiten und Gebühren am Schalter. Ein Zuschlag von zehn Franken pro Person und Gesamtreise fällt grundsätzlich für internationale Reisen und Platzreservierungen an. Davon ausgenommen sind Kinder bis 16 Jahre und Reisende im Rollstuhl. Für Reisen im Grenzgürtel sowie internationale Angebote von Railaway verrechnen die SBB ebenfalls keine Gebühr. Die SBB stören sich nicht an den Buchungen im Internet, wie Sprecher Christian Ginsig sagt. Wichtig sei, dass der Kunde mit der Bahn fahre. Mit dem elektronischen Kauf entgeht den SBB die Verkaufsprovision. Für den Transport vom Abfahrtsort bis zur Grenze werden sie aber anteilmässig entschädigt.

Für Reisende nach Deutschland bietet sich mit den Verkaufsstellen der Deutschen Bahn in Zürich, Basel und Schaffhausen sowie einem Telefonservice eine attraktive Alternative zum Internet. Das Personal bemüht sich, für die Kunden die jeweils günstigste Reisevariante zu finden.