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SBB: Doppelstockzüge verspäten sich erneut

Die Zulassung der neuen Doppelstockzüge von Bombardier durch den Bund kommt nicht voran. Bahn-Chef Andreas Meyer rechnet damit, dass das Rollmaterial erst zum Fahrplanwechsel 2018 geliefert wird.
Tobias Gafafer
Bei den neuen IC-Zügen drohen weitere Verzögerungen. (Bild: Alessandro della Valle/KEY (Bern, 11. Mai 2017))

Bei den neuen IC-Zügen drohen weitere Verzögerungen. (Bild: Alessandro della Valle/KEY (Bern, 11. Mai 2017))

Tobias Gafafer

Ein Doppelstockzug von Bombardier fuhr unlängst von St. Gallen nach Genf. Auf dieser Strecke soll das neue Fernverkehrsrollmaterial der SBB unter anderem zum Einsatz kommen. Es handelte sich um eine Testfahrt ohne Passagiere. Der Hersteller hat für kommerzielle Einsätze bis heute keine Zulassung des Bundesamts für Verkehr (BAV) erhalten. Zwar hat Bombardier mittlerweile alle Unterlagen – 31 Arbeitspakete mit über tausend Dokumenten – eingereicht. Doch nun kommt es zu einer weiteren Verzögerung. In diesem Monat war eine technisch-betriebliche Sicherheitsprüfung durch die Aufsichtsbehörde geplant. Diese sollte klären, ob die neuen Züge nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis zuverlässig funktionieren. Bombardier sagte den Termin ab, wie BAV-Sprecher Gregor Saladin auf Anfrage sagt. Die Firma habe angekündigt, die Bereitstellung des fertigen Zuges auf Mitte Oktober anzustreben.

Die jüngste Episode in einer Serie von Pannen zeigt, dass der geplante Einsatz ab dem Fahrplanwechsel vom Dezember unrealistisch ist, zumal die SBB Experimente mit Kunden vermeiden wollen. Wann die neuen Züge zugelassen würden, sei offen, sagt BAV-Sprecher Saladin. Auch die SBB rechnen dem Vernehmen nach nicht mehr mit einer Inbetriebnahme im laufenden Jahr. Bei Testfahrten sollen unter anderem Motoren ausgefallen sein. Die Probleme haben die Politik auf den Plan gerufen. SBB-Chef Andreas Meyer musste Ende August vor der Verkehrskommission (KVF) des Nationalrats antraben. In einem dünnen Communiqué teilte diese bloss mit, sie habe mit Meyer eine Aussprache geführt. Die KVF wollte offenkundig nicht zusätzlich Öl ins Feuer giessen, da die Stimmung zwischen den SBB und Bombardier angespannt ist. Laut Präsidentin Natalie Rickli (SVP/ZH) sagte Andreas Meyer vor der Kommission, Bombardier bemühe sich zwar, die Kompositionen bereits auf den Fahrplanwechsel 2017 zu liefern. Die SBB seien diesbezüglich aber sehr vorsichtig und darauf vorbereitet, dass die Züge erst zum Fahrplanwechsel 2018 geliefert werden, seien doch noch umfangreiche Tests zu bestehen. Meyer versicherte zudem, die verspätete Lieferung sei mit hohen Zahlungen durch Konventionalstrafen verbunden. So muss Bombardier den SBB zusätzlich zu den 59 bestellten Triebzügen drei Exemplare gratis liefern.

SBB wollen alte Wagen später ausrangieren

Eine schlechte Nachricht ist die neue Verspätung für die Passagiere, die noch länger mit veraltetem Rollmaterial rechnen müssen. Die SBB schreiben, sie könnten die Lücke beim Rollmaterial bis Ende 2018 überbrücken, indem sie Altfahrzeuge später ausrangieren als geplant. Zum grössten Teil handle es sich um modernisiertes Rollmaterial, ältere, unklimatisierte Wagen sollen nur vereinzelt zum Einsatz kommen.

Während sich die SBB auf weitere Verzögerungen vorbereiten, verbreitet der Hersteller Zweckoptimismus. «Wir haben alle Typentests für die Zulassung abgeschlossen und dem BAV am 25. August die letzten Dokumente übergeben», sagt Stéphane Wettstein, Geschäftsführer von Bombardier Schweiz. Man erwarte die Zulassung im September. Bombardier rechnete ursprünglich im Sommer damit. «Dieser dauert noch bis zum 23. September», sagt Wettstein. Man bemühe sich, die erste Tranche der Züge wie vereinbart 2017 an die SBB zu liefern. Die Projektführung will Wettstein nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. Die Sicherheitsprüfungen hätten aber auch mit der Verfügbarkeit des Bahnnetzes und des Personals zu tun. Wegen des dichten Verkehrs sind die Restriktionen gross.

Die SBB haben die Triebzüge 2010 für rund zwei Milliarden Franken bestellt. Die grösste Beschaffung ihrer Geschichte stand früh unter einem schlechten Stern. Die für Ende 2013 geplante Inbetriebnahme verzögerte sich immer wieder. Erst wehrten sich Behindertenverbände mit Einsprachen, danach sorgten technische Probleme für Ärger. Ein Scheitern des Grossauftrags können sich aber weder Bombardier noch die SBB leisten. Für beide steht zu viel auf dem Spiel.

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