SBB: ÖV-Tageskarten werden 2016 billiger

Zugreisende können sich freuen: Weil die SBB zu wenig Sparbillette verkaufen, müssen sie nächstes Jahr den Preis der 9-Uhr-Tageskarte senken.

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Ein Interregio der SBB fährt auf der Strecke zwischen Zürich und Luzern am Luzerner Rotsee vorbei. (Bild: Keystone)

Ein Interregio der SBB fährt auf der Strecke zwischen Zürich und Luzern am Luzerner Rotsee vorbei. (Bild: Keystone)

Das Abend-GA der SBB ist ein Flop. Umso mehr streicht das Bahnunternehmen heraus, dass es bei den Sparbilletten besser läuft. 2000 Spar- tickets pro Tag verkaufen die SBB mittlerweile, online und per App. Das sind dreimal mehr als im letzten Herbst. Damals brachten sie nur 600 vergünstigte Billette an die Frau und den Mann. «Damit leistet der öffentliche Verkehr einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Spitzenzeiten», freute sich letzte Woche auch der Verband öffentlicher Verkehr (VöV).

Das verschleiert jedoch die Tatsache, dass die SBB weit hinter den Zielen zurückliegen, die der VöV mit dem Preisüberwacher abgemacht hat: Demnach müssen die SBB auf den 50 meist befahrenen Strecken im Direktverkehr täglich mindestens 5000 Billette mit einem Rabatt von 30 bis 50 Prozent anbieten. Zu den Topstrecken zählen beispielsweise Zürich–Bern, aber auch Bern–Luzern, Luzern–Lugano und Zug–Bern. Auf diese Weise sollen die SBB pro Jahr 29,2 Millionen Franken an ihre Kunden weitergeben – als Entschädigung dafür, dass diese im Fernverkehr systembedingt zu hohe Billettpreise mitfinanzieren müssen.

Gemäss den SBB ist noch nicht klar, ob das Ziel erreicht werden kann. «Aussagen dazu sind noch nicht möglich», so Sprecher Christian Ginsig. Eine simple Rechnung lässt aber Zweifel aufkommen. Bleibt es bei den 2000 verkauften Sparbilletten pro Tag, werden die SBB nur etwa die Hälfte der knapp 30 Millionen Franken an ihre Kunden weitergeben (siehe Box). Dieses Ergebnis entspricht auch einer Kalkulation in der einvernehmlichen Regelung zwischen Preisüberwacher und VöV. Diese geht davon aus, dass die SBB täglich 4000 Sparbillette verkaufen müssen, um das vereinbarte Ziel zu erreichen.

Der SBB Leid ist des Kunden Freud: Gelingt es den SBB nicht, die 29,2-Millionen-Marke bis zum Fahrplanwechsel im Dezember zu knacken, müssen sie im kommenden Jahr die 9-Uhr-Tageskarte zum Halbtax für 29 Franken statt wie heute für 58 Franken anbieten – so lange, bis die 29,2 Millionen erreicht sind.

Meierhans fordert Nachbesserung

Preisüberwacher Stefan Meierhans ist nicht überrascht von der «sehr schwachen Anlaufphase» der Sparbillette: «Ich habe bereits bei der Lancierung der Rabattbillette über den bestehenden Absatzkanal der Sparbillette meine Skepsis angemeldet», sagt er. So dürfe der Fokus auf eine Auslastung der Nebenverkehrszeiten hier keine Priorität haben. «Ich hoffe, dass die Angebotspolitik jetzt rasch geändert wird.»

Sermîn Faki

Rabatte im Umfang von 15 Millionen Franken

Die SBB können nicht sagen, wie gross der Rabatt sein wird, den sie an ihre Kunden weitergeben. Gestützt auf ein paar Annahmen, erreicht man allerdings eine plausible Grössenordnung: Der Durchschnittsfahrpreis für die Top-50-Strecken liegt bei 78.28 Franken für ein Retourbillett in der 2. Klasse (mit Halbtax 39.14 Franken). Gemäss den SBB liegt die Durchschnittsermässigung bei einem Sparbillett über 35 Prozent.

Nimmt man diese Werte, ergibt die Ermässigung auf den durchschnittlichen Billettpreis 27.39 beziehungsweise 13.69 Franken.

Bei 1000 verkauften Billetten ohne Halbtax und 1000 mit Halbtax am Tag entspricht die Gesamtermässigung pro Jahr 15 Millionen Franken – die Hälfte des geforderten Betrags.

Die 50/50-Gewichtung von Halbtax-Kunden und Nicht-Halbtax-Kunden ist vorsichtig und zu Gunsten der SBB. Geht man von einem höheren Anteil Halbtax-Kunden aus, ist die Differenz noch grösser.