Hooligans
SBB-Präsident will Fussball-Hooligans nicht mehr transportieren

Die SBB wollen keine randalierenden Fussballfans mehr transportieren müssen. Eine Abschaffung der Transportpflicht würde helfen, das Problem mit den Hooligans zu entschärfen, glaubt SBB-Präsident Ulrich Gygi.

Philipp Mäder, Christian Dorer und Benno Tuchschmid
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SBB-Präsident Ulrich Gygi hat genug von demolierten Extrazügen

SBB-Präsident Ulrich Gygi hat genug von demolierten Extrazügen

Keystone

Heute verpflichtet das Gesetz die SBB, alle Menschen mit gültigem Billett zu transportieren – auch Hooligans, welche die Züge verwüsten. Doch nun wollen die SBB diese Transportpflicht nicht länger erfüllen: «Wir arbeiten mit dem Verkehrsdepartement Uvek an einer entsprechenden Gesetzesänderung», sagt SBB-Verwaltungsratspräsident Ulrich Gygi im az-Interview. Die Idee dahinter: Wenn die SBB die Fans nicht mehr mitnehmen müssen, können sie Druck auf die Fussballvereine aufbauen. Kooperieren diese nicht, so kommen die Fans nicht ans Auswärtsspiel.

Eine Abschaffung der Transportpflicht würde helfen, das Problem mit den Hooligans zu entschärfen, ist Gygi überzeugt. Das Verkehrsdepartement unterstütze die SBB in diesem Bestreben. Tatsächlich sind die Pläne für eine neue Regelung weit fortgeschritten, wie Olivia Ebinger, Sprecherin des Bundesamtes für Verkehr, der az bestätigt: «Wir bereiten in drei Bereichen Gesetzesänderungen vor.»

Erstens soll die erwähnte Transportpflicht der SBB fallen. Zweitens sollen auswärtige Fans nur dann in den Gästesektor eines Stadions kommen, wenn sie ein Kombiticket lösen, das lediglich in den Extrazügen gültig ist. Und drittens sollen die Fussballvereine gezwungen werden, ganze Züge zu chartern – und per Kaution oder Haftpflichtversicherung für Schäden geradezustehen.

Diese Vorhaben sind komplex, es müssen rund sechs Gesetze und Verordnungen geändert werden. Ein erster Entwurf soll im Frühling 2012 vorliegen. Danach wird das Parlament am Zuge sein. Und dort gibt es erste positive Reaktionen. «Man muss diese Hooligans schärfer anpacken», sagt SVP-Ständerat Christoffel Brändli, Präsident der ständerätlichen Verkehrskommission.

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