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SBB: «Tarife wenn möglich senken»

Monika Ribar, neue SBB-Verwaltungsratspräsidentin, über ihre Ziele, die Billettpreise, die Zukunft des GA und die Konkurrenz der Südostbahn am Gotthard.
Interview Tobias Gafafer
Monika Ribar (56) wurde Mitte Juni zur neuen SBB-Verwaltungsratspräsidentin gewählt. Erstmals hat sie ihre Positionen nun in einem Interview preisgegeben. (Bild: Freshfocus/Christian Pfander)

Monika Ribar (56) wurde Mitte Juni zur neuen SBB-Verwaltungsratspräsidentin gewählt. Erstmals hat sie ihre Positionen nun in einem Interview preisgegeben. (Bild: Freshfocus/Christian Pfander)

Monika Ribar, sind Sie eine Pendlerin?

Monika Ribar: Ja, ich pendle häufig zwischen meinem Wohnsitz bei Rüschlikon am Zürichsee und Bern. In der Schweiz benutze ich fast nur noch den Zug.

Gibt es etwas, was Sie beim Bahnfahren stört?

Ribar:Eigentlich kann ich mich über nichts beklagen. Natürlich leide ich manchmal auch unter kleinen Verspätungen, aber bisher habe ich meine Anschlusszüge noch nie verpasst.

Wo können die SBB besser werden?

Ribar:Ein grosses Thema ist die unterschiedliche Auslastung der Züge zu den Haupt- und Nebenverkehrszeiten – und wie wir diese Spitzen brechen können. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe. Wir setzen zwar in den Hauptverkehrszeiten so lange Züge wie möglich ein, stossen wegen der Infrastruktur aber an Grenzen. Deshalb versuchen wir, das Arbeitsbewusstsein zu verändern, damit nicht alle zur selben Zeit fahren. Aber unser Einfluss ist begrenzt.

Am Morgen und am Abend sind die Züge zwischen Zürich und Bern gut mit SBB-Angestellten besetzt. Werden sie ihrer Vorbildfunktion gerecht?

Ribar:Unser neues Arbeitskonzept fördert das flexible Arbeiten. Am Hauptsitz in Bern haben die meisten Mitarbeiter keinen fixen Arbeitsplatz mehr. Wir schauen, dass sie möglichst ausserhalb der Stosszeiten pendeln können. Und wir fördern wenn möglich auch, dass sie zu Hause oder näher bei ihrem Wohnort arbeiten können.

Die SBB müssen ihre Erträge steigern, um Investitionen zu finanzieren. Wo wollen Sie strategisch ansetzen?

Ribar:Unser Ziel ist es, mittelfristig die Tarife zu stabilisieren oder wenn möglich zum Teil sogar zu senken. Schon heute bieten wir neben preiswerten Abos auch günstige Sparbillette an, gerade für schwächer frequentierte Züge. Wenn die Bahn und die SBB gegenüber der Strasse konkurrenzfähig bleiben wollen, müssen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Wir müssen die Infrastruktur effizienter nutzen und die Kosten des Gesamtsystems reduzieren. Ich will eine SBB-Infrastruktur, die für alle Kunden, aber auch für die Kantone und das Land finanzierbar bleibt.

Eine Tarifsenkung wäre neu. Ab Dezember sollen die Billettpreise nochmals um 3 Prozent steigen, doch der Preisüberwacher und die Branche können sich nicht einigen.

Ribar:Einfach waren die Diskussionen mit dem Preisüberwacher noch nie. Ich bin aber nach wie vor zuversichtlich, dass wir uns auch dieses Mal einigen werden. Die ÖV-Branche verzichtete 2015 auf eine Tarifrunde. Dieses Jahr kommen wir wegen der Erhöhung der Trasseenpreise um 100 Millionen Franken, die der Bund im Rahmen der Fabi-Vorlage umsetzt, nicht darum herum.

Wo würden Sie die Tarife künftig senken?

Ribar:Wir müssen längerfristig neu denken. Jeder ÖV-Kunde sollte grundsätzlich von einem GA-Komfort profitieren. Er sollte nicht mehr über ein Billett nachdenken müssen, sondern nach dem Ende seiner Fahrt automatisch das günstigste Ticket bezahlen. Natürlich wird es auch mit einer digitalen Mobilitätslösung weiter eine Art Abonnement geben. Denkbar wäre etwa ein Rabatt, je mehr Kunden fahren. Das wird aber nicht von heute auf morgen passieren. Wir sind in einer Übergangsphase: Die digitale Welt wird täglich wichtiger, gleichzeitig gibt es eine bestehende Welt mit Menschen, die das Digitale weniger nutzen. Über eine gewisse Zeit wird es ein Miteinander brauchen.

Eine digitale Mobilitätsplattform wäre das Ende des GA in der heutigen Form.

Ribar:Ja und nein. Vielleicht hat das GA künftig bloss eine andere Form. Das GA und das System des direkten Verkehrs sind geniale Erfindungen. Ich kenne kein anderes Land, wo Sie mit einem Ticket sämtliche Verkehrsmittel benutzen können. An diesem Prinzip müssen wir festhalten.

Einige Tarifverbunde und die BLS haben eine App mit E-Ticket eingeführt. Jetzt planen die SBB mit der BLS und Postauto einen Pilotversuch. Warum springen Sie auf den fahrenden Zug auf?

Ribar:Wir springen nicht auf einen fahrenden Zug auf. Die App ist nur ein Element für die flächendeckende Einführung einer digitalen Mobilitätsplattform. Die nötigen Voraussetzungen hat die ÖV-Branche mit der Einführung des Swiss Pass geschaffen. Einzelne Unternehmen testen zurzeit Apps. Dieser Ideenwettbewerb ist gut. Am Schluss brauchen wir aber eine tragfähige Lösung für den gesamten ÖV in der Schweiz. Deshalb sind gemeinsame Tests sinnvoll.

Mit dem Swiss Pass wollten die SBB an Kundendaten kommen. Auf Geheiss des Datenschützers müssen sie diese aber wieder löschen. Wie soll es weitergehen?

Ribar:Wir halten uns natürlich an die Vorgaben des Datenschützers. Es braucht aber eine politische Diskussion, damit wir die Daten sinnvoll nutzen können. Natürlich müssen in jedem Fall die Kunden einverstanden sein. Diese könnten aber auch profitieren, indem wir sie dank ihren Daten individuell auf dem Laufenden halten können, etwa über Störungen. Wenn ich fliege, informiert mich die Fluggesellschaft schon heute über Verspätungen. Das können wir leider noch nicht.

Sie würden die Kunden künftig ­ gerne per SMS über Verspätungen informieren?

Ribar: Es nützt mir doch mehr, wenn ich bei einer Verspätung ein SMS mit alternativen Vorschlägen erhalte, als wenn ich erst am Bahnhof informiert werde. Aber solange wir die Kunden nicht direkt kontaktieren können, ist das unmöglich. Das Thema betrifft nicht nur uns, sondern die ganze Mobilitätskette. Das Konzept Mobility-Pricing, an dem die Politik arbeitet, funktioniert nur, wenn Daten genutzt werden können.

2017 steht die Erneuerung der Konzession des Fernverkehrs an. Die Südostbahn (SOB) will künftig statt der SBB die Gotthard-Bergstrecke und den Rheintal-Express betreiben. Wie reagieren Sie darauf?

Ribar: Im Personenverkehr auf der Schiene gibt es in der Schweiz keinen Wettbewerb. Den Regionalverkehr betreiben unterschiedliche Unternehmen. So können sich die Kunden mit ihrer Bahn identifizieren. Das macht Sinn. Im Fernverkehr können sie aber nicht entscheiden, ob sie mit der BLS, der SOB oder den SBB von Zürich nach St. Gallen fahren. Eine Aufteilung der Fernverkehrs-Konzession wäre fatal. Das würde das System gefährden und für den Kunden nur Nachteile bringen. Die Schweiz ist dafür zu klein, unser Netz zu dicht. In anderen Ländern hat ein S-Bahn-Netz die Grösse unseres Fernverkehrsnetzes.

Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamts für Verkehr, spricht von einem Wettbewerb der Ideen für Strecken wie den Gotthard.

Ribar:Das ist absolut legitim und für die Kunden interessant. Diesem Wettbewerb stellen wir uns gerne. Wir haben für die Gotthard-Bergstrecke ein sehr gutes Konzept, das den Bedürfnissen der regelmässigen Nutzer und des Freizeitverkehrs entspricht – und dem erwarteten Passagieraufkommen angemessen ist. Unser Konzept umfasst mehr als die Bedienung der Strecke, es will die wunderschöne Gegend besser für den Tourismus vermarkten.

Ihr Konzept sieht im Gegensatz zur SOB vor, dass Reisende ab Dezember in Erstfeld umsteigen sollen. Das kommt schlecht an.

Ribar: Wir sprechen von einem Umsteigehalt. Wenn ich von Rüschlikon nach Bern Wankdorf fahre, steige ich zwei Mal um. Wichtig ist, dass das Umsteigen so einfach wie möglich ist. Ein differenziertes Gesamtkonzept für diese Strecke ist das richtige Rezept.

Das heutige System des Taktfahrplans sieht im Fernverkehr auch zu Nebenverkehrszeiten durchgehende Verbindungen vor. Hätten Sie in Zukunft gerne mehr Flexibilität?

Ribar:Wir müssen in den nächsten Jahren sicher prüfen, wie es mit dem Taktfahrplan weitergehen soll. Wir erhalten für den Fernverkehr neues Rollmaterial, mit dem wir bei der Kapazität flexibler werden. Das Bahnsystem muss wettbewerbsfähiger werden, auch gegenüber der Strasse. Dafür müssen wir auch mehr auf der technologischen Seite investieren. Ich denke etwa an die automatisierte Bahnproduktion. In solchen Bereichen müssen wir innovativ sein. Das steht ganz oben auf der Agenda.

Die SBB sind politisch exponiert. Sie kommen aus der Privatwirtschaft, während der Bund die Spitzen der Post und SRG mit Politikern besetzt hat. Wie haben Sie sich auf die neue Aufgabe vorbereitet?

Ribar:Früher hatte ich als Unternehmerin wenig direkten Kontakt zur Politik. Als SBB-Verwaltungsrätin hatte ich bereits seit zwei Jahren Gelegenheit, dies nachzuholen. Es ist sehr spannend. Ich bin positiv überrascht, wie viele pragmatisch denkende Leute es in der Schweizer Politik gibt. Ich gehe gerne auf Menschen zu und will mein Netzwerk weiter ausbauen. Die enge Verbindung zur Politik ist für die SBB sehr wichtig.

Sie sind die erste Frau an der Spitze der SBB, bei denen es bis heute viele klassische Männerberufe gibt. Wie haben die Mitarbeitenden reagiert?

Ribar: Das bin ich gewohnt. Das Speditionsgeschäft ist eine klassische Männerdomäne, wobei sich auch dies zu ändern beginnt. Bis jetzt habe ich nur positive Rückmeldungen erhalten, wie schon bei Panalpina besonders von jungen Frauen, denen eine Frau an der Spitze des Unternehmens Mut macht.

ZUR PERSON

Monika Ribar wurde 1959 geboren. Sie studierte an der Universität St. Gallen und war lange in Führungsfunktionen des Logistikkonzerns Panalpina tätig, den sie von 2006 bis 2013 leitete. Zu den SBB stiess Ribar 2014 als Verwaltungsrätin. Weiter ist sie Mitglied des Verwaltungsrats der Sika und der Lufthansa.

Interview: Tobias Gafafer

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