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Rost-Streit mit Stadler: SBB wollen Kantone zur Kasse bitten

Die Bundesbahnen stellen wegen Rostschäden Forderungen – obwohl noch unklar ist, ob sie diese an den Zügen von Stadler Rail selbst mitverschuldet haben.
Sven Altermatt, Patrik Müller
Wer muss die Rostschäden an den Flirt-Zügen berappen? (Bild: SBB)

Wer muss die Rostschäden an den Flirt-Zügen berappen? (Bild: SBB)

Allein sein Name ist ein Versprechen: «Flinker, leichter, innovativer Regional-Triebzug». Kurz Flirt. Der Zug ist der grösste Verkaufsschlager von Stadler Rail. Seit 15 Jahren produziert der ­Konzern des früheren Thurgauer SVP-Nationalrats Peter Spuhler den Zug, er wurde bereits in über 20 Länder verkauft und ist «von Afrika bis zum Polarkreis erfolgreich unterwegs», wie Stadler stolz betont.

Den ersten Auftrag für den Zug erhielt Stadler seinerzeit von den SBB. Inzwischen ist der Flirt nicht mehr von den Schweizer Schienen wegzudenken. Doch ausgerechnet mit den Bundesbahnen liegt der Thurgauer Bahnbauer nun im Clinch. Ärger gibt es wegen Korrosionsschäden an einem Teil der 148 Flirt-Züge, die Stadler seit dem Jahr 2004 für den Regionalverkehr an die ­Bundesbahnen geliefert hat. Seit Winter 2017 werden die Züge im Tessiner SBB-Werk in Bellinzona saniert.

SBB und Stadler liegen im Clinch

Die beiden Unternehmen sind sich uneins, wer die Zusatzkosten zur Beseitigung der Rostschäden tragen muss. Das hat die Zeitung «Sonntags-Blick» publik gemacht. Für den Hersteller Stadler Rail ist klar: «Bei Schienenfahrzeugen, die täglich im Einsatz ­stehen, oft auch bei Regen und Schnee und damit verbundenem Salzwasser, ist Korrosion ein normaler Prozess und nicht vermeidbar», wie Generalsekretärin ­Marina Winder erklärt. Die Züge stünden bei den SBB in Einsatz und würden auch von diesen ­gewartet. Die SBB beantworten eine Anfrage bloss mit einer allgemeinen Stellungnahme. Darin heisst es, die Reparaturen seien nötig, weil die Böden der Flirt-Züge in unterschiedlichem Ausmass korrodieren. So führe etwa Abwasser aus den Zugtoiletten zu Zersetzungen.

Pikant: Gemäss Branchenkennern ist die Werksgarantie für die Flirt-Züge längst abgelaufen. Ebenso hätten die SBB die Korrosionsschäden teilweise mitverschuldet, weil sie Wartungsarbeiten nicht gemäss den Vorschriften von Stadler durchgeführt hätten. Dazu äussern sich die beiden Unternehmen ebenso wenig wie zu den laufenden Gesprächen. Sie bestätigen jedoch, dass auch Vertreter der Kantone an den Kostendiskussionen beteiligt sind. Zusammen mit dem Bund bestellen diese die Leistungen des Regionalverkehrs und springen bei ungedeckten Betriebskosten ein.

Werden sie nun auch für die Reparaturen der Züge zur Kasse gebeten? Was hinter vorgehaltener Hand seit Tagen kolportiert wird, verdeutlichen nun Informationen der Redaktion CH Media: Obwohl noch nicht klar ist, ob die SBB die Korrosionsschäden mitverschuldet haben, wollen sie die Kantone finanziell an deren Behebung beteiligen. Der Bahnkonzern will sein Vorgehen weder bestätigen noch dementieren.

Der Basler SP-Regierungsrat Hans-Peter Wessels ist der oberste Verkehrsdirektor der Schweiz. Man sei im Austausch mit den SBB, erklärt er. Für die Kantone sei zentral, dass die Schäden laut dem Bund die Sicherheit nicht gefährden. Ob und welche Kosten für die Kantone anfallen, sei noch offen und werde zu gegebener Zeit verhandelt. «Gemäss aktueller Einschätzung sind die Kostenfolgen überschaubar», sagt Wessels. Immerhin wurden ältere Züge teilweise schon revidiert – ohne dass sich die Kantone an den Kosten dafür beteiligen dafür mussten.

Kein Verständnis für das Vorgehen der SBB hat SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner. Der Aargauer will das Thema in der Verkehrskommission des Nationalrats aufgreifen. Es gehe nicht an, dass die Steuerzahler in den Kantonen für Schäden aufkommen müssen, sagt er. «Eine Doppelforderung ist skandalös.»

Klare Worte vom Bund

Klartext spricht auch das Bundesamt für Verkehr (BAV): «Grundsätzlich sehen wir die unternehmerische Verantwortung für die Behebung und Finanzierung der Korrosionsschäden bei den SBB.» So steht es in einem Schreiben, das die Aufsichtsbehörde im ­Dezember den SBB zukommen liess. «Weder hinsichtlich der Ursachen der Korrosionsschäden noch bezüglich der nötigen Sanierungsmassnahmen» bestünde Einigkeit, schreibt das Bundesamt.

Im Gespräch betont BAV-Sprecher Gregor Saladin: Selbstverständlich sei unbestritten, dass sich Bund und Kantone als Besteller des regionalen Personenverkehrs am Unterhalt des Rollmaterials beteiligen. «So will es das Gesetz.» Im Fall der Flirt-Züge sei vor allem die Frage zentral, so Saladin, was die Ursachen der Korrosionsschäden seien und auf welche Weise diese behoben würden. «Davon wird dann letztlich auch die finanzielle Beteiligung von Bund und Kantonen abhängig sein.» So oder so betont der BAV-Mann: «Die Schäden an den Zügen sind angesichts deren Lebensdauer normal und nicht sicherheitsrelevant.»

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