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SCHAWINSKI: Weihnachtsgeschenk für Billag-Gegner

Sein Interview mit dem Satiriker Andreas Thiel wird seit einer Woche medial zerrupft. Roger Schawinskis Sendung verschafft damit der Initiative zur Abschaffung der Billag neuen Aufwind.
Aleksandra Mladenovic
Die Sendung «Schawinski» mit Talkmaster Roger Schawinski (links) und Satiriker Andreas Thiel löste einen Rekord von Beschwerden bei der SRG-Ombudsstelle aus. (Bild: Screenshot SRF)

Die Sendung «Schawinski» mit Talkmaster Roger Schawinski (links) und Satiriker Andreas Thiel löste einen Rekord von Beschwerden bei der SRG-Ombudsstelle aus. (Bild: Screenshot SRF)

Seit einer Woche ist es das wohl kontroverseste Gesprächsthema an Schweizer Stammtischen: Roger Schawinskis (69) Talk-Sendung im Schweizer Fernsehen (SRF) vom 15. Dezember, in der er den Berner Satiriker Andreas Thiel (43) «interviewt». Ein Interview wollte das Ganze allerdings nicht so recht werden.

Schawinski verunglimpft seinen Gesprächspartner, der sich den angriffigen Fragen verweigert, vor laufenden Kameras mit Bezeichnungen wie «pubertär», «aufgeblasener Typ», «übelster Rassist». Direkt nach der Sendung entgleitet ihm offenbar auch noch das Wort «Arschloch», wie diverse Medien zu berichten wissen. «Tagesanzeiger.ch» rechnet vor, Schawinski habe 13 Minuten und 41 Sekunden lang gesprochen, während Thiel nur 11 Minuten und 54 Sekunden Sprechzeit hatte. Dabei sei ihm Schawinski ganze 37 Mal ins Wort gefallen.

Wird Schawinski abgesetzt?

Seither wird eine Absetzung der Sendung in den Medien diskutiert. Die Quoten sind mit meist weniger als 100 000 Zuschauern pro Erstausstrahlung eher mager. Der «Sonntagsblick» spekuliert, dass das SRF Schawinski durch eine Wirtschaftstalk-Sendung mit «Eco»-Moderator Reto Lipp ersetzen wolle. Tristan Brenn, Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, dementiert. Die «NZZ am Sonntag» will allerdings von SRF-Mitarbeitern wissen, dass die Spitze der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft mit Schawinskis Talkshow äusserst unzufrieden sei. Sie würden ihn jedoch aus Angst vor seiner erneut aufflammenden Kritik an der SRG und am Schweizer Fernsehen nicht absetzen.

150 Beschwerden eingegangen

Abgesehen vom medialen Hickhack sorgt die Sendung auch in der Bevölkerung für Unmut. Und dieser wird nicht nur bei Achille Casanova, dem Ombudsmann der SRG, deponiert. Er hat bis gestern 150 Beschwerden zur Sendung erhalten, wobei sich die meisten Leute ob Schawinskis «respektloser» Interviewführung stören. Er verfüge nun über sämtliche Elemente für eine Beurteilung, sagt Casanova – in der Hoffnung, dass sich weitere Reklamationen erübrigen.

Schawinski spielt mit dem unprofessionellen Auftreten auch den Gegnern der Billag-Gebühr in die Hände. «Wir bekommen zwar immer wieder Reaktionen zu SRF-Sendungen, an denen sich die Leute stören», sagt Olivier Kessler, Co-Präsident des Komitees «No Billag – Ja zur Abschaffung der Billag-Gebühr» und ehemaliger Sekretär der SVP Kanton Schwyz. «Diese Sendung stellt diesbezüglich aber alle anderen in den Schatten», fügt Kessler an. Die einzelnen Komiteemitglieder würden seither immer wieder per E-Mail kontaktiert, unzählige Zuschriften landeten im Sekretariat des Komitees. Zudem gebe es viele mündliche Rückmeldungen – «auch von Politikern», so Kessler. Er berichtet: «Die Leute sagen, das sei schlechter Journalismus, es sei nicht um die Sache gegangen, Schawinski habe Thiel bloss lächerlich zu machen versucht. Das wollen die Leute nicht per Zwangsgebühr mitfinanzieren.»

Seit die Sendung ausgestrahlt wurde, verzeichnet die Facebook-Seite der Initianten zudem viele Klicks, wie Dani Brandt, Projektleiterin beim Initiativkomitee, auf Anfrage sagt: «Im Durchschnitt besuchen 20 000 bis 25 000 Leute täglich unsere Seite – in den 24 Stunden nach der Ausstrahlung der Sendung letzte Woche waren es aber knapp 39 000.» Auch die Internetseite «nobillag.ch» verzeichnete mit knapp 15 000 Klicks vergangenen Dienstag rund 5000 Besucher mehr als sonst. Die Initiative zur Abschaffung der Billag-Gebühr wurde im Juni 2014 unter der Leitung von Olivier Kessler und Florian Maier, Vorstandsmitglied der Jungfreisinnigen Kanton Zürich, lanciert. Bereits ab Februar wurde sie auf Facebook beworben. Dort generierte die Initiative schnell Tausende «Likes». Inzwischen folgen rund 57 500 Nutzer der Facebook-Seite. Rund 40 000 der nötigen 100 000 Unterschriften sind schon eingetroffen. Für den Rest bleibt noch ein Jahr Zeit.

«Uns geht es ums Prinzip»

«Wir wollen uns nicht anmassen, einzelne Sendungen des SRF zu kritisieren», sagt Kessler zwar. Dennoch sei der Schawinski-Talk von letzter Woche ein weiteres in einer ganzen Reihe von Beispielen, die bei vielen Unmut auslösten, so Kessler: «Uns geht es ums Prinzip. Wir wollen mit unserer Initiative künftig verhindern, dass die Leute Sendungen mitfinanzieren, welche sie ablehnen.»

Die Talk-Sendung sei in dieser Hinsicht eine Art Weihnachtsgeschenk: «Die Leute werden über Weihnachten sicher noch über die Sendung und den Sinn des Billag-Gebührenzwangs diskutieren. Und einige könnten feststellen, dass sie die 462 Franken in Zukunft vielleicht lieber für Weihnachtsgeschenke ausgeben würden», folgert Olivier Kessler. Und was liegt bei ihm unter dem Baum? «Ich hoffe auf eine Welle von Unterschriften, sodass wir die Volksinitiative möglichst bald bei der Bundeskanzlei einreichen können.»

Video: Das umstrittene Interview sehen »

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